# taz.de -- Die Wahrheit: Böses Häschen, gute Kröte
> Eines der putzigsten Nationalsymbole der Welt hat die Karibikinsel Puerto
> Rico, deren Coquí Maßstäbe für den internationalen Symbolismus setzt.
Adler als Herrschaftssymbol sind langweilig und imperialistisch. Nichts
gegen Adler persönlich, die wollen auch nur leben, aber ihre symbolische
Ausdeutung ist eine Frechheit für jeden aufgeklärten Menschen. Warum denn
kein Bundeseichhörnchen? Das wäre doch viel hübscher und sympathischer.
Oder noch besser: ein Frosch!
Die schrullige Karibikinsel Puerto Rico führt einen solchen als
Nationalsymbol: den Coquí, einen drei bis vier Zentimeter langen Winzling
in Schlammfarben und mit Glupschaugen, über dessen fehlende optische Reize
man sich aber keine Sorgen machen muss, weil ihn ohnehin niemand sieht.
Dabei ist er allgegenwärtig. Sobald es dunkel wird in San Juan, der
Inselhauptstadt, erklingt sein Gepiepe, das bei uns niemand mit einem
Frosch in Verbindung bringen würde, sondern eher mit einem depressiven
Vogel, kurz bevor er sich dem Bundesadler vor den Schnabel wirft.
Der Coquí ist ein Vertreter der Antillen-Pfeiffrösche, und als solcher
macht er, was man erwarten darf: Er sitzt auf den Antillen und pfeift. Die
ganze Nacht. Überall. Es ist der Sound von Puerto Rico. Neben Bad Bunny,
natürlich.
Auch das böse Häschen ist in Wirklichkeit ein gutes. Es lässt einen noch
hoffen für die USA. Nicht nur, weil Trump außer sich war vor Zorn darüber,
dass es beim Super Bowl neulich auftreten durfte, sondern auch, weil es
eine Kröte als Maskottchen hat. „Concho“ ist eine Puerto-Rico-Kammkröte,
die nur auf dieser Insel vorkommt. Sie hat nicht nur einen auffällig
kantigen Schädel, sondern auch eine bezaubernd unförmige Schnauze.
## Kulturkampf mit Tieren
Womit Lurche im amerikanischen Kulturkampf inzwischen eine herausragende
Stellung einnehmen. Nachdem zuerst die Rechtsradikalen sich des
Comicfroschs Pepe gegen den erklärten Willen seines Zeichners als
rassistisches Meme bemächtigt hatten, erschienen 2025 bei den
Anti-ICE-Protesten plötzlich viele Demonstranten in Tierkostümen, um Trumps
Gerede von der terroristischen Antifa ein wirkmächtiges Bild
entgegenzusetzen. Darunter war auch jemand in einem aufblasbaren
Ganzkörper-Froschkostüm, dem ein gehässiger ICE-Mann Pfefferspray ins
Atemloch sprühte.
Das Video der martialischen Aktion ging viral, und anschließend erschienen
bei den „No Kings“-Protesten immer mehr Frösche, während zeitgleich hübsche
Amphifa-Memes die Runde machten. Und nun kommt noch Concho, die Kammkröte,
hinzu, im Verbund mit dem bösen Häschen von der Pfeiffrosch-Insel – da
steht es am Ende vier zu eins für die Amphifa.
Trump hatte schon während seiner ersten Amtszeit vorgeschlagen, in den Fels
des Mount Rushmore könnte neben die Köpfe der Präsidenten Washington,
Jefferson, Roosevelt und Lincoln sehr gut noch sein eigener passen. Ich
hingegen würde es begrüßen, dass, wenn dieser ganze Wahnsinn eines
hoffentlich nicht mehr allzu fernen Tages vorbei ist, ein Froschkopf in den
Granit geschlagen würde. Oder meinetwegen auch sehr gern eine
Puerto-Rico-Kröte.
10 Apr 2026
## AUTOREN
(DIR) Heiko Werning
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