# taz.de -- Sozialpsychologin Pia Lamberty: „Wenn Irrationalität zum Standard wird, wird’s problematisch“
> Pia Lamberty wurde mit ihrer Forschung zu Verschwörungsideologien
> bekannt. Heute geht sie der Frage nach, wie man sich engagiert, ohne
> daran zu zerbrechen.
(IMG) Bild: „Ich wollte verstehen: Wie funktionieren Menschen eigentlich? Warum sind sie nicht nett zueinander?“
taz: Frau Lamberty, gerade ist Ihr neues Buch erschienen: „Der Untergang
kann warten – Wie man in Krisenzeiten Hoffnung schöpfen kann.“ Was macht
Ihnen gerade Hoffnung?
Pia Lamberty: Menschen, die trotz der vielen Krisen, Kriege und
Katastrophen, mit denen wir es gerade zu tun haben, versuchen, die Welt
schöner und besser zu machen. Das kann auch einfach zugewandte
Nachbarschaft sein. Nach einer OP haben mir zum Beispiel Nachbarn Essen
vorbeigebracht.
taz: Haben Sie heute schon versucht, etwas zu verbessern?
Lamberty: Heute meine eigene kleine Welt. In Zeiten, wo so viel los ist wie
jetzt gerade, steigt mein Bedürfnis nach Struktur, aber gerade dann ist
Selbstfürsorge ja besonders schwer. Deswegen habe ich mir mit einem
Smart-Home-Konzept ein automatisiertes System gebaut, das mich etwa morgens
immer zur gleichen Zeit weckt, dann sagt, wann ich das Handy nehmen und
Kaffee trinken kann und an den Schreibtisch muss. Das klingt jetzt banal,
aber so hab ich mentale Kapazitäten für die wichtigen Dinge, selbst wenn es
holprig wird.
taz: Dass es holprig werden kann, kennen Sie: Kürzlich waren Sie aus
gesundheitlichen Gründen zu einer längeren Pause gezwungen. Zuvor waren Sie
Geschäftsführerin [1][des Center für Monitoring, Analyse und Strategie
(CeMAS)], eines Thinktanks, der unter anderem zu Verschwörungsglauben und
Rechtsextremismus forscht. Sind Ihnen diese Themen über den Kopf gewachsen?
Lamberty: Das hab ich ganz oft gehört: Mach doch mal weniger so etwas, dann
stresst du dich nicht so. Für mich ist es aber herausfordernder, auf einer
Party rumzuhängen als zehn Stunden zu Rechtsextremismus zu recherchieren.
Ich habe lange nicht verstanden, warum mich ständig Dinge stressen, die für
andere ganz normal sind. Tja, heute weiß ich, dass ich Autistin bin, dass
ich ADHS habe. Durch die Diagnostik verstehe ich nun, dass es einen Grund
hat, warum ich mich anders gefühlt habe.
taz: Schon als Kind?
Lamberty: Ja. Ich hab mich immer ein bisschen wie ein Alien gefühlt, hatte
das Gefühl, nie richtig reinzupassen, egal wie viel Mühe ich mir gebe. Auch
meine Interessen waren anders. Mein Vater und ich hatten eine große
Leidenschaft für Aquarien. Bevor ich mit zehn ein eigenes bekommen habe,
habe ich Aquarienbücher quasi auswendig gelernt, habe Ordner angelegt und
genau berechnet, wie viele Fische von welcher Art in das Aquarium können
und welche Pflanzen zum Härtegrad passen.
taz: Meeresbiologin sind Sie aber nicht geworden, sondern
Sozialpsychologin. Wie kommt’s?
Lamberty: Ich war oft in der Stadtbücherei und hab vieles gelesen, was
eigentlich für Ältere gedacht war, da ging es immer um Schicksale und
Herausforderungen. Oder Fachbücher, wie man Gesichter lesen kann und solche
Sachen. Ich wollte verstehen: Wie funktionieren Menschen eigentlich? Warum
verhalten sie sich so? Warum sind sie nicht nett zueinander? Nicht nur im
Alltag, auch auf einer größeren politischen Ebene. Seit ich Teenagerin war,
habe ich mich viel mit dem Nationalsozialismus und mit
Menschenfeindlichkeit generell beschäftigt.
taz: Studiert haben Sie dann aber erst mal Literaturwissenschaft und
Philosophie.
