# taz.de -- Vorwurf der Vergewaltigung: Einer muss draußen bleiben
       
       > Der ghanaische Fußballer Thomas Partey darf wegen laufender
       > Strafverfahren nicht nach Kanada einreisen. Ghanas Regierung hält dies
       > für ungerecht.
       
 (IMG) Bild: Unter Verdacht: Thomas Partey darf nicht nach Kanada einreisen
       
       Das sei doch unfair, findet die ghanaische Regierung. Kanada hat dem
       Vizekapitän ihrer Nationalmannschaft, Thomas Partey, die Einreise
       verweigert. Der 33-jährige Mittelfeldspieler, der beim spanischen
       Erstligisten FC Villareal unter Vertrag steht, wird damit das Auftaktspiel
       der Black Stars gegen Panama in Toronto verpassen. Der Grund ist so simpel
       wie brutal: Partey wurde im Juli 2025 wegen fünffacher Vergewaltigung und
       sexueller Nötigung angeklagt.
       
       Die Vorwürfe beziehen sich auf die Jahre 2021 und 2022. Damals spielte
       Partey beim FC Arsenal in der englischen Premier League. Im Februar dieses
       Jahres kamen zwei weitere Anklagen wegen Vergewaltigung hinzu. In beiden
       Verfahren plädiert der Mittelfeldspieler auf nicht schuldig. Mit einem
       Urteil wird in diesem Jahr nicht mehr gerechnet. Das kanadische
       Einwanderungsrecht ermöglicht Einreiseverbote bereits bei schwerwiegenden
       anhängigen Strafverfahren – auch ohne Verurteilung. Für die ghanaische
       Regierung ist das eine Farce.
       
       „Wir appellieren an die kanadische Regierung, ihre Entscheidung zu
       überdenken“, [1][ließ Ghanas Außenminister Samuel Okudzeto Ablakwa am
       Montag mitteilen]. Natürlich akzeptiere Ghana, dass jedes souveräne Land
       selbst entscheiden könne, wen es einreisen lasse und wen nicht. Da würde
       sich seine Regierung auch nicht dreinreden lassen. Allerdings reise Partey
       nicht als Privatmann nach Kanada. „Er vertritt unsere Nationalfarben, trägt
       das Trikot Ghanas und soll im Namen unseres Landes, der Regierung und der
       ghanaischen Bevölkerung eine Aufgabe erfüllen“, sagte Ablakwa.
       
       Diese Nationalfarben vertritt Partey bereits seit 2016 – und damit schon
       fünf Jahre vor dem ersten der insgesamt sieben Sexualdelikte, die ihm
       vorgeworfen werden. Öffentliche Äußerungen zu dem Fall vonseiten der
       ghanaischen Regierung gab es zu den Vorwürfen zu keinem Zeitpunkt. Und
       dies, obwohl derartige Sexualdelikte im Strafgesetzbuch Ghanas als
       Verbrechen ersten Grades eingestuft sind und mit einer Gefängnisstrafe von
       mindestens 5 bis maximal 25 Jahren geahndet werden.
       
       ## In den USA gelten andere Regeln
       
       Der Außenminister jedenfalls versucht nun alles, um das Einreiseverbot für
       Partey doch noch zu kippen. „Wir sind der Ansicht, dass die Regierung
       Ghanas sich dieser Angelegenheit annehmen muss“, [2][so Ablakwa]. Dabei
       würden sie alle verfügbaren diplomatischen Strategien prüfen. Angesichts
       des engen Zeitplans dürfte das jedoch schwierig werden. Die Mannschaft
       befindet sich bereits seit Montag in Kanada – ohne Partey. Die kanadische
       Einwanderungsbehörde erklärte, dass sie sich grundsätzlich nicht zu
       Einzelfällen äußert.
       
       Für die beiden weiteren Gruppenspiele gegen England und Kroatien, die in
       den USA stattfinden werden, wird Partey dagegen zur Verfügung stehen. Dort
       gelten andere Regeln. [3][Und andere Maßstäbe]. In den Vereinigten Staaten
       ist es ja sogar möglich, trotz eines Urteils wegen sexuellen Missbrauchs
       Präsident zu werden.
       
       16 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.independent.co.uk/sport/football/thomas-partey-canada-visa-ghana-statement-world-cup-2026-b2995125.html
 (DIR) [2] https://de.wikipedia.org/wiki/Samuel_Okudzeto_Ablakwa
 (DIR) [3] /Sexualisierte-Gewalt/!6162846
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Rico Setz
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Fußball-WM
 (DIR) Fußball
 (DIR) Ghana
 (DIR) Vergewaltigung
 (DIR) Kanada
 (DIR) USA
 (DIR) Frauenfußball
 (DIR) Schwerpunkt #metoo
 (DIR) Lesestück Recherche und Reportage
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Sexualisierte Gewalt im Sport: Für eine Struktur der Solidarität
       
       Vertrauen und Zusammenhalt hilft einem Nachwuchsteam, einen übergriffigen
       Trainer loszuwerden. Immer noch wird Betroffenen viel zu selten geglaubt.
       
 (DIR) Jérôme Boateng und Till Lindemann: Verbrüderung gegen MeToo
       
       Der Fußballer Jérôme Boateng und der Sänger Till Lindemann senden
       vergiftete Ostergrüße. Sie inszenieren sich als Opfer der
       Berichterstattung.
       
 (DIR) Sexualisierte Gewalt im Profifußball: Und alle so still
       
       Gegen Fußball-Stars gibt es oft schwere Vorwürfe. Viele werden nicht
       aufgeklärt. Recherche über ein System des Schweigens – und mögliche
       Lösungen.