# taz.de -- NRW-Grünen-Chefin über Frauenrechte: „Digitale Gewalt muss hart bestraft werden“
       
       > Die NRW-Grünen ziehen mit Dauerbrennern in den Landtagswahlkampf.
       > Landesparteichefin Yazgülü Zeybek über Frauenrechte, Erneuerbare – und
       > die mögliche Spaltung der CDU.
       
 (IMG) Bild: Solidaritätskundgebung gegen sexualisierte digitale Gewalt
       
       taz: Frau Zeybek, der Parteitag der NRW-Grünen am kommenden Wochenende
       markiert den Start in [1][den Landtagswahlkampf]. Dabei setzen zwei
       Leitanträge auf grüne Dauerbrenner: Frauenrechte und erneuerbare Energien.
       Reicht das? 
       
       Yazgülü Zeybek: Der Kampf um Sicherheit, Freiheit und Gleichberechtigung
       für Frauen betrifft die Hälfte der Bevölkerung. Der Staat muss Frauen viel
       besser vor Gewalt schützen – auch für die Generation meiner Tochter.
       Aktuell stehen wir im europäischen Vergleich nicht sehr gut da.
       
       taz: Was fordern Sie konkret? 
       
       Zeybek: Etwa eine härtere Bestrafung von Deepfakes, also der Entwürdigung
       durch gefälschte Nacktbilder, wie sie der Moderator Christian Ulmen [2][von
       seiner Ex-Frau Collien Fernandes verbreitet haben soll.] Das ist längst
       überfällig. Ebenso eine härtere Gangart gegen Plattformen, die so etwas ins
       Netz stellen.
       
       taz: Ein entsprechendes Gesetz hat SPD-Bundesjustizministerin Stefanie
       Hubig aber doch schon im April auf den Weg gebracht?
       
       Zeybek: Das ist ein guter erster Schritt, aber noch zu wenig. Plattformen
       müssen für solche Inhalte auch haftbar gemacht werden. Das sieht Hubigs
       Gesetzentwurf nicht vor. Allein auf [3][der Plattform Grok des
       Tech-Milliardärs Elon Musk] sind innerhalb weniger Tage mehr als drei
       Millionen sexualisierte Darstellungen entstanden – auch von Kindern. Die
       Betreiber solcher Plattformen müssen hart bestraft werden.
       
       taz: Das heißt?
       
       Zeybek: Aktuell müssen Menschen nach einer Entwürdigung erst einmal
       nachweisen, dass ihnen auch ein Schaden entstanden ist. Für mich steht
       außer Frage: Wenn sexualisierte Bilder von jemandem ohne Einwilligung
       erstellt und verbreitet werden, entsteht immer ein großer Schaden. Uns geht
       es nicht nur um Deepfakes – das gesamte Netz ist voller Hass und Hetze
       gerade gegen Frauen. Frauen ziehen sich deshalb aus dem digitalen Raum
       zurück – und das darf einfach nicht sein. Digitale Gewalt muss genauso
       streng bestraft werden wie physische Gewalt.
       
       taz: Was fordern Sie noch? 
       
       Zeybek: Die juristische Einstufung von Femiziden als eigenständiges
       Mordmerkmal, das Verbot von Spanner-Aufnahmen, wie es die Kölner Aktivistin
       Yanni Gentsch fordert, die beim Joggen von einem Voyeur gefilmt wurde. Und
       wir wollen ein klares Zustimmungsprinzip im Sexualstrafrecht: „Nur Ja heißt
       Ja“.
       
       taz: Das ist aber alles Bundesgesetzgebung, die nichts mit der Landtagswahl
       zu tun hat. 
       
       Zeybek: Ja, das sind Bundesthemen – die wir als Teil der schwarz-grünen
       Landesregierung über den Bundesrat und durch unseren grünen Justizminister
       Benjamin Limbach in der Justizministerkonferenz immer wieder eingebracht
       und angeschoben haben. Mit unserem Leitantrag machen wir deutlich, dass wir
       als NRW-Grüne nicht lockerlassen werden: Wir dürfen uns einfach nicht daran
       gewöhnen, dass Frauen Gewalt ausgesetzt sind und Angst haben – weder
       digital noch analog.
       
       taz: Und was tun Sie konkret in NRW? 
       
