# taz.de -- Theater „Heroes“ im Heimathafen Neukölln: Helden, die kündigen
> Mit viel Leichtigkeit bringen jugendliche Darstellende persönliche
> Geschichten auf die Bühne des Berliner Heimathafens Neukölln.
(IMG) Bild: Mit viel Spielspaß fegen die Jugendlichen über die Bühne
„Was hättest du als Hero gemacht?“ fragt die 16-jährige Frida und streckt
enthusiastisch das Mikro den Zuschauenden entgegen, ganz in Casting-Laune.
Bei den Antworten „Hmm“ und „Ähh“ nickt sie wissend, rückt ihre
Sonnenbrille zurecht und braust zurück auf die Bühne. „Lektion eins –
Zivilcourage!“, rufen die Jugendlichen im Chor. Auch Stärke und Mut,
Bösewicht-Capes und ein Superman-Slip werden ihren Bühnenauftritt bei
„Heroes“ kriegen.
Der Jugendclub Active Player NK fragt in seinem neuen Theaterstück nach
dem, was „Heroes“ ausmachen. Und dekonstruieren Heldentum dabei auch
einmal. Wer scheint für die Sonne, wenn die mal weint, fragt Leni.
Ana-Maria erzählt von ihrer Mama. Mohammed Amin kämpft mit seinem Traum,
Künstler zu werden. Anil kündigt seinen Job als Superheld: zu anstrengend,
ständig um zwei Uhr nachts geweckt zu werden. Die Sketche und Monologe
hinterfragen das Bild der heldenhaften Person, die immer hilft und nie nach
Hilfe fragt. Geschrieben haben sie die Jugendlichen selbst, viele schöpfen
direkt aus dem eigenen Leben.
„Hier geht es um Echtheit und Ehrlichkeit“, beschreibt Mohammad Eliraqui,
seit 2022 Leiter des Active Player NK, sein Kernanliegen. Es sei wichtig,
den Jugendlichen einen Raum zu geben, sich selbst auszudrücken. Der
Jugendclub des [1][Heimathafen Neukölln] bietet seit 2011 12- bis
26-Jährigen einen kostenlosen, offenen Raum zum Schauspielern, Regieführen
und Ausprobieren. Eliraqui startete hier selbst vor mehr als 10 Jahren
seine Schauspielkarriere und wurde bei seiner ersten Premiere von dem
Filmregisseur Damir Lukačević entdeckt. Mittlerweile reist er als
professioneller Filmschauspieler durch Deutschland. Der Club aber bleibe
immer sein Zuhause, sagt er.
Vorsprechen gibt es bei Active Player NK nicht, wegen der großen
Beliebtheit entscheidet der Zufall über die Aufnahme. So kommen Leute
verschiedenster Hintergründe zusammen, manche sind wenige Monate lang
dabei, manche schon 10 Jahre. Alle können sich aktiv in die
Stückentwicklung einbringen. Bei Heroes choreografierte Co-Leiterin,
Tänzerin und Performerin Lujain Mustafa Tänze und Kampfszenen, Eliraqui gab
Regieimpulse, vieles aber entschieden die Jugendlichen selbst.
## Kapitalismuskritik beim Erdbeerkauf
Das Stück gibt Raum zum Philosophieren, auch mal für Ausschweifungen ins
Afterlife oder über das Konzept der Zeit. Wie nebenbei wird
Gesellschaftskritik geübt. Sophie ändert die Frage „Wer ist dein Held?“ ab
zu „Wer ist deine Heldin“? Ronnie lehnt es ab, Schuldgefühle für sexuelle
Gewalterfahrung auf sich zu nehmen. Überraschend effizient bringt der
tödlich endende Streit zwischen Entrepreneurin und „Kurzzeitdenker“ Jovana
und [2][Bioerdbeerkäuferin] und „Langzeitdenker“ Greta Kapitalismuskritik
auf den Punkt. Als Superheld Mohammed Amin verspätet für seine
Rettungsaktion auf die Bühne stürzt und trotzdem 500 Euro verlangt – denn
von Liebe und Leidenschaft bezahlt sich die Miete nicht –, kringelt sich
das Publikum vor Lachen.
Bei aller Nachdenklichkeit bleiben der Spaß an Kreativität und die
Experimentierfreunde der Jugendlichen stets spürbar. Es wird gesungen, mit
Besen getanzt – und auch mal zugeschlagen. Das Publikum feiert die Heroes
[3][auf der Bühne], die sich selbst zu zeigen trauen. Und die feiern auch.
14 Jun 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Theater-fuer-die-Nachbarn/!6146652
(DIR) [2] /Uli-Hannemann-Liebling-der-Massen/!6092219
(DIR) [3] /Theaterstueck-ueber-weibliche-Wut/!6074652
## AUTOREN
(DIR) Yi Ling Pan
## TAGS
(DIR) Bühne
(DIR) Kinder- und Jugendtheater
(DIR) Heimathafen Neukölln
(DIR) Helden
(DIR) Elon Musk
(DIR) Berlin-Neukölln
(DIR) Boxen
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Theater über Elon Musk: Die Elon-Transformation
In der Performance „Musk on Mars“ im Heimathafen sieht sich der
exzentrische Tech-Guru und potenzielle interplanetare Disruptor mit einer
marsianischen Einwanderungsbehörde konfrontiert.
(DIR) Theater für die Nachbarn: Wenn es sich im Raum plötzlich drei Grad kälter anfühlt
Die Mitmachformate im Heimathafen Neukölln sind mehr als Kultur. Freitag
hat das Stück „Müßiggangster“ Premiere.
(DIR) Theaterstück über weibliche Wut: Das Tabu zerboxen
In Pina Kührs und Pan Selles Theaterstück „Female* Fight Club“ im
Neuköllner Heimathafen wird gekämpft, enttabuisiert, erklärt und geheilt.