# taz.de -- +++ Hitzewelle in Deutschland +++: Jetzt gibt’s Blitze statt Hitze
       
       > Die Gluthitze weicht, die Abkühlung wird aber von Gewittern begleitet.
       > Welche Regionen besonders betroffen sind und wie sich das Wetter
       > entwickelt.
       
 (IMG) Bild: An der Wetterstation in Kitzingen in Bayern wurden am 26. Juni um 15.23 Uhr 40,1 Grad gemessen
       
       ## Deutschland kühlt sich runter
       
       Nach [1][einem glühend heißen Wochenende] und einem vorläufigen
       Temperaturrekord in Deutschland von 41,7 Grad im Osten Brandenburgs ist
       Abkühlung in Sicht – allerdings begleitet von teils schweren Gewittern mit
       Starkregen und Sturmböen. In der Nacht drohten laut dem Deutschen
       Wetterdienst (DWD) vor allem im Süden und Osten Deutschlands örtlich
       Gewitter mit Unwetterpotenzial, inklusive Hagel und heftigen Starkregens
       mit bis zu 40 Litern pro Quadratmeter. In der zweiten Nachthälfte sollte
       auch der Westen und Südwesten teils schwere Gewitter abbekommen, ebenfalls
       mit teils viel Regen und Sturmböen.
       
       Für heute sind dann niedrigere Temperaturen angesagt, bei Höchstwerten
       zwischen 25 und 29 Grad, lokal im Osten und Südosten bis 32 Grad. Dazu
       werden weiterhin im Westen, Süden und Osten Schauer und teils Gewitter mit
       erhöhter Unwettergefahr erwartet. Vom Niederrhein bis nach
       Schleswig-Holstein soll es bewölkt bleiben, vereinzelt sind auch dort
       Schauer möglich.
       
       Der vorläufige Temperaturrekord von 41,7 Grad wurde am Sonntagnachmittag in
       Neißemünde im brandenburgischen Landkreis Oder-Spree direkt an der Grenze
       zu Polen gemessen – es war die dritte Bestmarke im Bundesgebiet binnen
       weniger Tage. Erst am Freitag hatte der Wetterdienst in Saarbrücken-Burbach
       nach vorläufigen Angaben 41,3 Grad gemessen, und am Samstag dann an
       derselben Station 41,4 Grad. Den nächsten vorläufigen Rekord registrierte
       der DWD dann ebenfalls am Samstagnachmittag mit 41,5 Grad in
       Möckern-Drewitz in Sachsen-Anhalt. Die folgende Nacht war dann nach
       vorläufigen DWD-Angaben die wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen. Im
       ostsächsischen Kubschütz sank die Nachttemperatur nicht unter 29,4 Grad:
       Damit wurde der alte Rekord für die wärmste Nacht – 27,2 Grad am 13. August
       2003 am Berg Weinbiet in Rheinland-Pfalz – um mehr als zwei Grad
       übertroffen. (dpa)
       
       ## Juni 2026 im Vergleich zu Vorjahren deutlich wärmer
       
       Der vorherige Hitzerekord für Deutschland hatte sieben Jahre gehalten und
       bei 41,2 Grad Celsius gelegen, gemessen am 25. Juli 2019 in Tönisvorst und
       Duisburg-Baerl in Nordrhein-Westfalen. Nach Angaben des DWD ist der Juni
       2026 deutlich wärmer gewesen als andere Juni-Monate. Er dürfte „bei der
       Monatsmitteltemperatur unter den Top 3 der wärmsten seit Messbeginn
       landen“, teilte eine Pressesprecherin mit. Die genaue Auswertung will der
       DWD am Montagmittag veröffentlichen. Der Juni sei zudem vergleichsweise
       niederschlagsarm gewesen, hieß es. Außerdem habe es vergleichsweise viele
       Sonnenstunden gegeben.
       
       Die aktuelle Hitzewelle wäre in diesem Ausmaß [2][ohne den Effekt des
       Klimawandels nahezu ausgeschlossen]. Die Tagestemperaturen und auch die in
       der Nacht wären zu dieser Jahreszeit vor 50 Jahren in West- und
       Mitteleuropa „praktisch unmöglich“ gewesen, betonen die Wissenschaftler der
       Organisation World Weather Attribution. (dpa)
       
       ## WHO-Chef bezeichnet Hitzestress als „stillen Killer“
       
       Nach Einschätzung des Chefs der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist die
       beispiellose Hitzewelle mit Rekordtemperaturen in Europa mitverantwortlich
       für Hunderte zusätzliche Todesfälle. „Seit dem 21. Juni wurden in Europa
       mehr als 1.300 zusätzliche Todesfälle verzeichnet, die im Zusammenhang mit
       den hohen Temperaturen stehen“, schrieb Tedros Adhanom Ghebreyesus auf der
       Plattform X. „Europa ist der sich am schnellsten erwärmende Kontinent der
       Erde – die Erwärmung verläuft doppelt so schnell wie im globalen
       Durchschnitt.“
       
       Laut Tedros leiden derzeit 150 Millionen Menschen unter extremer Hitze,
       Schulen seien geschlossen, die Stromnetze würden zusammenbrechen.
       Hitzestress werde oft als „stiller Killer“ bezeichnet – und europäische
       Wohnungen, Arbeitsplätze und Schulen seien für solche Temperaturen nicht
       ausgelegt, schrieb Tedros.
       
