# taz.de -- Lehrkräfteausbildung in Berlin: Krach will zurück zu pädagogischen Hochschulen
> Berlin sollte Lehrer*innen an einer School of Education ausbilden,
> fordert der SPD-Spitzenkandidat. Dabei wären Besserungen viel schneller
> zu haben.
(IMG) Bild: Wegweisend für die Lehrerausbildung in Berlin? Steffen Krach
Berlin braucht Lehrer*innen. Und damit mehr junge Menschen Lust auf diesen
Beruf bekommen, will Steffen Krach (SPD) diese künftig an eigenständigen
Fakultäten ausbilden. „Ich glaube, dass wir an die [1][Strukturen ranmüssen
und eigene Schools of Education gründen sollten, wo wir wirklich den Fokus
auf die Lehrkräfteausbildung] legen, und gern auch auf Erzieher“, sagte der
Spitzenkandidat der SPD für die Abgeordnetenhauswahl bei einer
Podiumsdiskussion zu Bildung am Dienstag.
An solchen „pädagogischen Hochschulen“ könnten die neuen Lehrer*innen
gezielter auf ihre Aufgaben vorbereitet werden. Als eigenständige
Einrichtungen könnten diese die Student*innen stärker auf neue
Herausforderungen der Schule, etwa künstliche Intelligenz oder Umgang mit
Extremismus, vorbereiten.
Im Kern geht es um die Frage, ob ein*e Grundschullehrer*in mit
zukünftigen Mathematiker*innen zusammen an der Uni in Seminaren
sitzen sollte, oder ob Musiklehrer*innen die gleichen
Aufnahmeprüfungen wie künftige Konzertpianist*innen meistern müssen.
Aus Krachs Sicht ist die Antwort klar: „Das hat nicht funktioniert“, sagte
er. Zu viele Lehramtsstudent*innen hätten in der Vergangenheit das
Studium abgebrochen – oder sie seien an den hohen Zugangshürden
gescheitert. Ins Wahlprogramm hatte sich die SPD geschrieben, dass sie
„praxisorientierte Professionalisierung“ gegenüber reiner Fachlichkeit
bevorzugen und daher die Schools of Education stärken wolle.
Bisher ist es so, dass diejenigen, die Lehramt studieren wollen, sich etwa
im Fach Anglistik oder Physik einschreiben, an der jeweiligen Fakultät
studieren und ihr pädagogisches Handwerk gleichzeitig an den – schon
bestehenden – Schools of Education lernen. Die Mittel für die Studienplätze
kommen aber den fachlichen Fakultäten zugute. Mit seiner Idee der
eigenständigen School of Education will Krach das Geld gewissermaßen
dorthin umlenken.
## Die Unis wollen bisher nicht
„Dicke Bretter“ seien da mit den Unis zu bohren, antwortete die
Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) in der Diskussion auf
Krachs Vorstoß. Denn der Vorschlag ist gar nicht so neu, die Hochschulen
haben sich bisher aber vehement dagegen gewehrt. Ab dem Wintersemester
können Student*innen mit nur einem Fach auch auf Lehramt studieren, und
außerdem wird der Übergang vom Master zum Lehramt flexibler gestaltet
werden, erklärte die Senatorin.
Die bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Abgeordnetenhaus
nannte Krachs Vorschlag eine „Nebelkerze“. Denn die SPD habe mit der CDU
gerade zwei Sonderprogramme für die Lehrer*innenausbildung an den
Unis gestrichen. Dabei hatten diese zu leicht steigenden
Absolvent*innenzahlen geführt. Diese Kürzungen hält auch Krach für
einen Fehler, er will sie rückgängig machen, wie er in der Diskussion
betonte.
Das wäre immerhin etwas, wenn die Politik den Strukturen, die sie selbst
eingesetzt hat, Zeit und Geld geben würde, um zu wirken. Abgesehen davon:
Strukturreformen wie die von Krach vorgeschlagene eigenständige School of
Education brauchen Jahre, bis sie umgesetzt sind, und nochmal Jahre, bis
sie wirken. Dabei gibt es längst Ideen, wie der Lehrer*innenberuf
wieder attraktiver werden könnte und auch leichter zu bewältigen: etwa
Entlastungen beim Korrigieren oder in der Bürokratie.
Krach konzentriert sich in seinem Vorschlag vor allem auf Studienabbrecher
und vor allem auf diejenigen in MINT-Fächern. Denn bereits bei den
Gesellschaftswissenschaften und bei den Sprachen ist das Gefälle zwischen
dem, was Fachstudent*innen im Studium lernen, und dem, was
Lehrer*innen für ihren Beruf brauchen, viel geringer als bei Physik oder
Mathe. Zielführender wäre, hier fachspezifisch zu gucken, wie Studiengänge
angepasst werden könnten.
Es ist eine gute Idee, Umgang mit Herausforderungen wie KI oder
Rechtsextremismus im Lehramtsstudium aufzugreifen, aber das sind Themen, zu
denen auch die fertigen Lehrer*innen Fortbildungen brauchen. Und Zeit
für gute Fortbildungen kann auch dazu beitragen, dass der
Lehrer*innenberuf attraktiv wird.
19 Jun 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://youtu.be/nvHSnFv6GBQ?t=4734
## AUTOREN
(DIR) Uta Schleiermacher
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