# taz.de -- Israelische Gewalt gegen Christen: Orthodoxe Kirche in Jerusalem spricht von Landraub
> In Ostjerusalem haben israelische Behörden ein Gelände beschlagnahmt, das
> der orthodoxen Kirche gehört. Die spricht von einer Verletzung ihrer
> Rechte.
(IMG) Bild: Jerusalem, 10. April: Theophilos III., griechisch-orthodoxer Patriarch, nimmt an der Karfreitagsprozession teil
Es sind scharfe Worte, die das Orthodoxe Patriarchat von Jerusalem in
seiner Mitteilung benutzt. Nach der Beschlagnahmung von kirchlichem Boden
im Bezirk Silwan in Ostjerusalem spricht die religiöse Institution nun von
Landraub durch die israelischen Behörden.
Am Montag führten laut Rekonstruktion der Kirche israelische
Sicherheitskräfte eine Razzia auf dem Land neben einem alten Kloster durch.
Das Grundstück, Parzelle 6 des Blocks 29985 soll offiziell registriert
sein. Die Beamt*innen sollen bei der Aktion einen Kirchenvertreter
„zwangsentfernt“, seine Ausstattung beschlagnahmt und Bäume entwurzelt
haben. Bilder zeigen umgekippte Olivenbäume, die auf dem Boden liegen.
Anschließend wurde das Grundstück abgeriegelt.
Gegenstand der Kontroverse ist offenbar eine veraltete städtische
Gartenordnung, die 2024 ausgelaufen ist. Die Kirche findet, dies sei kein
Grund für Landenteignung. „Die Beschlagnahme dieses privaten
Kirchengrundstücks mit seinem christlichen Erbe und seiner religiösen
Bedeutung schafft einen gefährlichen Präzedenzfall für die Rechte der
Kirche in Jerusalem“, so die Geistlichen. Das israelische Militär
bestreitet, sich an der Beschlagnahme beteiligt zu haben, und leitet an die
Polizei weiter. Die Polizei ließ die Anfrage unbeantwortet. Die Stadt
Jerusalem verneinte ebenfalls, in die Aktion involviert zu sein, und
verwies auf die Parkbehörde. Diese antwortete auf Nachfrage nicht.
## „Muster eskalierender Angriffe“
Das Patriarchat verbindet den Vorfall mit weiteren, diese zeigten „ein
Muster eskalierender Angriffe, die darauf abzielen, die einheimische
christliche Präsenz im Heiligen Land zu schwächen“, und spricht weiter von
einer „inakzeptablen internationalen Toleranz“ ihnen gegenüber. 2024 hat es
laut der Institution 111 Attacken oder Gewalttaten durch Israelis auf
Gebäude, Religiöse und Gläubige gegeben.
In Gaza etwa haben die israelischen Streitkräfte (IDF) 2023 die
St.-Porphyrius-Kirche bombardiert und 18 Menschen dort getötet. Im Juli
2025 wurde die Kirche der Heiligen Familie bombardiert, drei Personen
starben und ein Priester trug Verletzungen davon. Zu dem Angriff auf St.
Porphyrius sagten die IDF damals, Ziel sei eigentlich ein nahegelegenes
Gebäude gewesen, in dem sich eine Hamas-Zentrale befinden sollte. Dabei sei
eine Mauer der Kirche beschädigt worden. Zum Angriff 2025 sagten die
Streitkräfte, die Kirche sei versehentlich durch fehlgeleitete Munition
getroffen worden.
## Gewalt auch gegen Christen im Westjordanland
Aber auch im Westjordanland sind Christ*innen zunehmend mit Gewalt
konfrontiert. [1][Christliche Gemeinden wie Taybeh] waren bis vor dem
Konflikt in Gaza weitgehend von Siedlerangriffen verschont geblieben. Jetzt
aber hat sich der Wind gedreht.
Vor etwa einer Woche haben radikale Siedler nach Angaben von
Einwohner*innen und palästinensischen Feuerwehrleuten diese daran
gehindert, einen Brand auf einem offenen Gelände außerhalb des Dorfes zu
löschen. Pater Baschar Fawadleh sagt, zunächst konnte die palästinensische
Feuerwehr das Gebiet nicht erreichen, weil die Autorisierung durch die
israelischen Behörden noch fehlte. Das bestätigte ein Vertreter des
palästinensischen Zivilschutzes gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.
So weiteten sich die Flammen aus. Eine Gruppe von Einwohner*innen
versuchte, selbst mit einem Wassertanker das Feuer zu löschen. Doch Siedler
aus benachbarten Außenposten hätten die Menschen angegriffen und Fahrzeuge
beschädigt. Auch sollen sie mit Feuerwaffen auf die Einwohner*innen
geschossen haben. Erst als die Autorisierung der israelischen Behörden kam
und die palästinensische Feuerwehr zusammen mit der israelischen Polizei
anrückte, konnte das Feuer unter Kontrolle gebracht werden.
Pater Baschar spricht von einem „Muster der Einschüchterung und
ungerechtfertigter Gewalt“. Er sagt, die Einwohner*innen von Taybeh
möchten nur in Frieden auf ihrem eigenen Land leben können.
Das israelische Militär bestreitet, dass die palästinensische Feuerwehr an
der Arbeit gehindert worden sei, und schreibt, seine Truppen hätten die
Feuerbrigade erst gerufen, um das Feuer zu löschen.
## Brandstiftung durch gewalttätige Siedler*innen
Bereits im vergangenen Jahr hatte es am Rande von Taybeh ein Feuer gegeben.
[2][Als die taz das Dorf im August 2025 besuchte], waren die verräucherten
Brandspuren an einer Mauer der Kirche St. Georg und auf dem sie umgebenden
Boden noch sichtbar. Wer das Feuer gelegt hatte, war umstritten. Laut
Einwohner*innen und Kirchenvertretern waren es gewalttätige
Siedler*innen, die die Gemeinde immer häufiger terrorisierten.
Die IDF sagten, die Täter*innen seien unbekannt. Die israelische Polizei
äußerte sich mit Hinweis auf laufende Untersuchungen nicht dazu. Eine
israelische Nachrichtenagentur schrieb, laut einem Siedler sei das Feuer
keine Brandstiftung gewesen. Der Fall war besonders brisant, denn er hatte
internationale Aufmerksamkeit erweckt. Selbst der sonst eher
siedlerfreundliche US-Botschafter Mike Huckabee sprach von „Terrorismus“.
Zu den jüngsten Ereignissen schreibt das Orthodoxe Patriarchat,
Friedensstiftung beginne „mit der Achtung vor dem Gesetz, dem Eigentum, den
heiligen Stätten sowie der Würde der authentischen christlichen Präsenz in
Jerusalem“.
19 Jun 2026
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