# taz.de -- Aymen Hussein: Eine besondere Geschichte
       
       > Iraks Stürmer Aymen Hussein blickt mit seinen 30 Jahren auf einen
       > unglaublichen WM-Start zurück. Sein Leben erscheint wie ein tragisches
       > Märchen.
       
 (IMG) Bild: Aymen Hussein steigt hoch. Szene aus dem Spiel des Irak gegen Norwegen (1:4)
       
       Klar, man könnte meinen, dass das zwischenzeitliche 1:1 bei der
       1:4-Niederlage des Irak lediglich eine Randnotiz war. Die starken
       [1][Norweger] zogen alle Aufmerksamkeit auf sich. Doch dieses Tor ist
       historisch. Zum einen, weil es der erste Treffer der Iraker bei einer WM
       seit 1986 war. Vor allem aber wegen des Mannes, der es erzielte, und wegen
       dessen Geschichte: [2][Ayman Hussein]. Wenn es am Montag gegen Frankreich
       geht, werden die Erwartungen im Irak nicht allzu groß sein. Aber Hoffnung
       auf einen Treffer von Hussein kann man immer haben.
       
       Ein Blick auf die Vita des 30-jährigen Stürmers offenbart zunächst nichts
       Außergewöhnliches. Neun verschiedene Vereine stehen in seinem Lebenslauf,
       länger als zwei Jahre blieb er nirgendwo. Seine Stationen führten ihn vom
       Irak nach Katar, weiter in die Vereinigten Arabischen Emirate und
       schließlich wieder zurück in die Heimat.
       
       Besonders wird die Geschichte erst, wenn man bedenkt, dass diese Karriere
       aufgrund schwerer familiärer Schicksalsschläge beinahe nie zustande
       gekommen wäre. Nach dem [3][Krieg der USA gegen den Irak 2003] wuchs
       Hussein in einem von Krieg geprägten Land auf.
       
       Als er zwölf Jahre alt war, wurde sein Vater von der Terrororganisation
       a[4][l-Qaida] getötet. „Er ging einkaufen, um Baumaterialien für unser
       neues Haus zu besorgen. Wenige Stunden später erhielten wir einen Anruf mit
       der Nachricht: Ihr Vater wurde getötet und seine Leiche befindet sich im
       Krankenhaus“, erzählte Hussein vor dem Turnier dem arabischen Sender Al
       Jazeera. Sechs Jahre später wurde sein Bruder von der Terrororganisation
       [5][„Islamischer Staat]“ entführt. Bis heute ist sein Schicksal ungeklärt.
       Nach diesem Schicksalsschlag wollte Hussein seine Fußballkarriere beenden,
       um für seine Familie zu sorgen. Doch seine Mutter bat ihn weiterzumachen –
       und der Sohn wurde Profi.
       
       Im Zuge der WM-Qualifikation führte Hussein die irakische
       Nationalmannschaft erstmals als Kapitän aufs Feld. Er erreichte mit seinem
       Team das Play-off-Finale gegen Bolivien und sicherte dort mit dem Treffer
       zum 2:1-Endstand dem Irak die Teilnahme an der Weltmeisterschaft. Husseins
       eigene Teilnahme blieb jedoch bis kurz vor dem Auftakt ungewiss.
       
       Bei der Einreise in die USA wurde der Vizekapitän am Flughafen von Chicago
       um die sieben Stunden von der Grenzschutzbehörde festgehalten und befragt.
       „Wir sind Bombenangriffe und Kugeln gewohnt. Wir haben gelernt, dass ohne
       Warten und Geduld nichts Gutes geschieht“, sagte er anschließend. Elf Tage
       später traf Hussein zum ersten WM-Tor nach vierzig Jahren.
       
       21 Jun 2026
       
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