# taz.de -- Todesstrafe und Gewalt im Gefängnis: „Sie wissen nicht, wann sie sterben“
> Immer noch werden Menschen zum Tode verurteilt. Unser Kolumnist findet
> das schrecklich. Und macht sich auch Gedanken über andere Formen der
> Gewalt im Knast.
(IMG) Bild: Eine der Gewaltform im Knast: Hinrichtung per Giftspritze
Christian Specht, Jahrgang 1969, ist politisch engagiert und setzt sich für
mehr Mitwirkungsmöglichkeiten von Menschen mit Beeinträchtigung in den
Medien ein. Seit 2017 ist er der erste Mensch mit Beeinträchtigung im
Vorstand der Lebenshilfe. Er hat ein Büro in der taz und zeichnet
(un)regelmäßig den „Specht der Woche“.
Bei diesem Bild geht es um [1][die USA]. Ich habe eine Zelle gemalt von
jemandem, der zum Tode verurteilt wurde, und das Zimmer, in dem der Mensch
dann getötet wird. In der Mitte steht das Bett, auf dem der Mensch
festgeschnallt wird. Links vorne ist die Toilette aus der Zelle. Das große
braune Viereck ist der Boden und daneben steht ein unbequemer Stuhl. Ganz
hinten an der Wand ist die Glasscheibe zu sehen. Hinter der sitzen
Menschen, wie die Angehörigen von den Menschen, die getötet werden.
Manchmal dürfen die Angehörigen vor dem Töten noch mal mit dem Menschen
reden. Das ist ganz schön heftig. Ganz rechts auf dem Bild ist die
Zellentür mit einer Sprechanlage. Auf der Tür ist eine Kamera. Ich glaube,
eigentlich sind da meistens keine Kameras. Aber es gab schon Fälle, wo
gefilmt wurde.
Ich halte nichts von der [2][Todesstrafe]. Sie ist einfach nicht okay. Sie
bringt auch nichts. Man muss Menschen anders bestrafen. Mit Todesstrafe ist
nichts getan, erst recht nichts Gutes.
Gefängnis ist eh schlimm. Menschen sitzen dort lange fest, haben keinen
Kontakt zu Leuten und bekommen von draußen fast nichts mit. Es gibt sogar
Fälle, wo Menschen sich umgebracht haben deswegen. Viele Menschen, die die
Todesstrafe bekommen, haben noch ein anderes Problem. Die wissen oft gar
nicht, wann genau sie getötet werden sollen. Die sitzen ganz viele Jahre im
Gefängnis und wissen nicht, wann sie sterben. [3][Mumia Abu Jamal], der
angeblich einen Polizisten umgebracht haben soll und der eine Kolumne hat
über das Gefängnis in der Jungen Welt, der saß ganz lange, bis sein
Todesurteil aufgehoben wurde.
Da wird teilweise sogar gefoltert. In Bayern gab es jetzt auch so einen
Fall. Da sollen Gefängniswärter Gefangene gefoltert haben. Wenn so was in
Deutschland passiert, will ich gar nicht wissen, was in den USA abgeht.
Protokoll: Johannes Drosdowski
14 Jun 2026
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