# taz.de -- Bremer Straßenmagazin feiert Geburtstag: Mehr als nur eine Zeitung
> Die Bremer „Zeitschrift der Straße“ feiert ihr 15-jähriges Bestehen. Doch
> auch sie hat mit dem Sprung ins Digitale und Papierpreisen zu kämpfen.
(IMG) Bild: Lebt davon, ein hochwertiges Print-Produkt zu sein: Zeitschrift der Straße
Das Bremer Straßenmagazin Zeitschrift der Straße wird 15 Jahre alt. Seit
Februar 2011 wird die Zeitschrift von wohnungs- und obdachlosen Menschen
verkauft. Sie gründeten die Zeitschrift gemeinsam mit Studierenden,
Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen, Journalist*innen,
Hochschuldozierenden und Streetworker*innen.
In ihren Ursprüngen war die Zeitschrift der Straße ein Projekt der
Hochschule Bremerhaven, der Hochschule für Künste Bremen (HfK) und dem
Verein für Innere Mission in Bremen: Studierende der HfK haben die
Gestaltung entwickelt, angehende Journalist*innen die Texte
geschrieben, wohnungs- und obdachlose Menschen das fertige Produkt dann
verkauft.
Design und Typografie der Zeitschrift wurden mehrfach ausgezeichnet. Die
Texte sollten von Beginn an kritisch, jung und zeitgemäß, aber eben auch
journalistisch hochwertig sein.
Jede Ausgabe der Zeitschrift widmet sich einem konkreten Ort in Bremen:
einer Straße, einem Platz oder einem Stadtteil, als eine Art
zeitgeschichtliche Bestandsaufnahme. In der [1][ersten Ausgabe] der
Zeitschrift geht es um den Sielwall, mit Interviews, Reportagen,
Fotostrecken, Essays und Prosa über die ehemals illegale Schule am
Körnerwall, über das Leben eines Heroindealers, über die Bürgerinitiative,
die den Abriss des Viertels gerade noch so stoppen konnte.
## Viele bekannte Namen
Als regelmäßige taz-Leser*in müsste man beim Durchblättern der ersten
Ausgaben auf einige bekannte Namen stoßen – über die Jahre haben viele
aktuelle und ehemalige taz-Redakteur*innen Texte für die Zeitschrift der
Straße geschrieben.
In der ersten Ausgabe schreibt [2][Friederike Gräff] beispielsweise über
eine blinde Kochlehrerin, in der zweiten [3][Henning Bleyl] über den Umbau
des Bahnhofvorplatzes, in der dritten [4][Klaus Irler] über die „Alte
Bürger“ in Bremerhaven. Die aktuelle Chefredaktion teilen sich [5][Karolina
Meyer-Schilf] und [6][Jan-Paul Koopmann].
Heute wird die Zeitschrift zum Großteil von Ehrenamtlichen getragen.
Verkauft wird sie seit Beginn von wohnungs- und obdachlosen Menschen. Diese
registrieren sich im Vertriebsbüro, erhalten einen Ausweis und haben einen
festen Verkaufsort, den man online einsehen kann. Die Hälfte des Erlöses
jeder verkauften Zeitschrift geht an sie.
In Bremen leben schätzungsweise 600 bis 700 wohnungs- oder obdachlose
Menschen. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher sein. Gründe für Wohnungs-
und Obdachlosigkeit gibt es viele: „Jede*r kann in eine solche Situation
geraten“, sagt Moritz Cavigelli, Pressesprecher der Inneren Mission.
Wohnungs- und obdachlose Menschen seien Teil unserer Gesellschaft. Jeder
Mensch habe ein Recht auf Teilhabe. „Es gibt nicht die eine Geschichte und
es ist kein individuelles Versagen“, sagt Cavigelli.
Bundesweit steigt die [7][Gewalt gegen sie]: 2025 wurden in Deutschland
neun wohnungs- und obdachlose Menschen bei gewalttätigen Angriffen getötet.
