# taz.de -- Die Wahrheit: Pointen aus der Praxis
       
       > Arztbesuche können die künstlerische Inspiration anregen. Außerdem
       > bekommen Patienten die seltsamsten Komplimente serviert.
       
       Ach, die Last der Prominenz! Noch zahlt die Krankenkasse das
       Hautkrebsscreening, also stellte ich mich bei der Hautärztin vor, die mich
       prompt als Lesebühnenleser erkannte. „Wir kommen immer gern zu Ihren
       Veranstaltungen“, sagte sie und forderte mich auf, mich bis auf die
       Unterhose auszuziehen. Dann begann sie, mit der Lupe meinen Leib nach
       verdächtigen Flecken abzusuchen. Ich stand vor ihr, leicht vornübergebeugt,
       mit gespreizten Beinen, damit sie auch im Schritt schauen konnte. „Ich
       finde das toll, dass Sie so lustige Texte vorlesen, wie kommen Sie bloß
       immer auf diese Ideen?“ – „Ich weiß auch nicht“, sagte ich, „manchmal
       erlebt man einfach Sachen, die einem komisch vorkommen.“
       
       Nachdem sie mich aufgefordert hatte, die Unterhose auszuziehen, damit sie
       auch meine Po-Ritze inspizieren könne, sagte sie: „Das ist wirklich ein
       großes Talent, in alltäglichen Situationen Komik zu entdecken. Also …“,
       hörte ich sie von hinter meinem Hintern, „von hier aus betrachtet sieht
       alles sehr gut aus.“ Das war das schönste Kompliment, das ich seit langem
       gehört habe. So ein Arztbesuch ist das reinste Empowerment.
       
       Deswegen legte ich gleich mit der Darmkrebsvorsorge nach. Bei der
       Vorbesprechung beim Gastro-Enterologen nahm eine eher gebrochen Deutsch
       sprechende Arzthelferin mir Blut ab und wollte wissen: „Schlafen während
       Untersuchung oder nicht?“ – „Ich weiß nicht“, sagte ich, denn ich hoffte
       auf in Texten nutzbare Pointen, doch die Arzthelferin beschied: „Sie wollen
       schlafen. Darm ist lang, meterlang, Doktor taucht sehr tief, Sie wollen
       schlafen.“ – „Ist ja gut“, seufzte ich. „Sehr gut“, sagte sie, „ich
       schläfere Sie ein, ist besser so.“ – „Ja, ist wahrscheinlich besser so“,
       flüsterte ich, „den Verdacht habe ich schon länger.“
       
       ## Enttäuschende Expedition
       
       Bei der Darmspiegelung selbst lag ich seitlich mit heruntergelassener Hose
       auf der Liege. Ich fühlte mich so gestrandet wie Timmy der Wal und
       überlegte, ob Sprengung nicht die schonendere Variante wäre. Da kam der
       Arzt und erklärte, dass er gedenke, Hämorrhoiden, Polypen oder was immer
       ihm begegne, umstandslos zu veröden, herauszurupfen oder sonstwie
       auszumerzen. Er versprach aber, nichts Lebenswichtiges rauszureißen. Ich
       nickte beruhigt.
       
       Nach dem Aufwachen verkündete er, die Expedition sei enttäuschend
       verlaufen, er habe nichts gefunden. Das sei für mich erfreulich, aber er
       hätte auch schon mal interessantere Tage gehabt. „Waren Sie schon beim
       Urologen zur Vorsorge?“, fragte er. „Wir sind hier eine Praxisgemeinschaft,
       da können Sie sich direkt einen Termin geben lassen.“ – „Sind Sie nicht
       eben an der Prostata vorbeigefahren?“, fragte ich. „Da gucke ich doch gar
       nicht hin, das kann ich ja nicht abrechnen“, sagte er, „aber Sie sind
       hinten jetzt ja gut in Übung, das liegen Sie auf der linken Arschbacke ab,
       haha.“ Ich seufzte. „Wie kommen Sie bloß immer nur auf diese Ideen?“, hörte
       ich die Hautärztin in meinem Kopf fragen. Ich weiß es doch auch nicht.
       
       16 Jun 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Heiko Werning
       
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