# taz.de -- Nach Schüssen in Stade: Mehr Schutz für Sozialarbeiter:innen gefordert
       
       > Nach den tödlichen Schüssen in einer Jugendeinrichtung: Gewerkschaften
       > fordern Debatte über bessere Schutzkonzepte in der sozialen Arbeit.
       
 (IMG) Bild: Blumen und Kerzen für die Toten: Zwei Frauen stehen vor dem Tatort, einer Jugendeinrichtung in Stade
       
       Dass ein Hilfeplangespräch wie in Stade in der Einrichtung und nicht auf
       einer Polizeiwache oder bei einem Gericht stattfindet, ist laut
       niedersächsischem Sozialministerium gängig. „Es gab vereinzelt Fälle in der
       Vergangenheit, wo auch die Polizei dazugeholt wurde von der Kommune, vom
       Jugendamt, wenn die Gefahrenlage so eingeschätzt wurde, dass das nötig
       ist“, sagte Ministeriumssprecherin Lea Karrasch. Dies sei hier nicht der
       Fall gewesen.
       
       Wenn es beim Jugendamt Kenntnisse über Gefährdungen gebe, dann werde das
       natürlich berücksichtigt und es gebe Ratgeber dafür, sagte Karrasch. „Ob es
       darüber hinaus noch weitere Vorgaben geben muss über
       Sicherheitsvorkehrungen, darüber wird auf jeden Fall zu sprechen sein.“ In
       welcher Form und in welchem Ausmaß, ließe sich zu diesem Zeitpunkt aber
       nicht sagen.
       
       [1][Bei einer Attacke in einer Mutter-Kind-Wohngruppe im niedersächsischen
       Stade] wurden am Montag Beschäftigte der Einrichtung und Mitarbeitende
       eines Jugendamtes getötet. Nach bisherigen Erkenntnissen hatten die Opfer
       einen Termin mit dem mutmaßlichen Täter, bei dem es ums Sorgerecht für
       dessen drei Monate alte Tochter gehen sollte. Der 45 Jahre alte Verdächtige
       war polizeilich bekannt. Laut Lüneburgs Polizeipräsidentin Kathrin Schuol
       galt er aber nicht als „absolut gewalttätig“.
       
       ## Tatbeteiligung der Mutter wird geprüft
       
       Der Sorgerechtsstreit liegt beim Oberlandesgericht Celle, das noch über den
       Fall entscheiden muss. Beide Elternteile hätten Beschwerde gegen ein
       familiengerichtliches Eilverfahren vom Amtsgericht Neustadt am Rübenberge
       eingelegt, bestätigte eine Sprecherin des OLG. In dem Eilverfahren hatte
       das Amtsgericht verfügt, Mutter und Kind in einer Einrichtung
       unterzubringen. Außerdem wurde beiden Elternteilen die Gesundheitssorge für
       ihr Kind aberkannt. Mehr Details wollte das Gericht am Mittwoch nicht
       nennen. Inzwischen ermittelt eine Mordkommission, der Tatverdächtige sitzt
       in Untersuchungshaft. Eine mögliche Tatbeteiligung der Mutter werde noch
       geprüft.
       
       Gewerkschaften mahnen indessen einen besseren Schutz Beschäftigter in
       sozialen Hilfeeinrichtungen an. Für Mitarbeiter des Jugendamtes entstehen
       [2][regelmäßig Situationen, bei denen es Kontakt mit Tätern gebe], sagt die
       Verdi-Landesbezirksleiterin für Niedersachsen-Bremen, Andrea Wemheuer. „Dem
       stehen mangelhafte Schutzkonzepte und fehlende Ressourcen gegenüber, um die
       Beschäftigten bestmöglich abzusichern.“
       
       ## Soziale Arbeit chronisch unterfinanziert
       
       Ähnlich kritisiert die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, dass
       soziale Arbeit chronisch unterfinanziert und überlastet sei.
       Mutter-Kind-Einrichtungen gelten aber aus Sicht der Gewerkschaft im
       gesellschaftlichen Konsens als Schutzräume. „Dass hier ein Täter mit
       Waffengewalt in so ein Haus eingedrungen ist und Beschäftigte getötet hat,
       nimmt vielen Mitarbeitenden das grundlegende Gefühl von Sicherheit am
       Arbeitsplatz“, sagt Doreen Siebernik für die Gewerkschaft.
       
       Es brauche Deeskalationstrainings, Doppelbesetzungen und bauliche
       Schutzmaßnahmen. Information über gewaltbereite Menschen müssten erfasst
       und zur Warnung weitergegeben werden. Als ein Beispiel nennt Siebernik die
       Installation von „stillen Alarmen“ an Schreibtischen, damit Betroffene sich
       unbemerkt verständigen können. (dpa, taz)
       
       1 Jul 2026
       
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