# taz.de -- Wahlkampf in Israel: Bewegung jüdischer und arabischer Israelis gründet Partei
       
       > Die Graswurzelbewegung Standing Together aus jüdischen und arabischen
       > Israelis will mit einer neuen Partei nach der Wahl in die Knesset
       > einziehen.
       
 (IMG) Bild: Wollen eine andere Vision bieten: Rula Daood und Alon-Lee Green von Standing Together
       
       „Makom Lekulanu“ – ein Platz für uns alle. So heißt die Partei, deren
       Gründung die Graswurzelbewegung Standing Together am Dienstag offiziell
       verkündet hat. Standing Together bringt jüdische und arabische Israelis
       zusammen und setzt sich für Zusammenarbeit und Frieden ein. Das wollen sie
       nun in die Politik bringen.
       
       Der israelischen Zeitung Haaretz sagte die Co-Direktorin der Organisation
       Rola Daood: „Jahrelang wurde Politik getrennt für Juden und für Araber
       betrieben. Wir bieten eine andere Vision: Partnerschaft.“ Man wolle eine
       „Politik der Hoffnung“ betreiben – für Menschen, die sich von der
       institutionalisierten Politik ausgeschlossen fühlen und den Glauben daran
       verloren haben, dass das System tatsächliche Veränderungen bewirken kann,
       so Daood.
       
       Insgesamt sechs Kandidaten will die Partei aufstellen. Darunter die
       [1][beiden Standing Together-Direktoren Daood und Alon Lee Green.] Daood
       bezeichnet sich selbst als „palästinensische Bürgerin Israels“ und stammt
       aus dem nördlichen, fast ausschließlich von arabischsprachigen Israelis
       bewohnten Ort Kafr Yasif. Green wuchs in Tel Aviv auf und gründete schon
       als Jugendlicher eine Gewerkschaft, in der jüdische und arabische Israelis
       zusammenarbeiteten.
       
       Die anderen vier Kandidaten: Itamar Avneri, Mitbegründer der Organisation
       und Mitglied im Stadtrat von Tel Aviv-Jaffa. Sally Abed, Mitglied im
       Stadtrat von Haifa. [2][Ein Video] ging jüngst viral, in dem sie in dem Rat
       Arabisch sprach und dafür von anderen Mitgliedern angegriffen wurde. Unter
       anderem wurde ihr zugerufen, „nach Gaza“ zu gehen. Yonatan Zeigen, Sohn der
       am 7. Oktober 2023 von jihadistischen Palästinensern ermordeten
       Friedensaktivistin Vivian Silver und selbst Friedensaktivist. Und Ghadir
       Hani, die sich unter anderem für Frauenrechte sowie für Kinder in den
       arabischen Gemeinschaften in der Wüste Negev – arabisch Naqab – einsetzt.
       
       ## In Umfragen steht Likud weiterhin ganz vorne
       
       Mit der Partei will Standing Together vor allem zwei demografische Gruppen
       mobilisieren: Frauen und junge Menschen. Nur 40 Prozent der arabischen
       Frauen in Israel planten zur Wahl zu gehen, so Wahlkampfmanager Uri
       Weltmann zu Haaretz. Der Mangel an Repräsentation, sagt er, sei wohl einer
       der Gründe dafür.
       
       Noch vor Oktober sollen sowohl palästinensisch-arabische als auch jüdische
       Bürgerinnen und Bürger Israels ihre neue Regierung wählen. In Umfragen
       tauchte die Standing Together-Partei Makom Lekulanu noch nicht auf.
       
       Wen würden die Israelis wählen? Eine Umfrage der Zman Israel Anfang Juni
       zeigte Likud, die rechte Partei des Premiers Benjamin Netanjahu, auf dem
       ersten Platz. Auf dem zweiten folgte das Mitte-rechts-Bündnis Bejachad der
       ehemaligen Regierenden Naftali Bennet und Jair Lapid. Auf dem dritten Platz
       folgte der ehemalige Generalstabschef der israelischen Armee und sich
       relativ mittig positioniernde Gadi Eizenkot mit seiner Partei Yashar. Eine
       neue [3][Umfrage der Zman Israel von Mitte Juni] zeigte ein Gleichziehen
       von Yashar und Bejachad.
       
       „Makom Lekulanu“ wird aller Wahrscheinlichkeit nach nicht in die Top-Plätze
       der Wahlumfragen aufrücken. Doch demnach bekommen bislang weder Netanjahus
       Likud noch die großen Anti-Netanjahu-Parteien Yashar und Bejachad die
       nötige Knessetmehrheit. Für eine Mehrheit müssen 61 von 120 Sitzen
       zusammenkommen; eine Koalition müssten, Stand jetzt, also alle großen
       Parteien eingehen.
       
       Den kleineren Parteien könnte also letztlich die Rolle der Königsmacher
       zukommen. Dazu gehören die arabischen Parteien, [4][die mitte-links
       stehenden Demokraten unter Jair Golan] – und potenziell auch Makom
       Lekulanu.
       
       16 Jun 2026
       
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