       Deutschland hat sich im Vergleich zur vorindustriellen Zeit bereits um 2,5
       Grad erwärmt – das ist mehr als der weltweite Durchschnitt. Die Erwärmung
       führt laut DWD unter anderem zu häufigeren Hitzewellen und Dürrephasen, was
       Landwirtschaft und Trinkwasserversorgung gefährdet und die Waldbrandgefahr
       steigen lässt. In Deutschland gab es in den vergangenen Jahren viele
       Tausend Hitzetote – auch wegen der vergleichsweise alten Bevölkerung.
       Schäden durch stärkere Unwetter mit heftigen Stürmen, Starkregen und
       Überschwemmungen kommen hinzu. (dpa)
       
       ## Schienenverkehr und Autobahnen leiden
       
       Wegen der Hitze hatten die Deutsche Bahn und weitere Eisenbahnunternehmen
       am Wochenende von nicht notwendigen Reisen im Fern- und Regionalverkehr
       abgeraten. Und tatsächlich gab es Probleme: So strandeten am Samstagabend
       mehr als 600 Passagiere ohne Klimaanlage in einem Zug in der Prignitz in
       Brandenburg. Drei Menschen kamen mit Kreislaufproblemen ins Krankenhaus.
       Der Grund: Ein Baum war bei einem Sturm auf eine Oberleitung gefallen.
       
       Auch der Straßenverkehr litt unter Hitzeschäden. Nach einer Liste des ADAC
       waren am Wochenende etliche Autobahnen in vielen Bundesländern von
       Sperrungen und Geschwindigkeitsbegrenzungen betroffen. Vielerorts wölbte
       sich die Fahrbahn bei Hitze auf, weil sich der Beton ausdehnte. (dpa)
       
       ## 41,9 Grad: Tschechien verzeichnet neuen Hitzerekord
       
       Tschechien hat am Sonntag den zweiten Tag in Folge einen Hitzerekord
       verzeichnet. Laut dem nationalen Wetterdienst CHMI stieg das Quecksilber an
       einer Wetterstation in Doksany nördlich von Prag auf 41,9 Grad. Bereits am
       Samstag war dort eine Rekordtemperatur von 40,8 Grad gemessen worden. „Es
       ist das erste Mal, dass wir in unserem offiziellen Netz von Wetterstationen
       eine Temperatur von 41 Grad gemessen haben“, erklärte der Wetterdienst im
       Onlinedienst X. An der Hälfte aller 171 Wetterstationen seien am Sonntag
       neue Rekordtemperaturen verzeichnet worden. Auch am Montag werde die Hitze
       in einigen östlichen Landesteilen andauern. Im Westen werde zu Wochenbeginn
       dagegen mit einer Abkühlung gerechnet.
       
       Wegen der durch die Hitze verursachten hohen Ozonwerte gab der Wetterdienst
       am Sonntag eine Smogwarnung für die Hauptstadt Prag und ihre Umgebung
       heraus. Die Bevölkerung – insbesondere Menschen mit chronischen
       Atemwegserkrankungen, Ältere und Kinder – wurden aufgerufen, körperliche
       Anstrengung zu vermeiden. Die bisherige Höchstmarke in Tschechien lag bei
       40,4 Grad Celsius. Der Wert war 2012 in Dobrichovice südwestlich der
       Hauptstadt gemessen worden. (afp)
       
       ## Mindestens 15 Menschen sterben bei Badeunfällen
       
       Während der Hitzewelle in Deutschland sind seit Freitag mindestens 15
       Menschen bei Badeunfällen gestorben. Ein 17-Jähriger wurde am Sonntag tot
       aus einem Baggersee in Peine in Niedersachsen geborgen. [3][In Berlin]
       zogen die Einsatzkräfte einen jungen Mann aus dem Wasser, der in die Spree
       gesprungen war. Am Samstag ertrank laut Polizei ein 27-Jähriger im Neckar
       bei Heidelberg, ein 30-Jähriger starb in einem Badesee bei Neuhofen südlich
       von Mannheim, zwei weitere Männer kamen in verschiedenen Gewässern in
       Berlin ums Leben. Im Herner Meer am Rhein-Herne-Kanal in
       Nordrhein-Westfalen starb ein sechsjähriges Kind. In Hessen wurde
       südwestlich von Frankfurt ein 40-Jähriger tot aus dem Waldsee Raunheim
       geborgen.
       
