# taz.de -- Radfahren bei 40 Grad: Seifenspritzer und geschmolzenes Gummi
       
       > Hitzewelle in Berlin. Da kann einer als Radfahrerin schnell mal
       > schwindelig werden. Oder man hat Glück und bekommt eine Erfrischung
       > spendiert.
       
       In Zeiten der Krise entstehen manchmal plötzlich Situationen, die von
       „echtem“ Altruismus sprechen: Bei 40 Grad Celsius stand ich in der
       Mittagshitze schweißüberströmt an der Ampel Köpenicker Ecke
       Heinrich-Heine-Straße, auf dem Weg zur Arbeit. Es war ein Akt völliger
       Selbstüberschätzung gewesen, bei diesen Temperaturen, bei denen man ohnehin
       „hitzefrei“ machen sollte, mit dem Fahrrad die Stadt zu durchqueren – und
       das auch noch, wie üblich, in Zeitnot.
       
       Immer wenn die Reifen über den leicht aufgeweichten Asphalt rollten, hatte
       ich, ob des Fahrtwindes, ein Gefühl der Erfrischung, während ich beim
       Anhalten die Einwirkung der direkten Sonneneinstrahlung auf meinen Kopf in
       Form von kreisenden Sternchen vor meinen Augen wahrnahm. Schwindelig stand
       ich also an der Ampel an der verwaisten Kreuzung, an der normalerweise die
       lange Schlange zum Kit-Kat-Club steht, und stützte mich mit letzter Kraft
       mit dem Fuß auf dem Bordstein ab.
       
       Da hielt plötzlich ein weißer Lieferwagen mit einem italienischen
       Kennzeichen neben mir und zwei junge, fröhliche Männer schauten aus dem
       Fenster. Ohne zu fragen, nahm der eine ein Gerät aus dem Handschuhfach, mit
       dem man normalerweise Autoscheiben putzt, und spritzte mir Flüssigkeit
       seitlich ins Gesicht. Verwundert drehte ich mich um. Um zu demonstrieren,
       dass es nichts als kühles Wasser war, das sich in dem Spritzgerät befand,
       spritzte er sich selbst einen Stoß ins Gesicht.
       
       Ich drehte mich nun bewusst in ihre Richtung und genoss zwei, drei weitere,
       zugegebenermaßen doch etwas seifig riechende, Spritzer auf meiner Stirn,
       meinen geschlossenen Augen und dann, auf Nachfrage hin, auch meinem Nacken.
       Nach mir war der gerade angekommene Fahrradfahrer hinter mir dran. Als die
       Ampel auf Grün sprang, fuhr der weiße Lieferwagen weiter – und wir, so
       erfrischt wie eben möglich, auch.
       
       Als ich fünf Stunden später von der Arbeit kam, war mein Hinterreifen
       platt. Ich brachte das Rad sofort zum Fahrradladen. Wir fanden keinen
       Einschnitt, keine Glasscherbe, nichts. Das Gummi war in der Hitze einfach
       geschmolzen.
       
       5 Jul 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Olga Hohmann
       
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