Lamberty: Für Psychologie hat mein Abischnitt nicht gereicht. Nach dem
Bachelor hab ich noch einen Master in Kulturpoetik angefangen. Ich weiß
noch, dass es in einem Seminar um den Bahnhof als Transitraum ging, wo man
ankommt, um wieder zu gehen. Ich saß da und dachte, boah, das ist ein
totaler Luxus, das zu diskutieren, und auch cool, wenn man das mag. Aber
das bin doch nicht ich.
taz: War Ihre Herkunft auch Ursache für dieses Fremdheitsgefühl? Sie waren
die Erste in Ihrer Familie, die studiert hat.
Lamberty: Ja, das Studium hat mich das erste Mal mit der Kategorie Klasse
konfrontiert. Ich musste mein Studium zum Großteil selbst finanzieren, hab
immer gejobbt nebenher.
taz: Was ist nach dem Seminar passiert?
Lamberty: Ich hab abgebrochen und endlich Psychologie studiert, an der
Fernuni Hagen. Für jemanden wie mich, der zwischen vielen Menschen nicht
gut zuhören kann, war das richtig gut. Da konnte ich mich selbst
strukturieren, in meinem Tempo lernen und musste nicht in Vorlesungen. Was
ich großartig fand, waren die vielfältigen Lebensentwürfe meiner
Mitstudierenden, Menschen, die im Beruf stehen, die Angehörige pflegen oder
auf dem Dorf leben, und viele, die wie ich einen nichtakademischen
Hintergrund haben. Auch hab ich an keiner Uni so viel gegenseitige
Unterstützung erlebt wie in Hagen.
taz: Sie haben dann an der Uni Mainz zu Verschwörungsideologien geforscht.
Warum dieses Thema?
Lamberty: Mir ging es schon immer darum, menschliches Erleben und Verhalten
zu verstehen, nicht rein individualistisch, sondern im gesellschaftlichen
Kontext. Meist hab ich mich mit Nischen beschäftigt, auch
Verschwörungsglaube war ein Nischenthema.
taz: Aber dann kam Corona und der Zufall wollte, dass Ihr erstes Buch „Fake
Facts“ gerade fertig war …
Lamberty: … und es plötzlich überall Querdenkerdemos gab, und alle wissen
wollten, was da passiert. Meine Co-Autorin Katharina Nocun und ich, wir
haben dann noch schnell ein Kapitel eingefügt. Ich hatte ja schon in Mainz,
zusammen mit meinem Doktorvater Roland Imhoff Forschungen zu medizinischen
Entscheidungen und Verschwörungsglauben veröffentlicht. Daraus konnte man
ganz Grundsätzliches ableiten.
taz: Was zum Beispiel?
Lamberty: Dass die Tendenz, an Verschwörungen zu glauben, auch medizinische
Entscheidungen stark beeinflusst.
taz: Sie haben auch gezeigt, dass Verschwörungsglaube nichts mit mangelnder
Bildung zu tun hat, sondern ein Persönlichkeitsmerkmal ist.
Lamberty: Genau. Eine Studie hat ergeben, dass Menschen, die sich besonders
einzigartig fühlen, eher an Verschwörungen glauben. Deshalb sind Leute aus
dem Querdenkermilieu heute noch sauer auf mich.
taz: Ich muss immer an Sie denken, wenn ich auf Holz klopfe …
Lamberty: (lacht) Das ist magisches Denken.
taz: … das auch sehr verbreitet ist. In „Der gefährliche Glaube“ setzen Sie
sich kritisch mit der esoterischen Gedankenwelt auseinander. Mich hat ganz
schön entsetzt zu entdecken, wie viele irrsinnige Dinge wir tagtäglich tun.
Lamberty: Die Frage ist, ab welchem Punkt [2][magisches Denken] schädlich
ist, und wann es sogar nützt. Wenn die äußere Welt bricht, dann bleiben
einem vielleicht nur noch Sternschnuppenwünsche. Und das ist dann auch okay
so. Wenn das aber dazu führt, dass wir dauerhaft nicht mehr handeln, uns
vielleicht sogar Schlechtem aussetzen, weil wir nicht mehr prüfen, was wir
verändern können und müssen, dann wird es problematisch. Oder wenn
Irrationalität zum gesellschaftlichen Standard wird, so wie wir das gerade
immer häufiger sehen.
taz: Haben Sie geahnt, wie viel Hass Sie mit Ihren Positionen auf sich
ziehen würden?