       Bereits am Freitag war im Seepark Lünen bei Dortmund ein 45 Jahre alter
       Mann von Besuchern aus dem Wasser gezogen worden. Der Mann starb laut
       Polizeiangaben später im Krankenhaus. Ein acht Jahre alter Junge wurde nach
       zweistündiger Suche tot aus einem Badesee in Isernhagen bei Hannover
       geborgen. Das Kind habe sich ersten Hinweisen zufolge im Wasser aufgehalten
       und sei dann nicht mehr zu sehen gewesen, teilte die Polizei mit. Ebenfalls
       nach stundenlanger Suche wurden die Leichen von zwei Schwimmern am Freitag
       im Bodensee gefunden. Die älteren Männer waren am Donnerstag vor den Augen
       ihrer Frauen in den See gesprungen und verschwunden.
       
       Drei Tage dauerte die Suche nach einem 14-Jährigen in einem See bei Düren
       in NRW. Er war nach bisherigen Erkenntnissen am Freitag mit Freunden in
       einem Schlauchboot auf dem See unterwegs und aus bislang ungeklärter
       Ursache ins Wasser gefallen. Taucher bargen ihn am Sonntagvormittag, ein
       Notarzt konnte nur noch seinen Tod feststellen.
       
       Am Samstag ertrank ein 41-jähriger Mann in einem Baggersee in Düsseldorf.
       In Hessen kam es am Sonntagvormittag zudem zu einem Badeunfall in einem
       Freibad in Kassel. Ein 76-Jähriger wurde leblos im Wasser entdeckt,
       Reanimationsmaßnahmen blieben erfolglos. Am Nachmittag suchten
       Einsatzkräfte in der Ostsee nach einem vermissten Langstreckenschwimmer.
       Eine Drohne und diverse Boote seien an der Seebrücke Scharbeutz im Osten
       Schleswig-Holsteins im Einsatz gewesen, die Suche wurde jedoch ohne Erfolg
       abgebrochen. (dpa)
       
       ## 40,5 Grad – polnischer Hitzerekord in Grenzstadt Slubice
       
       Mit vorläufig 40,5 Grad ist in der Grenzstadt Slubice an der Oder ein neuer
       Temperaturhöchststand für Polen verzeichnet worden. Der Spitzenwert müsse
       noch offiziell bestätigt werden, teilte das Institut für Meteorologie und
       Wasserwirtschaft in Warschau mit. Doch Sprecherin Agnieszka Prasek sagte:
       „Wir können von einem Rekord sprechen.“ Die bisherigen Temperaturrekorde in
       Polen hatten lange Bestand gehabt. 1921 waren 40,2 Grad gemessen worden bei
       Opole (Oppeln) in Schlesien, das damals zum Deutschen Reich gehörte. Der
       polnische Höchstwert nach dem Zweiten Weltkrieg stammte von 1994 ebenfalls
       aus Slubice mit 39,5 Grad.
       
       Slubice ist die Zwillingsstadt von Frankfurt an der Oder im Bundesland
       Brandenburg. Im brandenburgischen Kreis Oder-Spree wurde nach vorläufigen
       Angaben des Deutschen Wetterdienstes DWD am Sonntag auch für Deutschland
       ein neuer Höchstwert gemessen: 41,7 Grad Celsius waren es in Neißemünde an
       der Oder. Die Hitze beeinträchtigte in Polen den Bahnverkehr. Die
       staatliche Bahngesellschaft PKP sprach von Störungen der Oberleitungen.
       Mehrere Züge auf Hauptstrecken wie Warschau-Danzig oder Warschau-Posen
       fielen aus. Eine Reihe von Strecken war nur eingleisig befahrbar. (dpa)
       
       ## Hitzeschäden: Auch am Montag keine Straßenbahnen in Leipzig
       
       Aufgrund von Hitzeschäden ist der Straßenbahnverkehr in Leipzig auch am
       Montag eingeschränkt. Ziel sei es, den Betrieb schrittweise und im besten
       Falle teils schon am Montag wieder aufzunehmen, teilten die Leipziger
       Verkehrsbetriebe (LVB) mit. Zuvor war der Straßenbahnverkehr wegen
       Hitzeschäden an Schienen und Weichen bereits bis Montagmorgen um 3.30 Uhr
       eingestellt worden.
       
       Zunächst hatten die LVB den Betrieb nur bis in die Nacht zum Sonntag
       eingestellt, der Zeitraum wurde danach zweimal verlängert. Die hohen
       Temperaturen sorgten demnach an vielen Stellen im Netz dafür, dass
       Fugenmasse für Asphalt und Beton in Weichen und Schienen lief und dort
       verklumpte. Ein sicherer Straßenbahnbetrieb sei derzeit nicht möglich, hieß
       es. Von der Einstellung sind sämtliche Straßenbahnlinien in der sächsischen
       Stadt betroffen. Busse sollen so weit wie möglich planmäßig fahren.
       Fahrgäste sollten sich vor Fahrtantritt über aktuelle Verbindungen
       informieren. (dpa)
       
       29 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
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