# taz.de -- Erste Züge rollen: Bahnstrecke Hamburg-Berlin nach Sanierung wieder frei
> Der Zugverkehr zwischen Hamburg und der Hauptstadt läuft an, dafür ist ab
> heute ist die Strecke Hamburg-Hannover gesperrt. Kritik an mangelnder
> Bahn-Finanzierung.
(IMG) Bild: Und weiter geht's mit der Generalsanierung, hier ziwschen Köln und Hagen
afp/dpa | Die Zugstrecke zwischen Hamburg und Berlin ist nach monatelanger
Generalsanierung wieder in Betrieb. „Die Strecke ist wieder freigegeben,
zwischen Hamburg und Berlin rollen die ersten Züge“, teilte ein
Bahnsprecher am Sonntagmorgen mit. Auf der frisch sanierten Strecke seien
am Samstagabend bereits die ersten Güterzüge gestartet. Der Bahnsprecher
wies darauf hin, dass es „bei einer Inbetriebnahme dieses Ausmaßes“
anfänglich noch zu „Anlaufschwierigkeiten“ kommen könne. Die Bahn bitte
daher alle Fahrgäste, „sich heute vor der Reise nochmals über die genaue
Abfahrtszeit zu informieren“.
Die Strecke zwischen der Haupt- und der Hansestadt war ab August 2025 für
eine Generalsanierung gesperrt worden. Die Arbeiten sollten eigentlich Ende
April abgeschlossen sein, sie verzögerten sich aber insbesondere wegen des
strengen Winters. Nach Angaben der Deutschen Bahn fahren die Fernzüge in
den ersten zwei Wochen nach der Wiedereröffnung noch abschnittsweise etwas
langsamer. Grund seien die Abnahme der neuen Signal- und Stellwerkstechnik
sowie Belastungs- und Abnahmefahrten.
Die Bahn vollzieht am Sonntag außerdem ihren kleinen Fahrplanwechsel.
Änderungen ergeben sich insbesondere auch durch die Wiedereröffnung der
Strecke Hamburg-Berlin. Zudem ist Buchungsstart für das von der DB
angekündigte Familienticket für die Sommerferienwochen zum Preis von 99,99
Euro. Es gilt für Reisen zwischen dem 26. Juni und dem 14. September und
ist bis zum 12. September buchbar. Eine einzelne Hin- oder Rückfahrt kostet
demnach 59,99 Euro.
## Bahnstrecke Hamburg-Hannover für Züge gesperrt
Bahnreisende zwischen Hamburg und Hannover müssen sich von heute an auf
weitere Einschränkungen einstellen. Im Zuge der [1][sogenannten
Qualitätsoffensive der Deutschen Bahn] ist die gesamte Strecke zwischen
beiden Städten für den Zugverkehr gesperrt. Fern- und Güterzüge werden
umgeleitet, im Regionalverkehr gilt ein Ersatzkonzept mit Bussen und
einzelnen Zugangeboten auf Teilstrecken.
Die Bauarbeiten laufen bereits seit Anfang Mai und sollen bis zum 10. Juli
dauern. Bislang war vor allem der Abschnitt zwischen Celle und Hannover
betroffen. Nun entfallen auch die Regionalzüge zwischen Uelzen und Lüneburg
bis zum Ende der Qualitätsoffensive. Stattdessen sollen unter anderem
stündlich Busse zwischen Lüneburg und Uelzen fahren. In den
Hauptverkehrszeiten sind zusätzliche Züge zwischen Lüneburg und Hamburg
vorgesehen.
## Eine der am stärksten belasteten Bahnstrecken Deutschlands
Die Bahn will auf der rund 163 Kilometer langen Strecke Gleise, Weichen,
Oberleitungen, Bahnhöfe und Brücken erneuern und instandsetzen. Auch an
Stellwerken und am Bahndamm bei Eschede wird gearbeitet. Nach Angaben der
Bahn liegen die Arbeiten an der Schieneninfrastruktur insgesamt im Plan.
Die Verbindung Hamburg-Hannover zählt zu den am stärksten belasteten
Bahnstrecken Deutschlands. Sie ist wichtig für den Fernverkehr zwischen
Nord- und Süddeutschland, für Pendler sowie für den Güterverkehr vom und
zum Hamburger Hafen. Mit der Qualitätsoffensive will die Bahn dringende
Arbeiten bündeln, bevor die Strecke im Jahr 2029 umfassend saniert werden
soll.
## Bericht: Mehr als 90 wichtige Bahnprojekte in Deutschland in Gefahr
Mehr als 90 Bahnprojekten in verschiedenen Planungsphasen sowie einigen
bereits im Bau befindlichen Projekten droht einem Medienbericht zufolge der
Stillstand, weil der Bund nicht ausreichend Geld bereitstellt. Wie das
Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) am Sonntag unter Berufung auf die
Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen zum [2][Stand von
Neu- und Ausbauprojekten] berichtete, sind auch Projekte von überragendem
öffentlichen Interesse bedroht.