Lamberty: Na ja, ich hatte mich ja schon vor Corona zu diesen Themen
öffentlich geäußert und das auf einem niedrigen Level erlebt. Dass das aber
so massiv wird, hab ich nicht erwartet. Ich hab auch das Gefühl, dass ich
den Hass besonders angezogen habe. Ich hatte damals ja noch „hexenhaft“
rote Haare, mein Nasenring hat auch viel Wut erzeugt und natürlich, dass
ich eine Frau bin. Dass ich als Psychologin dazu aufkläre und Probleme klar
benenne, hat vielleicht auch ein Sich-ertappt-fühlen hervorgerufen, das ist
unangenehm.
taz: An Ihrer Antwort zeigt sich, wie Sie arbeiten: Sie verteufeln
Verhaltensweisen nicht, sondern versuchen zu verstehen. Um daraus dann
konkrete Handlungsoptionen ableiten und Betroffenen helfen zu können.
Richtig?
Lamberty: Ja. Ich habe oft Onlinevorträge zum Thema Verschwörungsglauben
gegeben, und was mich wirklich bewegt hat, war, dass immer Leute von ihrem
Leid erzählt haben, egal, wie groß die Veranstaltung war. Der Partner, der
abgedriftet ist, die Verzweiflung, die damit einhergeht, dass man nicht
weiß, wohin damit. Es gab zwar schon Beratungsstellen wie zum Beispiel die
Sektenberatung Zebra oder die SektenInfo NRW. Aber die können das auch
nicht alleine stemmen. Es handelt sich – ohne das abwerten zu wollen – in
der Regel um psychosoziale und nicht so sehr um psychologische Stellen. Die
bräuchte es aber.
taz: Auch mit Ihrem aktuellen Buch wollen Sie Hilfe anbieten. Wie kam es
dazu?
Lamberty: Bei meinen Vorträgen und Workshops habe ich viele Menschen
getroffen – etwa von NGOs und Kommunen – die super engagiert sind, aber oft
überfordert. Viele können einfach nicht mehr. Sie wissen nicht, wie sie
ihre Arbeit weitermachen sollen, weil es so viel Gegenwind gibt, immer mehr
Projekten werden die Gelder gekürzt. Damit wurde ich regelmäßig
konfrontiert. Und da dachte ich irgendwann, ich kann jetzt noch 100
Vorträge über den Verschwörungsglauben halten – das macht mir auch Spaß –,
aber das ist immer preaching to the choir. Die Leute, die kommen, kennen
sich damit schon aus oder haben schon ein Bewusstsein dafür. Was aber
fehlt, ist so eine Verknüpfung von individueller Stärkung und dem
Verständnis für gesellschaftliche Dynamiken.
taz: Was heißt das?
Lamberty: Sicher nicht, wir machen jetzt mal einen Resilienzkurs, machen
die Augen zu und stellen uns das Leben pink und schön vor. Sondern es geht
darum, anzuerkennen, dass diese Welt herausfordernd ist und um die Frage,
wie wir uns engagieren können, ohne daran zu zerbrechen und am Ende
aufzugeben. Denn das wäre das Fatalste, dann haben autoritäre Kräfte ein
noch leichteres Spiel.
taz: Diese Leerstelle wollen Sie jetzt auch als psychologische Beraterin
füllen, als solche haben Sie sich selbständig gemacht. Müssen wir also nur
alle an uns arbeiten?
Lamberty: Nein, ich finde es total wichtig, individuelle Stärkung und die
gesellschaftliche Perspektive zusammenzudenken. Also, ich kann mir
hundertmal vornehmen, dass ich besser auf mich achte. Wenn es dann aber auf
einmal heißt, alle sollen mehr arbeiten und sich nicht so oft krank melden,
dann wird gesellschaftspolitisch ein Rahmen gespannt, in dem Selbstfürsorge
nicht wirklich möglich ist. Wenn man darunter zerbricht, ist es
individuelles Versagen. Das ist falsch.
taz: Der Krankenstand ist in Deutschland aber tatsächlich sehr hoch.
