# taz.de -- Affäre um Kolping-Stiftung in Paraguay: 16 Jahre und noch keine Entscheidung
       
       > Die Geschäftsführerin der Kolping-Stiftung in Paraguay machte 2010
       > Korruption bei ihrem Arbeitgeber öffentlich und wurde entlassen. Seitdem
       > klagt sie.
       
 (IMG) Bild: Brigitte Fuzellier, damals noch Geschäftsführerin des Kolpingwerks in Paraguay, gemeinsam mit dem Staatspräsidenten Fernando Lugo
       
       Die [1][Kolping-Stiftung] hat in der Auseinandersetzung mit ihrer
       ehemaligen Geschäftsführerin in Paraguay eine juristische Niederlage
       einstecken müssen. Brigitte Fuzellier hatte bereits 2010 ihrem Arbeitgeber
       Korruption bei einem Projekt vorgeworfen, das unter anderem mit Geldern des
       Deutschen Entwicklungsministeriums finanziert wurde. Die Stiftung
       bestreitet die Vorwürfe und hatte Fuzellier daraufhin entlassen. Fuzellier
       wiederum fordert Schadensersatz von ihrem ehemaligen Arbeitgeber.
       
       Das Berufungsgericht im paraguayischen San Lorenzo entschied nun, dass das
       Verfahren gegen die Kolping-Stiftung um nachträgliche Gehaltszahlungen
       fortgesetzt wird. „Obwohl schon so viele Jahre verstrichen sind, hoffe ich
       noch immer auf Gerechtigkeit“, begrüßte Fuzellier das Urteil gegenüber der
       taz.
       
       Damit geht die Auseinandersetzung auch 16 Jahre nach dem eigentlichen
       Ereignis weiter. [2][Die damalige Geschäftsführerin der Kolping-Stiftung
       Paraguay hatte Anfang 2010 Korruptionsvorwürfe gegen ihre Amtsvorgänger
       erhoben.] Zwischen 2002 und 2007 sollen beim Bau eines neuen
       Stiftungshauses mehr als eine Million Euro an europäischen
       Entwicklungsgeldern hinterzogen worden sein. Bis 2007 hatte die
       Kolping-Stiftung rund 1,4 Millionen Euro vom Bundesentwicklungsministerium
       (BMZ) und der EU für den Bau erhalten. Nach einer Prüfung des BMZ musste
       Kolping Deutschland 241.000 Euro an die Bundesregierung zurückzahlen.
       
       ## „Es ist eine Schande“
       
       Ende September 2010 beschloss der Vorstand der Kolping-Stiftung Paraguay,
       Fuzellier fristlos zu entlassen. Anstatt die Vorwürfe weiter aufzuklären,
       startete der neue Geschäftsführer eine Welle von Anzeigen gegen Fuzellier
       wegen angeblicher Unregelmäßigkeiten während ihrer Geschäftsführung. Hans
       Drolshagen, seinerzeit Geschäftsführer bei der Sozial- und
       Entwicklungshilfe des Kolpingwerks (SEK) in Köln, bestritt die Vorwürfe: Es
       habe keine Korruption beim Kolpingwerk gegeben, hieß es aus Deutschland.
       [3][Dennoch hat die Stiftung alle Verfahren gegen ihre ehemalige
       Geschäftsführerin verloren oder sie wurden abgewiesen.]
       
       2023 hatte Fuzellier eine zweite Klage gegen Kolping International und
       Kolping Paraguay eingereicht, mit der sie einen Schadenersatz von 10
       Millionen Dollar forderte. Als Folge der Kosten des Rechtsstreits büßte
       Fuzellier nicht nur weitgehend ihr Vermögen ein. Zugleich musste sie ihr
       betriebenes Unternehmen schließen, das Produkte aus kleinbäuerlichen
       Betrieben verkauft hatte und für rund 2.000 Kleinproduzierende die einzige
       Einnahmequelle darstellte. „Es ist eine Schande für Kolping, wie sie ein
       Entwicklungsprojekt und ganze Familien zerstört haben“, so Fuzellier. Auch
       über diese Klage ist bislang noch nicht entschieden.
       
       26 Jun 2026
       
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