# taz.de -- +++ Heiße News von der Hitzewelle +++: Klimawandel macht Hitzewelle bis zu 4 Grad heißer
> Wissenschaftler:innen haben den Effekt des Klimawandels berechnet.
> Höchste Warnstufe in Österreich und Großbritannien. WHO fordert mehr Geld
> für Hitzeschutz.
(IMG) Bild: Und es kletter weiter: Temperaturanzeige hier mal in Schwerin
WHO ruft Europa zu mehr Investitionen in den Hitze-Schutz auf
afp | Angesichts der derzeit extrem hohen Temperaturen in weiten Teilen
Europas hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu mehr Investitionen in
den Hitze-Schutz aufgerufen. „Die Hitzewelle in Europa führt zu
Schulschließungen und gefährdet die Gesundheit der Menschen“, erklärte
WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am Mittwoch im Onlinedienst X zu der
aktuellen extremen Wetterlage.
„Die Daten sind klar: Die Temperaturen in Europa steigen doppelt so schnell
wie im globalen Vergleich, und das erhöht die Wahrscheinlichkeit und die
Schwere extremer Wetterphänomene“, fügte der WHO-Chef mit Blick auf die
Klima-Entwicklung auf unserem Kontinent im Zuge der Erderwärmung hinzu. Die
Politik müsse daraus Konsequenzen ziehen.
Britischer Wetterdienst warnt vor Rekordhitze
ap | Großbritannien erwartet die höchsten Temperaturen in einem Juni seit
Beginn der Aufzeichnungen. Die britischen Behörden gaben für Mittwoch und
Donnerstag die Warnstufe Rot für weite Teile Mittel- und Südenglands sowie
für Wales heraus und warnten vor den Gesundheitsgefahren der Hitzewelle,
die weite Teile Westeuropas erfasst hat.
Der Wetterdienst Met Office prognostizierte die höchsten jemals im Juni
gemessenen Temperaturen. Für Südengland wurden Höchstwerte von 38 Grad
erwartet. Am Dienstag wurden in Wisley südwestlich von London bereits 34,6
Grad erreicht. „Wer glaubt, es sei jetzt schon heiß, nun, das ist noch gar
nichts im Vergleich zu dem, was noch kommt“, sagte der Meteorologe Alex
Burkill vom Met Office.
Stuttgart verbietet Wasserentnahme aus Gewässern
afp | Angesichts hoher Temperaturen verbietet die Stadt Stuttgart ab
Freitag die Wasserentnahme aus Gewässern. Damit darf kein Wasser mehr für
den privaten Gebrauch aus Bächen, Flüssen oder Seen geschöpft oder
abgepumpt werden, wie die Stadt am Mittwoch in einer Allgemeinverfügung
mitteilte. Bei Missachtung droht eine Geldbuße von bis zu 100.000 Euro. Die
Maßnahme dient nach Stadtangaben dem Natur- und Umweltschutz.
Höchste Hitze-Warnstufe in Österreich
dpa | In Wien und einigen anderen österreichischen Städten gilt wegen der
Hitzewelle am Wochenende die höchste Wetterwarnstufe. „Es ist mit extremer
Hitzebelastung zu rechnen“, teilte das staatliche Meteorologie-Institut
Geosphere Austria mit. Betroffen ist demnach der Nordosten Österreichs mit
Städten wie Wien und Linz sowie weitere östliche und südliche Städte wie
Graz und Klagenfurt.
Die gute Nachricht: es gibt noch Bier
kna/taz | Trotz der anhaltenden Hitzewelle müssen die Deutschen nach
Einschätzung der Brauer derzeit keine Engpässe bei Bier oder Leergut
befürchten. „Sowohl die Versorgung mit Bier als auch der Nachschub mit
Leergut sind gesichert“, sagte eine Sprecherin des Deutschen Brauer-Bundes
der Rheinischen Post. Na denn: Prost!
## Tipps zur Unterstützung von Wildtieren
epd | Der Nabu Niedersachsen rät Bürgerinnen und Bürgern dazu, aktuell im
Garten oder auf dem Balkon für Wildtiere Wasser bereitzustellen und
schattige Rückzugsorte zu schaffen. „Die aktuellen Hitzeperioden sind für
viele Tiere lebensbedrohlich“, sagte Bärbel Rogoschik vom
Nabu-Artenschutzzentrum Leiferde am Mittwoch. In Phasen extremer Hitze
erreichten täglich mehr als 100 neue Pfleglinge das Zentrum – auch, weil
natürliche Wasserstellen austrockneten.
Fledermäuse und Vogelarten, die unter Dächern und an Hauswänden brüten,
seien hohen Temperaturen oft schutzlos ausgeliefert und drohten zu
überhitzen. Betroffen seien unter anderem Haussperlinge, Mauersegler sowie
Mehlschwalben. Lüften in den Morgen- und Abendstunden sowie das Aufhängen
von nassen Tüchern könne eine Hilfe für die Gebäudebrüter und Fledermäuse
sein, rät die Expertin.
