# taz.de -- Versorgungsprobleme im Aggressorstaat: Russland geht das Benzin aus
       
       > Ukrainische Drohnenangriffe zielen auf Russlands Ölinfrastruktur und die
       > Kriegskasse des Kremls. Der Petrostaat importiert jetzt Öl aus Belarus.
       
 (IMG) Bild: Das Satelitenbild zeigt aufsteigenden Rauch nach einem ukrainischen Drohnenangriff auf Russlands Ölterminal Ust-Luga am 27. März
       
       Zwei dichte schwarze Rauchsäulen stiegen am frühen Sonntagmorgen in den
       Himmel über der Wolgastadt Rybinsk. Ukrainische Drohnen hatten das Öllager
       der staatlichen Ölreserve Rosreserw getroffen. Auf Telegram-Kanälen
       gepostete und anhand von Geo- und anderer Daten überprüfte Videos zeigen
       enorme Schäden.
       
       Russlands Angriffskrieg in der Ukraine und die erbitterten militärischen
       Reaktionen des Nachbarlandes durch Zerstörung russischer Öl- und
       Gasinfrastruktur haben den Krieg tief in den Petrostaat gebracht. Wer in
       den begonnenen Urlaubsmonaten gen Süden fährt, klagt inzwischen über
       Benzinmangel. Vor allem auf der von Russland 2014 okkupierten ukrainischen
       Halbinsel Krim gibt es wegen der Kontrolle wichtiger Zugangsrouten durch
       ukrainische Drohnen und Treffer gegen Tanklaster inzwischen ein großes
       Versorgungsproblem mit Lebensmitteln und Treibstoff.
       
       „Wir sind liegengeblieben. Wir haben kein Benzin, wir haben ein kleines
       Kind dabei“, sagte Alexander Bubnow, der als Tourist aus der russischen
       Industriestadt Tula auf der Krim gestrandet ist, dem örtlichen TV-Kanal in
       Sewastopol „Sagen Sie mir, was wir tun sollen? Ich möchte einfach nur von
       hier weg.“
       
       ## Verkaufsbeschränkungen auf der Krim
       
       Auf der Krim wurden bereits Ende Mai Verkaufsbeschränkungen für Benzin,
       zunächst auf 20 Liter pro Fahrzeug, eingeführt. Jetzt können nur noch per
       App auf dem staatlich kontrollierten Messengerdienst Max überhaupt ein paar
       Liter getankt werden. Auf Telegram-Kanälen werden Tipps gegeben, an welchen
       Tankstellen es noch Sprit gibt. Dort bilden sich sehr lange Schlangen.Auf
       die Krim werden inzwischen in Kofferräumen von Pkw oder auf mit Planen
       abgedeckten Bau-Lkw große Benzinkanister auf die Halbinsel gebracht. Die
       Ukraine kontrolliert mit Drohnen die Zufahrten zur Krim, hat mehrfach
       Tanklaster abgeschossen. Es entstand ein Schwarzmarkt, auf dem ein Liter
       Benzin für umgerechnet etwa drei Euro zum Dreifachen des üblichen Preises
       verkauft wird.Die Intensität der Attacken auf Öl- und Gasanlagen hat sich
       in den vergangenen Monaten deutlich erhöht. Allein im Mai registrierte
       Bloomberg 16 Angriffe auf Raffinerien, sieben auf Pipelines und sechs auf
       Hafenanlagen. In der Folge fiel die russische Raffinerieverarbeitung auf
       den niedrigsten Stand seit 2009.
       
       Inzwischen wurden in mehr als 20 Regionen Treibstoffengpässe gemeldet –
       mittlerweile sogar auch in Moskau und St. Petersburg, wo der Kreml bisher
       viel getan hat, um den Krieg unsichtbar zu machen. Aber aus Angst vor
       Drohnenangriffen wurde am Freitag sogar das Festkonzert zum
       Nationalfeiertag vom offenen Roten Platz in eine Halle weit im Osten der
       Hauptstadt verlegt.
       
       ## Exportverbot für Benzin, Diesel und Kerosin
       
       Um die Versorgung des Binnenmarktes zu sichern, verhängte die russische
       Regierung ein Exportverbot für Benzin, Diesel und Kerosin. Die
       Benzinimporte aus dem benachbarten Belarus schnellen in die Höhe.
       
       Die Ukraine zielt mit ihren Drohnenattacken immer erfolgreicher auf die
       Kriegskasse des Kremls: Nach Berechnungen internationaler
       Energieanalysefirmen sind Russlands Einnahmen aus dem Öl- und Gasgeschäft
       gegenüber der Vorkriegszeit um rund 27 Prozent eingebrochen. Die
       Energiebranche, traditionell das Rückgrat der russischen Staatsfinanzen,
       steht unter erheblichem Druck.
       
       Die stark gestiegenen Ölpreise auf dem Weltmarkt und die daraus
       resultierenden höheren Dollar-Einnahmen bei Rohölexporten ließen die
       Landeswährung Rubel massiv aufwerten. In der Folge sinken die
       Staatseinnahmen, die in Rubel reinkommen, und das Haushaltsdefizit ist auf
       Rekordhoch: Für die ersten fünf Monate 2026 berichtete das russische
       Finanzministerium ein Defizit von rund 6,6 Billionen Rubel. Dieses lag
       damit bereits um 74 Prozent über dem ursprünglich für das gesamte Jahr
       vorgesehenen Wert.
       
       14 Jun 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Mathias Brüggmann
       
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