# taz.de -- Geld für Öl, Gas und Kohle: Finanzindustrie setzt wieder auf Fossile
> Banken weltweit investieren mehr in Öl, Gas und Kohle. In Europa ziehen
> sich viele Geldhäuser aus den Fossilen zurück. Ausnahme: die Deutsche
> Bank.
(IMG) Bild: Schwarze Zahlen aus schwarzen Fossilen erhoffen sich die Banken, wie hier die EZB in Frankfurt
Die globale Finanzindustrie wendet sich weiter von Nachhaltigkeitszielen
ab. Die 65 größten Banken weltweit haben im vergangenen Jahr ihre Geschäfte
mit fossilen Unternehmen erneut erweitert. Sie steigerten ihr Engagement im
Öl-, Gas- und Kohlesektor um acht Prozent auf 906 Milliarden US-Dollar.
Laut dem „[1][Banking on Climate Chaos]“-Bericht, den Umweltorganisationen
wie das Rainforest Action Network, Reclaim Finance, Sierra Club und
Urgewald am Dienstag veröffentlichen, war die Summe im Vorjahr bereits um
162 auf rund 869 Milliarden US-Dollar angestiegen.
Von 2021 bis 2023, als das Thema Klima noch mehr Gewicht in der
öffentlichen Debatte hatte, war das fossile Engagement der Institute noch
auf 727 Milliarden US-Dollar gesunken. Der aktuelle Report zeigt, in
welchem Ausmaß die Banken über 2.500 Unternehmen aus der Kohle-, Öl- und
Gasindustrie mit Geld versorgt haben, vor allem durch Kredite für
Investitionen oder durch die Herausgabe von Wertpapieren.
Positive Entwicklung: Banken aus Kanada und Europa wiesen den deutlichsten
Abwärtstrend zwischen 2024 und 2025 auf. Die Schweizer UBS reduzierte ihre
fossilen Geschäfte um 36 Prozent, die spanische La Caixa um 34 Prozent, die
französische BNP Paribas um 28 Prozent, die [2][deutlich kleinere deutsche
Commerzbank] gar um 41 Prozent. „Auch wenn die UBS nach wie vor einige
hochproblematische Konzerne wie zum Beispiel das Bergbauunternehmen
Glencore mit Geld versorgt, zeigt sie, dass große Geschäftsbanken relativ
schnell ihre fossilen Geschäfte verringern können“, sagte Urgewald-Experte
Philipp Noack.
Ausnahmen in Europa sind die britische Standard Chartered, deren
Finanzierungsgeschäfte für fossile Brennstoffe um 28 Prozent zulegten, die
ebenfalls britische HSBC mit 16 Prozent plus – und die Deutsche Bank.
## Deutscher Branchenprimus „Enttäuschung“
Deutschlands größtes Geldhaus weitete sein Geschäft mit fossilen
Unternehmen 2025 um fast 20 Prozent auf 17,7 Milliarden US-Dollar aus – und
landete damit im globalen [3][Fossilen-Ranking] auf Mittelfeldplatz 20
(Commerzbank: Platz 50). Mit dem Geld finanzierte sie vor allem
LNG-Terminals und Pipelines in den USA sowie die Ölmultis BP und
Totalenergies. 2021 waren es noch 11,1 Milliarden US-Dollar fossile
Investments gewesen.
2025 sei das Institut europaweit der größte Finanzierer von Konzernen
gewesen, die in das boomende Flüssiggasgeschäft investieren. Der deutsche
Branchenprimus sei eine „Enttäuschung, wenn es um klima- und
transformationsgerechte Finanzgeschäfte geht“, erklärte Urgewald-Experte
Noack.
Zwar war das Klima Vorstandschef Christian Sewing bei der Hauptversammlung
der Deutschen Bank vor zwei Wochen noch ein paar Sätze wert gewesen.
Dennoch protestierten Aktivist*innen beim Aktionärstreffen gegen das
Geldinstitut – und seinen Zwei-Milliarden-US-Dollar schweren Kredit für
eine Pipeline im Süden Argentiniens.
## US-Banken weiten Vorsprung aus
An Kritik sparten auch die NGOs in dem aktuellen Bericht nicht: Die
Deutsche Bank habe „massive Lücken in ihren Richtlinien“, die
Anleger*innen von den grünen Zielen des Geldhauses überzeugen sollen.
So wolle die Bank zwar angeblich die CO₂-Emissionen ihrer Öl- und
Gasgeschäfte reduzieren. Dies gelte aber nur für die Kreditvergabe, nicht
für das sogenannte Underwriting, also die Herausgabe von Aktien und
Anleihen. Zudem würden sich die CO₂-Ziele des Instituts nur auf das Öl- und
Gasfördergeschäft beziehen, nicht aber auf Unternehmen, die die dafür
nötige Transportinfrastruktur bereitstellen.
Die Deutsche Bank kann die Anschuldigungen nicht nachvollziehen. Das
Geldhaus begleite „als strategischer Partner seine Kunden bei ihrer
Transition und hat bereits seit 2016 sein Engagement in CO₂-intensiven
Sektoren reduziert“, sagte ein Sprecher zur taz. Die finanzierten
Gesamtemissionen im Öl- und Gas-Sektor seien „seit dem entsprechenden
Basisjahr 2021 um 25 Prozent zurückgegangen; im Kohlebergbau um 33 Prozent
seit dem Basisjahr 2022“.
Insgesamt haben US-Banken [4][mit Rückenwind von Präsident Donald Trump]
2025 ihren Vorsprung als weltgrößter fossiler Finanzierer ausgebaut. Fünf
der ersten zehn Institute im NGO-Ranking kommen aus den Vereinigten
Staaten: Weltweit größter Geldgeber für fossile Unternehmen war im
vergangenen Jahr erneut JPMorgan Chase. Der Finanzdienstleister aus New
York stellte insgesamt 58 Milliarden US-Dollar für Unternehmen aus der
fossilen Industrie bereit, gut 12 Prozent mehr als 2024.
An zweiter Stelle lag die Bank of America mit gut 47 Milliarden US-Dollar.
Die japanische Mitsubishi UFJ Financial Group (MUFG) belegte mit ebenfalls
47 Milliarden US-Dollar den dritten Platz. „Ein Jahrzehnt nach Paris stehen
aktuell nur zwölf Banken hinter mehr als einem Drittel der weltweiten
Finanzierungen für fossile Brennstoffe“, sagte Co-Autor Niko Lusiani,
Leiter der Recherche beim Rainforest Action Network. Das zeige, „dass es
hier nicht mehr um ein branchenweites Problem geht, sondern um die
Entscheidungen einer kleinen Gruppe von Führungskräften im Finanzsystem“.
9 Jun 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.bankingonclimatechaos.org/wp-content/uploads/2026/06/BOCC_2026_vFINAL.pdf
(DIR) [2] /Unicredit-will-Commerzbank-schlucken/!6176439
(DIR) [3] /Bericht-zu-Krediten-fuer-Oel-Gas-und-Kohl/!6091400
(DIR) [4] /Anti-Klimapolitik-in-den-USA/!6184822
## AUTOREN
(DIR) Kai Schöneberg
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