Lamberty: Ja, und das hat Gründe: Wir haben Krisen über Krisen und so viele
Daten, die zeigen, wie sehr diese Situation die Menschen belastet. Die
Studienlage zeigt auch, dass der sogenannte Präsentismus – also hinzugehen,
obwohl man noch nicht fit ist –, viel teurer ist, als wenn Menschen sich
richtig auskurieren. Das sind also irrationale Forderungen, die eine
Klientel bedienen sollen, die aber überhaupt nicht helfen, sondern zu noch
höheren Belastungen führen. Und wenn sich Menschen dann weniger beteiligen
können, schadet das auch unserer Demokratie …
taz: … was auch für den Einzelnen einen negativen Effekt hat. Denn, wie Sie
in Ihrem Buch zeigen, ist die Erfahrung von Gemeinschaft essenziell für
unser Wohlbefinden.
Lamberty: Ja, das ist ganz generell so. Wenn ich mich getrennt habe, dann
tut es gut, wenn Menschen da sind, die sagen, hier, ich habe dein
Lieblingsessen mitgebracht, lass mal gemeinsam schimpfen. So ist das auch
bei größeren Krisen und Herausforderungen. Es macht einen Unterschied, ob
man allein in einem Dorf in Sachsen versucht, gegen rechtsextreme
Entwicklungen anzugehen, oder man das Gefühl hat, da sind noch andere, mit
denen man gemeinsam eine Perspektive entwickeln kann.
taz: Hatten Sie deshalb 2021 den Thinktank CeMAS mitgegründet? Also stand
dahinter auch der Wunsch, sich mit anderen Expert:innen zu verbünden?
Lamberty: Ja, ich finde es wichtig, gemeinsam Dinge zu entwickeln. Aber ich
bin nicht dafür gemacht, ständig zwischen vielen Menschen zu sein.
taz: War das der Grund für Ihren beruflichen Wechsel?
Lamberty: Natürlich musste ich mir nach meiner Auszeit überlegen, wie ich
zukünftig arbeiten kann und will, meine Beratungen mache ich zum Beispiel
jetzt online. Ich habe mir auch für Organisatorisches ein System gebaut,
das mir hilft, mit meinen Einschränkungen besser umzugehen. Ausschlaggebend
war jedoch etwas anderes.
taz: Was denn?
Lamberty: Nach dem Beginn des russischen Angriffskrieges hat CeMAS eine
Studie zu Kriegsängsten gemacht, 41 Prozent der Befragten hatten Angst,
dass der Dritte Weltkrieg ausbricht. Und auch mich haben die Ereignisse
völlig umgehauen. Und da hab ich mir gedacht, dass ich da gern mehr
Handwerkszeug hätte und habe eine Fortbildung zur Notfallpsychologin
gemacht. Anders als die Psychotherapie, die bei persönlichen Krisen hilft,
ist die Notfallpsychologie da, wenn das Außen schlimm wird. Wenn man in
akuten Notlagen die richtige Hilfe bekommt, können die Belastungsfolgen
geringer ausfallen, eine Therapie wird da vielleicht gar nicht nötig.
Außerdem sorgen wir dafür, dass wir auch in schlimmen Situationen
handlungsfähig bleiben. Genau das ist jetzt Inhalt meiner Arbeit.
taz: Also gehen Sie davon aus, dass wir uns für solche Situationen wappnen
müssen?
Lamberty: Also, ich hoffe nicht, dass der Dritte Weltkrieg ausbricht. Aber
dass wir in einer herausfordernden Zeit leben, sehen wir schon auf vielen
Ebenen. Das könnte sich durchaus noch weiter verschärfen. Und ich denke, es
hilft, darauf vorbereitet zu sein. Die Forschungsergebnisse von CeMAS haben
auch gezeigt, dass der Wunsch nach einer autoritären Figur mit
Kriegsängsten zusammenhängt. Wenn wir hier also keine Angebote machen,
überlassen wir diese Menschen populistischen Kräften.
taz: In Ihrem Buch empfehlen Sie, sich eine Box mit Dingen zuzulegen, die
einem in Krisenzeiten das Gefühl von Stabilität vermitteln. Ehrlich gesagt,
klingt das für mich nach einem dieser simplen Coachingtools.
