# taz.de -- Mexiko gegen Südkorea: Feuerwehrmann gegen das Trauma
       
       > Seit Jahrzehnten verpasst Mexiko das Quinto Partido, das fünfte Spiel bei
       > der WM. Trainer Javier Aguirre soll es richten. Kann sein Team das
       > schaffen?
       
 (IMG) Bild: Aguirre und sein Lampenfieber-Team vor dem Eröffnungsspiel gegen Südafrika
       
       Es ist derzeit schwer, durch eine mexikanische Stadt zu gehen, ohne auf
       Menschen in grünen Trikots zu treffen. An jedem beliebigen Tag, ob das
       Nationalteam nun spielt oder nicht, tragen Bürger:innen öffentlich
       Mexikokluft, und noch im letzten Kiosk hängt ein Fernseher, auf dem die
       WM-Partien laufen. Doch trotz der großen Begeisterung und des
       [1][Auftaktsieges der Mexikaner mit 2:0 gegen Südafrika] ist die Stimmung
       ein wenig volatil im Land des Gastgebers. Denn so ganz sicher sind sich
       viele nicht, was dieses mexikanische Team wirklich kann.
       
       Fußballerisch jedenfalls ist da viel Luft nach oben: Der Auftaktkick
       verlief eher zäh, aus der Überlegenheit gegen Südafrika entstanden wenig
       echte Chancen, und zwischenzeitlich waren im Stadion gar Buhrufe zu
       vernehmen. Das anstehende Spiel gegen den mutmaßlich stärksten
       Gruppengegner, die schnellen und technisch starken Südkoreaner, wird nun
       also zum ersten echten Härtetest.
       
       „Können wir besser sein?“, fragte Trainer Javier Aguirre, um die Frage
       gleich selbst zu beantworten: „Ja klar, und wir müssen.“ Offenkundige
       Probleme wie die Schwäche im letzten Drittel und Wadenkrämpfe einiger
       Spieler begründete er mit Nervosität. „Es ist ein brutales Szenario, wenn
       man die WM eröffnet. Sie hatten ein bisschen Lampenfieber.“ Aguirre
       erklärte aber auch: „Wenn jemand gebuht hat, ist es die Pflicht der
       mexikanischen Spieler, das nicht noch mal passieren zu lassen.“ Der Druck
       auf die Elf ist enorm im eigenen Land. Ein wenig hat der Trainerroutinier
       das noch angeheizt, indem er die Außenseitergruppe mit Südkorea, Südafrika
       und Tschechien als „Geschenk“ bezeichnete. Nach einiger Kritik ruderte er
       zurück.
       
       Tatsächlich ist die Gruppe A für das eher mittelmäßig besetzte mexikanische
       Team vielleicht die beste Chance, weit zu kommen bei dieser
       [2][Weltmeisterschaft]. Wenn Mexiko die Partie gegen Südkorea gewinnt,
       könnte man als mutmaßlich Gruppenerster noch zwei mögliche K.-o.-Partien im
       Aztekenstadion spielen und den Heimvorteil nutzen.
       
       ## Dem Favoriten erst mal aus dem Weg gehen
       
       Nicht zuletzt würde man auf diese Weise den Favoriten vorerst aus dem Weg
       gehen. Denn da ist ja noch das berühmte Trauma vom Quinto Partido, der
       fünften Partie, die Mexiko über Jahrzehnte verpasste. Diesmal, WM-Modus sei
       Dank, wäre das Quinto Partido schon das Achtelfinale. Nach dem Vorrundenaus
       bei der WM 2022 geht es allerdings erst mal vor allem darum, eine erneute
       Blamage abzuwenden.
       
       Diese Krise war es, die den 67-jährigen Aguirre zum dritten Mal ins Amt des
       Nationaltrainers spülte. Nachdem die Mexikaner auch bei der [3][Copa
       America 2024] schon in der Gruppenphase gescheitert waren, rief der Verband
       mal wieder nach dem Feuerwehrmann. Dem Mexikaner mit baskischen Wurzeln
       eilt der Ruf des Kämpfers voraus, der unangenehme Aufgaben nicht scheut.
       
       Tatsächlich hat sich unter Aguirre der Wind gedreht: Mexiko gewann 2025
       erstmals die Concacaf Nations League sowie im selben Jahr mit einem Sieg
       gegen Gastgeber USA den Gold Cup. In die WM ging man mit der breiten Brust
       von acht Partien ohne Niederlage. Jedoch hat das Team kaum herausragende
       Spieler und wenig Qualität in der Breite. Man sei „eine große Familie“,
       verkünden Trainer und Spieler gern. Diese Familie ist darauf angewiesen,
       dass personell möglichst nichts passiert.
       
       Doch die Familienvollständigkeit wackelt schon vor dem Spiel gegen
       Südkorea. Innenverteidiger César Montes ist nach seiner Roten Karte
       gesperrt; auch der Einsatz von Rechtsaußen Israel Reyes ist aufgrund
       muskulärer Probleme unsicher. Und spekuliert wird über einen weiteren,
       diesmal freiwilligen Wechsel, damit Supertalent Gilberto Mora in die
       Startelf rücken könnte.
       
       Der erst 17-Jährige ist das große Thema unter mexikanischen Fans. Der
       jüngste Spieler dieser WM debütierte mit 15 Jahren in der heimischen Liga
       und stieg dort rasend schnell zum Topspieler auf. In einer Branche, die
       Teenager nach ein paar starken Auftritten zu Legenden erklärt, wurde Mora
       bereits mit dem spanischen Genie Andrés Iniesta verglichen. Zu viel Druck?
       Im Eröffnungsspiel jedenfalls überzeugte der Eingewechselte.
       
       Defensivmann Érik Lira erklärte derweil, dass man am Mentalen arbeite, um
       sich von der Atmosphäre nicht zu sehr beeindrucken zu lassen. „Wir wissen,
       dass es eine große Verantwortung ist“, sagte Lira. Und in Anspielung auf
       das Quinto Partido: „Wir denken nicht an die sechste Partie, sondern an die
       nächste.“
       
       17 Jun 2026
       
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