# taz.de -- Mister Nonchalant: Cool, cooler, Olise
       
       > Michael Olise lässt kaum Privates raus, aber er verzückt sowohl in der
       > Bundesliga als auch bei der Weltmeisterschaft. Wie macht er das bloß?
       
 (IMG) Bild: Selbst dem coolen Olise ist es zu heiß
       
       Den FC Bayern findet man einfach nicht gut. Die Spieler? Arrogant. Der
       Vorstand um Uli Hoeneß? Arrogant. Die Fans? Sowieso arrogant. Und
       größtenteils reine Erfolgsfans – läuft es mal nicht, interessiert sie der
       Verein plötzlich kaum noch. So wurde ich erzogen. Als Bayern-Hasser. Und
       das hat, bis auf zwei Jahre, auf die ich heute nicht besonders stolz bin,
       auch ziemlich gut funktioniert. Tja, bis die Münchner vor zwei Jahren einen
       französischen Flügelspieler verpflichteten. Einen Typen, der inzwischen im
       Trikot der Equipe Tricolore die ganze Fußballwelt begeistert: Michael
       Olise.
       
       Olise zu verstehen, ist eigentlich unmöglich. Man kennt den Fußballer, aber
       beim Versuch hinter die Fassade zu schauen, ist da nichts. Keine großen
       Interviews, keine Show, kein Drama. Er hat sich das Image eines Mr
       Nonchalant aufgebaut – das komplette Gegenteil eines typischen
       Bayern-Spielers. Locker, elegant, majestätisch schwebt er über den Platz.
       Als könnte ihn absolut nichts aus der Ruhe bringen.
       
       Sein Jugendtrainer Sean Conlon beschreibt ihn so: „Er ist besessen vom
       Fußball. Ich glaube, das ist das Erste, woran er morgens nach dem Aufwachen
       denkt, und das Letzte vor dem Einschlafen. Er möchte sich gar nicht mit
       anderen Dingen beschäftigen – er liebt einfach Fußball.“ Das passt zu Olise
       selbst. Als er der L’Équipe vor dem Turnier eines seiner seltenen
       Interviews gab, meinte er: „Sagen wir mal so: Ich spreche lieber mit meinen
       Füßen.“
       
       In der abgelaufenen Saison sammelte Olise beim FC Bayern in 52
       Pflichtspielen starke 53 Torbeteiligungen und wurde völlig verdient zum
       [1][Spieler der Saison] gewählt. Sein Markenzeichen? Er bekommt den Ball an
       der Strafraumkante, zieht nach innen und schlenzt ihn gefühlt jedes Mal
       links oben in den Winkel. Jeder weiß, was kommt: Verteidigen kann es
       trotzdem kaum jemand. Und wenn der Ball einschlägt, jubelt er kaum, sondern
       läuft einfach zurück in die eigene Hälfte, als wäre nichts gewesen.
       
       ## Huch, ein sympathischer Weltstar?
       
       Bei der Weltmeisterschaft übernimmt er eine etwas andere Rolle als in
       München. Er hält sich häufiger im Zentrum auf, lässt sich die Bälle schon
       an der Mittellinie geben und dirigiert das französische Offensivspiel. Das
       Ergebnis: [2][drei Vorlagen in der Vorrunde].
       
       Olise ist ein absoluter Weltstar. Einer, der es vielleicht gar nicht sein
       will. Jedenfalls verleiht er dem FC Bayern ein beinahe sympathisches
       Gesicht. Fast schon unheimlich, wenn Sie mich fragen.
       
       30 Jun 2026
       
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