# taz.de -- Leben auf dem Land: In der Hitze des Kuhkaffs
       
       > Unser Autor glaubte dort zu leben, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht
       > sagen. Weit gefehlt, besonders in den tropischen Nächten.
       
 (IMG) Bild: Bei der Gluthitze wird der Traktor erst abends angelassen
       
       Und ich habe gedacht, ich würde dort ein Gasthaus führen, wo sich Fuchs und
       Hase gute Nacht sagen. Aber zu glauben, hier wäre posemuckelig nichts los,
       wäre ein großer Irrtum. Es ist wie so oft eine Frage des Zeitfensters.
       
       Beispielsweise jetzt: Der Ort liegt da wie tot, während ich diese Kolumne
       schreibe. Es ist früher Nachmittag, die Sonne hat das Thermometer wieder
       über 30 Grad aufgeheizt, die Luft flimmert über dem Asphalt und das
       Einzige, was sich darauf bewegt, ist ein einsamer orangener Flipflop, der
       vom Wind durch die vertrockneten Lindenblüten getrieben wird.
       
       Das letzte Auto ist gefühlt vor zwei Stunden unter dem Fenster
       vorbeigefahren. „Sie haben es aber ruhig hier“, werden die nächsten Gäste
       bestimmt bei der Ankunft sagen.
       
       Tatsächlich ist Castell eine Schlafstadt, die meisten verlassen den Ort
       morgens, um zur Arbeit zu fahren oder zur Schule, nur für die Kita muss man
       nicht weg. Tagsüber braucht, wer zum Arzt oder einkaufen gehen will, auch
       einen irgendwie fahrbaren Untersatz, Praxen und Läden liegen allesamt in
       Nachbarorten.
       
       Doch meistens tut sich genau dann etwas, wenn man es nicht erwartet. Da
       sind die Freitagsbauern: Viele Landwirte sind wochentags Angestellte und
       kümmern sich an den Wochenenden um ihre Felder, gewöhnlich ab Mittag, aber
       wenn wieder so [1][ein Hitzedom über dem Land] liegt, wird der Traktor erst
       abends angelassen. Genauso wie die Rasenmäher.
       
       Vor allem [2][in tropischen Nächten] ist bei uns richtig was los. Jene
       Gäste, denen nachmittags die Ruhe auffiel, berichten beim Frühstück vom
       auffällig geschäftigen Treiben und dass an Schlaf nicht zu denken war,
       nicht nur wegen der Hitze. Seit der Pandemie geht bei uns sehr früh die
       Straßenbeleuchtung aus. Das Restlicht der Landmaschinen, die noch auf den
       Feldern ihre Bahnen ziehen, erhellt dann ein wenig den Ort.
       
       Die Menschen, die weit nach Mitternacht von der WM-Übertragung im Sportheim
       nach Hause laufen, sind dafür lautstark dankbar. Nur der Hundehalter von
       schräg gegenüber, der eine halbe Stunde später seinen zwei Labradoren noch
       Auslauf in der inzwischen milderen Luft gönnt, geht kein Risiko ein.
       
       Er hat sommers wie winters sein eigenes Licht dabei, eine Stirnlampe mit
       der Reichweite eines Flutlichtes. „Es war auf einmal taghell im Zimmer“,
       erzählen die Gäste. Kurz vor der Dämmerung dann fahren schon wieder die
       ersten Trecker durch den Ort.
       
       Wegen der Hitze kehrt bei uns vormittags ab halb zehn wieder Ruhe ein. Alle
       haben schnell gefrühstückt und früh ausgecheckt – hinein in ihre
       klimatisierten Autos. Die Luft flimmert und höchstens ein einsamer Flipflop
       bewegt sich noch auf der Straße.
       
       14 Jul 2026
       
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