Klimawandel macht Hitzewelle bis zu 4 Grad heißer
dpa | Der menschengemachte Klimawandel verschärft die derzeitige Hitzewelle
in Frankreich, Deutschland und weiteren Teilen Westeuropas Fachleuten
zufolge deutlich. „Das Wettermuster hinter dieser Hitzewelle ist nicht
außergewöhnlich“, sagte Davide Faranda von dem [1][Projekt Climameter].
„Was außergewöhnlich ist, ist, dass der Klimawandel den Temperaturen in
Teilen Westeuropas bis zu 4 Grad Celsius hinzugefügt hat.“ Man nähere sich
den Grenzen dessen, woran sich Gesellschaften und Ökosysteme anpassen
könnten.
Climameter beschäftigt sich mit dem Einfluss des Klimawandels auf
Wetterbedingungen in Europa. Das Projekt wird von der Europäischen Union
und dem französischen Forschungsinstitut CNRS finanziert und vom
Klimaforschungsinstitut IPSL unterstützt.
Für ihre Analyse haben sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler
Zirkulationsmuster am 22. Juni angeschaut. Temperaturen seien etwa 2 bis 4
Grad Celsius höher, als sie bei ähnlichen meteorologischen Bedingungen in
der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts gewesen wären. Dass
ähnliche Wettermuster heute höhere Temperaturen hervorbrächten, liege an
Treibhausgasemissionen.
Auch in Deutschland teils 2 Grad Celsius heißer
dpa | Die Fachleute von Climameter listen [2][in ihrer Untersuchung] die
berechneten Temperaturunterschiede für mehrere Städte in Europa und auch in
Deutschland auf. Im spanischen Saragossa sei es 4 Grad Celsius heißer, in
Mailand 3,8 Grad Celsius und in Paris 2,4 Grad, als es unter ähnlichen
Bedingungen noch vor mehreren Jahrzehnten gewesen wäre.
Auch in München treibe der Klimawandel die Hitzewelle mit 2,3 Grad Celsius
mehr an. In Frankfurt liege der Unterschied bei etwa 1,7 Grad Celsius, in
Köln bei 1,6 Grad Celsius und in Berlin bei 1,2 Grad Celsius.
Hitze und Gewitter am Mittwoch
taz | Der [3][Deutsche Wetterdienst warnt] aktuell im Südwesten und Westen
vor einer sehr hohen Wärmebelastung. Unter hohen Luftdruck über
Mitteleuropa strömt weiter aus Süden zunehmend heiße bis sehr heiße,
Richtung Wochenende extrem heiße Luft nach Deutschland. Das führe
ausgebreitet zu extremer Hitze im Norden Westen und Südwesten.
In süddeutschen Mittelgebirgen sowie an den Alpen seien einzelne
Hitzegewitter mit Starkregen, Hagel und stürmischen Böen nicht
ausgeschlossen.
Auch in den kommenden Tagen bleibt es laut DWD heiß. Am Freitag könne es im
Westen und Südwesten lokal bis 41 Grad geben. Mit ähnlichen Werten sie bis
Sonntag zu rechnen. Dann erwarten die Expert:innen des DWS
unwetterartige Gewitter.
Hitzewelle in Frankreich: 68.000 Haushalte ohne Strom
afp | Die Hitzewelle in Frankreich hat in der Bretagne zu massiven
Stromausfällen geführt. Wie die Behörden des Départements Finistère
mitteilten, waren dort am Mittwochmorgen rund 68.000 Haushalte ohne Strom.
Der Grund war demnach ein überhitzter Transformator in Ergué-Gabéric in der
Nähe von Quimper. Der Störfall am Dienstagabend sei auf die „derzeit
herrschende große Hitze“ zurückzuführen, erklärte die Präfektur.
Unmittelbar nach der Störung waren 106.000 Haushalte ohne Strom. Obwohl die
französischen Netzbetreiber RTE und Enedis schon in der Nacht an der
Behebung des Problems arbeiteten, kann die Stromversorgung nach Angaben von
RTE voraussichtlich erst am Abend vollständig wiederhergestellt werden.
Pflegeheime werden demnach mit Notstromaggregaten versorgt.
Warnung vor extremer Sonnenbrandgefahr
dpa | Tückisch bei der Hitze ist die nicht direkt spürbare UV-Strahlung. Am
Mittwoch und Donnerstag werden die bislang höchsten Indexwerte des Jahres
erwartet, wie das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) mitteilte. In
Norddeutschland werde ein UV-Index bis 8 erwartet, in Mitteldeutschland bis
9, in Süddeutschland seien stellenweise 10 möglich, im Hochgebirge gar 11
(„extrem“). Der UV-Index-Wert gibt an, welche Tagesspitzenwerte der
sonnenbrandwirksamen Strahlung am Boden erwartet werden.
Stadtfest in Wittstock abgesagt
dpa | Zu heiß für Open-Air-Veranstaltungen: Das Stadtfest in
Wittstock/Dosse im Kreis Ostprignitz-Ruppin an diesem Wochenende ist
abgesagt worden. „Höhere Mächte“ schrieb die Kleinstadt in den sozialen
Medien. Es sei nicht zu verantworten, dass Menschen bei angekündigten 35
Grad und mehr auf dem Marktplatz „wortwörtlich durchgebraten“ werden und
damit ihre Gesundheit gefährdeten.
24 Jun 2026
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