Obwohl die Verkäufer*innen der Zeitschrift der Straße angemeldete
Verkaufsorte haben, erschwert die [8][zunehmende Verdrängung] den Verkauf.
Doch die Zeitschrift steht auch vor weiteren Herausforderungen. Denn:
Papier wird teurer, die Druckkosten steigen, immer weniger Menschen
[9][lesen Print]. Gleichzeitig haben auch immer weniger Menschen Bargeld
dabei. „Die Verkaufszahlen sinken seit Jahren – ein Trend, den viele
Straßenzeitungen beobachten“, sagt Cavigelli.
Den Trend ins Digitale könne eine Straßenzeitschrift schwer mitgehen, die
Idee der Zeitschrift sei es schließlich, „ein hochwertiges, schönes Produkt
auf die Straße zu bringen, das Menschen anspricht und gleichzeitig Teilhabe
ermöglicht“, sagt Cavigelli. „Es geht darum, Menschen in eine Form von
Handel einzubinden.“
Damit steht die Bremer Zeitschrift vor denselben Problemen, wie viele
andere Straßenzeitungen auch. Das Hamburger Straßenmagazin Hinz&Kunzt
erscheint mittlerweile nicht nur als Printzeitung, [10][sondern auch
digital], [11][bargeldloses Bezahlen] ist ebenfalls möglich. Und auch die
Bremer Zeitschrift der Straße suche bereits nach Lösungen.
Doch jetzt wolle man erst mal gemeinsam das 15. Jubiläum feiern „und das
Bestehen der Zeitschrift würdigen“. Am Sonntag, dem 21. Juni, lädt die
Zeitschrift der Straße deshalb zur [12][Geburtstagsparty] am Güterbahnhof
ein: Neben Konzerten, Tombola und Essensangeboten wird es für alle
Altersgruppen Gesprächsrunden mit Verkäufer*innen, Redakteur*innen und
Streetworker*innen geben.
18 Jun 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://zeitschrift-der-strasse.de/lesen/ausgaben-bis-2014/
(DIR) [2] /Friederike-Graeff/!a198/
(DIR) [3] /Henning-Bleyl/!a191/
(DIR) [4] /Klaus-Irler/!a202/
(DIR) [5] /Karolina-Meyer-Schilf/!a33927/
(DIR) [6] /Jan-Paul-Koopmann/!a6138/
(DIR) [7] /Beispiellose-Gewalteskalation/!6186917
(DIR) [8] /Vertreibung-vor-dem-Supermarkt/!6177822
(DIR) [9] /!vn6120450/
(DIR) [10] /Strassenmagazin-geht-online/!6131842
(DIR) [11] /Strassenzeitung-ermoeglicht-Handyzahlung/!6071944
(DIR) [12] https://zeitschrift-der-strasse.de/feiert-mit-uns-15-jahre-zeitschrift-der-strasse/
## AUTOREN
(DIR) Amanda Böhm
## TAGS
(DIR) Obdachlosigkeit
(DIR) Wohnungslosigkeit
(DIR) Magazin
(DIR) Medien
(DIR) Bremen
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Hinz&Kunzt
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Obdachlose in Hamburg: Der Tod in der Kälte
Hamburgs Straßenmagazin „Hinz&Kunzt“ zieht eine dramatische Zwischenbilanz:
Im Januar starben schon elf Wohnungslose Menschen in der Stadt.
(DIR) Hamburger Straßenmagazin geht online: „Wir müssen uns neue Lesergruppen erschließen“
Das Straßenmagazin „Hinz und Kunzt“ erscheint ab sofort auch digital.
Geschäftsführer Jörn Sturm erklärt, warum das für das Hamburger Blatt
sinnvoll ist.
(DIR) Straßenmagazin wird 15: Der Traum von der geheizten Wohnung
Das Hamburger Straßenmagazin "Hinz&Kunzt" ist das auflagenstärkste in
Norddeutschland. Die Zeitung ist gerade 15 Jahre alt geworden, gibt sich
aber immer noch so kämpferisch wie in den Anfängen.