# taz.de -- Biologin über Klimaanpassung: „Ein kleiner Leuchtturm der Hoffnung“
       
       > Dem schwimmenden Garten gehört die Zukunft, sagt die Biologin Mona
       > Hegmann: als Nahrungslieferant, Lebensraum für Tiere und Weg zu einem
       > neuen „Wir“.
       
 (IMG) Bild: Schwimmende Gärten sind eierlegende Wollmilchsäue: am Bodensee hat man das schon 2020 verstanden
       
       taz: Sind wir in Deutschland einer Hungersnot näher, als wir denken, Frau
       Hegmann? 
       
       Mona Hegmann: Ja, es kann tatsächlich zu Versorgungsengpässen kommen. Wir
       nutzen noch viel künstlichen Phosphatdünger, der nun mal endlich ist.
       Unsere Böden werden immer mehr ausgelaugt und Extremwetterereignisse
       steigen.
       
       taz: Welche Möglichkeiten gibt es, unsere Nahrungsversorgung in einer
       Zukunft, die von Klimakatastrophen geprägt sein wird, zu sichern? 
       
       Hegmann: Man muss mitgehen mit dem, was die Natur einem vorgibt. Das heißt
       Anpassungen, beispielsweise an den steigenden Meeresspiegel. Eine
       Möglichkeit dafür sind eben sogenannte schwimmende Gärten. Eine andere
       Möglichkeit ist, dass wir versuchen, unsere Böden maximal zu schützen,
       indem wir im Kreislauf wirtschaften und nicht mehr Ressourcen entnehmen,
       als wir wieder zurückgeben können.
       
       taz: Was genau sind schwimmende Gärten? 
       
       Hegmann: Das sind Plattformen auf dem Wasser, wobei traditionell
       Pflanzenteile in einem Gittermuster übereinander geschichtet werden. Diese
       bilden dann das Substrat, in denen Gemüsepflanzen angebaut werden. Diese
       schwimmenden Gärten kann man beliebig bepflanzen und dort ernten. Das
       zeigt, dass wir mehr Raum, nämlich auch auf dem Wasser, erschließen können,
       als wir denken, um Lebensmittel anzubauen.
       
       taz: Unter anderem in Bangladesch setzen viele Bauern schon auf schwimmende
       Gärten. Sie sind auch Zuhause für Tiere und schützen vor Überschwemmungen.
       Welche Einsatzmöglichkeiten gibt es in Deutschland? 
       
       Hegmann: Man kann auch hier gleichzeitig Wohnraum für Tiere und Pflanzen
       sowie Nahrungsanbau für Menschen bieten. Konkret gibt es beispielsweise
       schon schwimmende Plattformen an der Elbe, die als Nistmöglichkeiten für
       Vögel dienen. Das könnte man dann natürlich auch ausweiten. Auch Wohnraum
       für Menschen, der ja immer knapper wird, könnte man irgendwann schwimmend
       kreieren. Natürlich dann nicht in Form von Wasserpflanzen, sondern von
       Flößen. Wenn nicht jeder einen eigenen schwimmenden Garten besitzt, sondern
       man gemeinsame Gärten anlegt, können sie außerdem zu einer richtigen
       Community beitragen.
       
       taz: Im Zuge des Klimaströme-Festivals bieten Sie den Workshop „Der
       schwimmende Garten der Zukunft“ an. Worum geht es da genau? 
       
       Hegmann: Die Themen sind die Extremwetterereignisse und der Klimawandel,
       welche uns durch den Workshop begleiten. Grundsätzlich bieten wir die
       Möglichkeit, sich miteinander zu verbinden und gestärkt in die Zukunft zu
       gehen. Gemeinsam an irgendetwas arbeiten, gemeinsam kochen, gemeinsam Ideen
       finden. Daneben wollen wir Handlungsmöglichkeiten bieten und zeigen, wie
       man gärtnert und Lebensmittel herstellt. Wir zeigen Lebewesen, die dafür
       zuständig sind, dass wir Lebensmittel haltbar machen können. Die Kinder
       gucken sich vielleicht ein bisschen was von ihnen ab und lernen Respekt und
       Demut für das, was uns noch an nichtmenschlichem Leben umgibt. Wir wollen
       Neugier wecken, Kinder motivieren und inspirieren.
       
       taz: Sehen Sie Projekte wie „Der schwimmende Garten der Zukunft“ auch als
       Lichtblicke für all diejenigen, die bei dem Gedanken an den Klimawandel am
       liebsten nur noch den Kopf in den Sand stecken würden? 
       
       Hegmann: Ja, das ganze Festival Klimaströme ist wie ein kleiner Leuchtturm
       der Hoffnung. Gerade für Kinder ist es so wichtig, ihnen Möglichkeiten
       aufzuzeigen. Vielleicht ist unter ihnen die nächste Person mit der
       zündenden Idee für den Klimaschutz. Mit den Entdecker:innen von morgen
       zusammenzuarbeiten, ist auch ein großer Antrieb für uns.
       
       12 Jul 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Berenike Oldenburg
       
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