Lamberty: Wenn in Anbetracht ernster Herausforderungen von psychologischen
Ansätzen wie Selbstfürsorge oder auch Achtsamkeit die Rede ist, dann rollen
viele die Augen, jetzt kommen die Psychologen wieder mit ihren weltfremden
Sachen. Deswegen war es mir für das Buch so wichtig, Beispiele von Menschen
in schlimmen Situationen zu bringen, die diese Prinzipien für sich
anwenden, und zu zeigen, dass das nicht nur hohle Phrasen sind. Zum
Beispiel gab es da diese junge Ukrainerin, die von kleinen Momenten
berichtet, wie einem Schmetterling, der da lang fliegt. Andere erzählten,
dass ihnen die gemeinsame Zeit mit ihren Kindern über die schwere Zeit
hilft. Das klingt so banal im Vergleich zu den Erfahrungen, die sie im
Krieg machen. Aber man braucht diese Momente, um mit schweren Situationen
umzugehen. Sie vermitteln einem das Gefühl, dass das Leben trotzdem Sinn
ergibt.
taz: Aber Sie sagen auch, dass die Fokussierung auf das Hier und Jetzt
schaden kann.
Lamberty: Bei den meisten Konzepten geht es ja nicht darum, sie gleich zur
Lebensmaxime zu machen, also immer achtsam zu sein und nicht zu werten.
Manchmal ist die Situation einfach scheiße und dann soll man das auch so
benennen. Nostalgie kann uns manchmal guttun, ein Spielzeug aus der
Kindheit, das Essen der Oma. Aber wenn das zur Flucht wird, wird es zum
Problem. Es ist immer diese Mischung, in der wir uns bewegen müssen, zu
sehen, was tut uns gut, was tut der Welt gerade gut, und wie wir eine
Balance finden.
taz: Sie empfehlen in Ihrem Buch, sich eine Utopie zuzulegen.
Lamberty: Ja. Gerade im Umgang mit der extremen Rechten sehe ich, dass oft
sehr impulsiv agiert wird. Man reagiert mehr, als dass man sich
strategische Gedanken macht. Die extreme Rechte gibt Menschen dagegen die
Idee einer anderen – natürlich zutiefst menschenfeindlichen – Zukunft.
Deswegen ist es schon wichtig zu überlegen, wo es denn hingehen soll. Wobei
man jedoch nicht aus dem Blick verlieren darf, dass Veränderung sehr viel
kleinschrittiger passiert, als man es gerne hätte. Es ist immer Aushandlung
und es bedeutet auch, Frust zu erleben. Deswegen ist es so wichtig, sich
kleine Ziele zu setzen, die man tatsächlich erreichen kann und die einem
dann auch das Gefühl von Selbstwirksamkeit vermitteln.
taz: Haben Sie ein konkretes Beispiel?
Lamberty: Vor der letzten US-Wahl habe ich mich hingesetzt und einen
Beitrag vorbereitet, wie man aus psychologischer Sicht mit einem Sieg von
[3][Trump] umgeht. Alltagsroutinen aufrecht halten war zum Beispiel ein
Tipp. Dieser Beitrag hatte eine unglaubliche Reichweite und wurde auch
außerhalb von Instagram viel geteilt. Das war so ein Moment, wo ich dachte,
also schöner wäre es, wenn es das nicht bräuchte. Aber das hat für viele
Sinn gemacht, ich selbst kam auch besser über den Tag.
taz: Was raten Sie für den Fall, dass die AfD bei den kommenden
Landtagswahlen die Mehrheit erhält?
Lamberty: Ich glaub, wichtig ist erst einmal, genau das auch in Betracht zu
ziehen: Es kann passieren. Das ist schrecklich, aber wenn man es als
Möglichkeit denkt, kann man jetzt schon Maßnahmen ergreifen. Und dann
braucht es Verbündete – Menschen, die sich gegenseitig unterstützen und
zusammen auf eine Zukunft hinwirken, in der die AfD keine Rolle mehr
spielt.
18 Jul 2026
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