Das Verbände-Bündnis Allianz pro Schiene kritisierte dies scharf. Der Bund
müsse im Haushalt 2027 entsprechend nachsteuern und für eine langfristige
Planung den Infraplan mit überjähriger Finanzierung auf den Weg bringen.
„Wir erwarten von der Bundesregierung, dass sie ihre Zusage einlöst:
nämlich, dass was baureif ist, auch wirklich gebaut wird“, forderte
Geschäftsführer Dirk Flege. Aus der Antwort der Bundesregierung geht dem
Bericht zufolge außerdem hervor, dass die in der bisherigen
Mittelfristplanung des Bundes bis zum Jahr 2030 vorgesehenen Investitionen
für laufende und neue Bauvorhaben auf der Schiene hinter dem Bedarf
zurückbleibt, den die Regierung selbst sieht.
Nach Abschluss der Generalsanierung der Bahnstrecke zwischen Hamburg und
Berlin forderten Verkehrsexperten von SPD und CDU die Deutsche Bahn auf,
Probleme bei der Sanierung von Bahnstrecken künftig offener zu benennen.
„Bei aller Erleichterung über das Ende der Umleitungen dürfen wir die
gravierenden Schwachstellen dieses Mammutprojekts nicht verschweigen“,
sagte die SPD-Verkehrspolitikerin Anja Toff-Schaffarzyk dem
Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Bauzeitenpläne und Puffer für
kritische Infrastrukturen müssten zudem künftig robuster und krisenfester
kalkuliert werden. „Die Bilanz weist Schattenseiten auf, die wir ungeschönt
benennen müssen“, sagte Toff-Schaffarzyk.
Der verkehrspolitische Sprecher der Union im Bundestag, Björn Simon,
forderte ebenfalls, das DB-Management müsse aus den Verzögerungen lernen:
„Für die kommenden Korridorsanierungen brauchen wir verlässliche Zeitpläne
und eine transparente Kommunikation, die Versprechungen gegenüber den
Bürgern einhält.“
## Gewerkschaft EVG: Italo-Einstieg könnte 16 Städte vom Fernverkehr
abkoppeln
Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG [3][warnt vor
Verschlechterungen im deutschen Fernverkehr durch den Einstieg des
italienischen Bahnunternehmens Italo]. Mindestens 16 Städten drohe die
Abkoppelung vom ICE- und IC-Verkehr, heißt es in einer Analyse der
Gewerkschaft, die der Bild am Sonntag vorliegt.
Italo will [4][ab 2028 mit 30 Zügen in den deutschen Markt einsteigen],
unter anderem auf den hochprofitablen Strecken München-Dortmund und
München-Hamburg. „Wenn Italo hier Rosinenpickerei betreiben darf und die
Bahn von den Hauptstrecken verdrängt wird, zerlegt das unseren
Fernverkehr“, warnte EVG-Chef Martin Burkert in der Bild am Sonntag. Die
Deutsche Bahn könne dann Fernzugverbindungen in der Provinz weniger
quersubventionieren. „Städte werden abgehängt, Wege werden länger“, warnte
Burkert. Die Kunden müssten dann künftig mit langsamen Regio-Zügen zu einem
Fernzug-Bahnhof pendeln.
Laut der EVG-Analyse würde ein Italo-Markteintritt an den Bahnhöfen Aachen,
Augsburg, Bamberg, Chemnitz, Cottbus, Freiburg, Ingolstadt, Jena,
Magdeburg, Münster, Norddeich Mole, Osnabrück, Rostock, Saarbrücken,
Schwerin und Singen massive Auswirkungen auf den Fernverkehr haben. In
Trier würde demnach eine geplante IC-Anbindung wegfallen.
Burkert sieht Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) in der
Pflicht: „Der Verkehrsminister darf nicht einfach die Hände in den Schoß
legen, sondern muss den Wettbewerb fair gestalten.“ Der EVG-Vorsitzende
fordert Paketlösungen bei der Streckenzuteilung, mit denen Italo
verpflichtet wird, auch Zuglinien in der Provinz zu bedienen: „Wer auf den
Hauptstrecken ordentlich Kasse machen will, darf sich nicht zu fein sein,
um Städte wie Schwerin, Augsburg oder Jena anzufahren.“
## Bahn will Strecke Köln-Hagen im Juli pünktlich freigeben
Nach mehr als fünf Monaten Sperrung will die Bahn die Strecke von Köln über
Wuppertal nach Hagen wie geplant in knapp vier Wochen freigeben. Gut 90
Prozent der Gleise und Oberleitungen seien bereits erneuert. „Unser aller
Ziel ist eine pünktliche Freigabe der Strecke für die Fahrgäste“, sagte
Gesamtprojektleiter Arno Jaeger. Laut Plan sollen die Züge ab dem Abend des
10. Juli wieder rollen. In den verbleibenden Wochen gehe es nun unter
anderem darum, die Modernisierung der Bahnhöfe fertigzustellen. „Außerdem
steht die umfangreiche Abnahmeprüfung der gesamten Technik auf dem Plan“,
sagte Jaeger.