       Zeybek: Gleichberechtigung bedeutet auch wirtschaftliche Unabhängigkeit.
       Unsere Wirtschaftsministerin Mona Neubaur fördert deshalb verstärkt die
       wirtschaftliche Teilhabe von Frauen, etwa bei der Gründung von Start-ups.
       Außerdem wollen wir eine qualitative und verlässliche Kita-Betreuung – und
       haben ermöglicht, dass bei Personalmangel auch Kinderpfleger:innen
       einspringen können, um die Betreuung im Notfall sicherzustellen und damit
       die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern. Und unsere
       Gleichstellungsministerin Verena Schäffer arbeitet hart an der Umsetzung
       des Gewalthilfegesetzes …
       
       taz: … das die Finanzierung von Frauenhäusern endlich verstetigen und
       dauerhaft sichern soll. Trotzdem fehlen heute allein in NRW Tausende Plätze
       in Frauenhäusern. Warum? 
       
       Zeybek: Mit diesem Bundesgesetz ist zunächst noch kein einziger
       Frauenhausplatz geschaffen – aber mit unserem Teil der 2,6 Milliarden Euro,
       die der Bund bis 2032 insgesamt zur Verfügung stellt, werden wir dafür
       sorgen, dass jede Frau, die Schutz braucht, auch Schutz findet.
       
       taz: Beim Schwangerschaftsabbruch ist die Versorgung auch in NRW
       unzureichend. Was tun die Grünen dagegen? 
       
       Zeybek: Der Chefarzt Joachim Volz musste in Lippstadt gegen sein
       katholisches Krankenhaus klagen, das ihm sogar medizinisch indizierte
       Schwangerschaftsabbrüche verbieten wollte. Mit der Krankenhausreform
       arbeitet unsere Landesregierung daran, die Verfügbarkeit zu verbessern –
       das gilt übrigens auch für die Erreichbarkeit von Hebammen. Klar ist aber:
       Der Bundestag muss dafür sorgen, dass der Paragraf 218 abgeschafft wird.
       Schwangerschaftsabbrüche müssen raus aus dem Strafrecht.
       
       taz: Zweites Hauptthema Ihres Parteitags sind die erneuerbaren Energien:
       Wie wollen Sie die fördern? 
       
       Zeybek: Strom, der schon heute zu mehr als 50 Prozent erneuerbar erzeugt
       wird, muss günstiger werden. Deshalb fordern wir eine Senkung der
       Stromsteuer für alle – als Entlastung, zur Stärkung der Wirtschaft und zum
       Erhalt von Arbeitsplätzen. Außerdem wollen wir mehr Schnellladepunkte an
       Autobahnen und mehr Geld für einkommensschwache Haushalte beim Einbau von
       Wärmepumpen.
       
       taz: Auch das wird im Bund entschieden. Was tun die Grünen in NRW? 
       
       Zeybek: Der Bund bewegt sich gerade in eine komplett falsche Richtung. Wir
       in NRW gehen voran: Bei Windkraft und der Solarenergie ist NRW im
       Rekordtempo unterwegs. Wir übertreffen unsere eigenen Ziele: Bis zur Wahl
       im April 2027 werden wir mehr als die geplanten 1.000 neuen Windräder
       gebaut haben – mehr als irgendwo sonst in Deutschland. Auch beim Zubau der
       Solarenergie liegen wir mit mehr als zwei Gigawatt bundesweit auf Platz
       drei, nur knapp hinter Baden-Württemberg und Bayern.
       
       taz: Mit Blick auf die Landtagswahl: Sind Sie eigentlich sicher, dass Ihnen
       Ihr christdemokratischer Koalitionspartner erhalten bleibt?
       NRW-Innenminister Herbert Reul und NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef
       Laumann drohen bereits mit Parteiaustritt, sollte die Brandmauer gegenüber
       der AfD im Osten fallen – und damit mit einer Spaltung der CDU. 
       
       Zeybek: Ich schätze die beiden als felsenfeste Demokraten. Beide stehen für
       einen Schulterschluss gegen die völkische, nationalistische,
       menschenfeindliche Ideologie der AfD. Wir konzentrieren uns auf eine
       Politik, mit der das Leben der Menschen besser wird.
       
       19 Jun 2026
       
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