Die [5][Generalsanierung ist das derzeit größte Bauprojekt der Bahn in
Nordrhein-Westfalen]. Weil Gleise und Bahnhöfe grundlegend erneuert werden,
ist die für den Fern- und Regionalverkehr wichtige Strecke zwischen Köln
und Hagen seit Februar voll gesperrt. Der Fernverkehr etwa von Köln nach
Berlin und Hamburg wird weiträumig über das Ruhrgebiet umgeleitet. Für die
Pendler in der Region fahren rund 200 Ersatzbusse. Einige fahren wie
S-Bahnen alle Stationen unterwegs ab. Einige pendeln als Expressbusse
zwischen den großen Bahnhöfen. Allerdings berichten Fahrgäste immer wieder
von Problemen, etwa weil die Busse auf den Autobahnen im Stau stehen.
## S-Bahn-Gleise wieder freigegeben
Für etwas Entspannung sorgt, dass seit dem Wochenende immerhin die
S-Bahn-Gleise von Düsseldorf über Wuppertal nach Hagen wieder freigegeben
sind. Sie verlaufen teilweise parallel zu der gesperrten Strecke. Deshalb
können bis zum Ende der Generalsanierung jetzt wieder einige S-Bahnen und
Regionalzüge auf dem Abschnitt zwischen Düsseldorf und Hagen fahren. Am
besten sehen Reisende in der Online-Auskunft, wie die eigene Verbindung
trotz der Bauarbeiten funktioniert, empfiehlt die Bahn. Dort seien alle
Änderungen enthalten.
Nach Abschluss der Generalsanierung soll die von Fern-, Regional- und
Güterzügen stark befahrene Strecke zwischen Köln und Hagen verlässlicher
und leistungsfähiger werden, verspricht die Bahn. Störungen und
Verspätungen sollen sich deutlich reduzieren. Die Bahn setzt zwischen Köln
und Hagen zum ersten Mal in NRW ihr noch recht neues Konzept der
Generalsanierung um. Während früher versucht wurde, mit vielen kleinen
Baustellen den Zugverkehr immer irgendwie aufrechtzuerhalten, wird jetzt
einmal komplett gesperrt – dafür sollen Reisende anschließend jahrelang
ohne Einschränkungen durch Baustellen mit dem Zug fahren können. Als
Nächstes startet im Juli 2026 die Generalsanierung der rechtsrheinischen
Strecke zwischen Troisdorf und Wiesbaden.
14 Jun 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Erlebnisreisen-mit-der-DB/!6182132
(DIR) [2] /Milliardenprojekte-bei-der-Bahn/!6181360
(DIR) [3] /Bald-mehr-Konkurrenz-im-Fernverkehr-Deutsche-Bahn-warnt-vor-Flixtrain-und-Italo/!6183628
(DIR) [4] /Italo-will-DB-Konkurrenz-machen/!6183581
(DIR) [5] /Regionalchef-der-Deutschen-Bahn-AG/!6181720
## TAGS
(DIR) Deutsche Bahn
(DIR) Hamburg
(DIR) Berlin
(DIR) Hannover
(DIR) NRW
(DIR) Deutsche Bahn
(DIR) Deutsche Bahn
(DIR) Deutsche Bahn
(DIR) Schwerpunkt Obdachlosigkeit in Berlin
(DIR) Schwerpunkt Stuttgart 21
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Bundesweite Störung bei der Bahn: Techniktausch führt zum Totalausfall
Eine Störung hat in der Nacht alle Züge für zwei Stunden lahmgelegt. Die
Ursache war der Tausch einer Funkkomponente. Verkehrsminister kritisieren
die Bahn.
(DIR) Bauarbeiten bei der Bahn: Ab Oktober langer Umweg zwischen Berlin und Hannover
Wegen Streckensanierungen verlängern sich Fahrtzeiten zwischen Hannover und
Berlin teils um 80 Minuten. Das betrifft auch Fahrten nach NRW und
Amsterdam.
(DIR) Familienticket der Deutschen Bahn: Höchstens zwei Erwachsene, mindestens ein Kind, 99 Euro
Die Bahn gibt Details ihres Sommerangebots für Familien bekannt. Derweil
steht die wichtige Strecke zwischen Hamburg und Hannover kurz vor einer
Sperrung.
(DIR) Obdachlose Menschen im ÖPNV: S-Bahn soll Verantwortung übernehmen
Die grüne Bundestagsabgeordnete Sylvia Rietenberg kritisiert in einem Brief
an die Berliner S-Bahn deren neue Politik im Umgang mit Wohnungslosen.
(DIR) Erneute Verzögerung bei „Stuttgart 21“: Özdemir will zügig Zahlen sehen
Baden-Württembergs Ministerpräsident bezeichnet den Bahnhofsbau als
Lachplatte. Die Bahn solle sagen, wann einzelne Etappen und das Projekt
fertig werden.