# taz.de -- Megathema Müll in Berlin: Sauber mögen's doch alle
       
       > Die Berliner Grünen wollen der Vermüllung des öffentlichen Raums ein Ende
       > bereiten und stellen ihren Plan vor – an einem ungewohnt gepflegten
       > Hotspot.
       
 (IMG) Bild: Manchmal hat Müll auch was Anrührendes
       
       Der Müll ist offenbar zu Hause geblieben an diesem Montagmorgen auf der
       [1][Kreuzberger Admiralbrücke]. Weit und breit sind keine zerschmetterten
       Bierflaschen zu sehen, keine fettigen Pizzakartons, nicht mal ein
       Hundehaufen. Immerhin kommt irgendwann jemand vorbeispaziert und stellt
       einen leeren Kaffeepappbecher auf einem der Betonpoller ab.
       
       Auch bei einem kleinen Spaziergang zum Urbanhafen: alles sauber. Es ist der
       ewige Vorführeffekt, mit dem die Grünen zu kämpfen haben. Denn [2][Bettina
       Jarasch, Ko-Spitzenkandidatin für die Abgeordnetenhauswahl],
       Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann und der umweltpolitische
       Fraktionssprecher Benedikt Lux haben zu einem Vor-Ort-Termin mit
       [3][BSR-Chefin Stephanie Otto] und Ivan Shishkin von SauBer e.V.
       eingeladen, um ihren Antrag „Eine saubere Stadt für alle!“ vorzustellen. Am
       Donnerstag wird er im Parlament vorgestellt.
       
       [4][Müll im öffentlichen Raum] ist, vielleicht etwas überraschend, zum
       Großthema des diesjährigen Wahlkampfs geworden – und im Prinzip sind sich
       alle einig, dass er weniger werden muss. Was nicht unbedingt damit zu tun
       hat, dass er in den vergangenen Jahren mehr geworden ist, wie BSR-Chefin
       Otto auf Nachfrage bestätigt: Objektiv betrachtet, hätten die Mengen sogar
       leicht abgenommen. Gewachsen ist dagegen offensichtlich der Wunsch vieler
       BerlinerInnen nach einem halbwegs sauberen Umfeld, in dem sie schließlich
       einen Gutteil ihrer Zeit verbringen.
       
       Oder, wie Bettina Jarasch es sagt: „Wenn Müll sich auf Müll häuft, haben
       viele das Gefühl, dass ihnen die Stadt nicht mehr gehört. Das können wir
       nicht zulassen.“ Es gebe zwar schon viele Einzelmaßnahmen und die BSR
       leiste großartige Arbeit, aber, so Jarasch: „Wir brauchen einen Plan.“
       
       Zu diesem Plan gehören aus Sicht der Grünen vor allem folgende Punkte:
       Personal und Zuständigkeiten der BSR sollen deutlich ausgeweitet werden.
       Heute reinigt sie nicht einmal ein Zehntel der rund 2.500 Berliner
       Grünanlagen, der Rest liegt vor allem in der Verantwortung der bezirklichen
       Grünflächenämter, die sich aber eigentlich viel lieber ums Gärtnern kümmern
       würden.
       
       ## Lokale Depots für Besen und Zangen
       
       Außerdem sollen die Stadtreinigungsbetriebe im Rahmen einer
       Hotspot-Strategie auch Vermüllungen auf privaten, aber quasi-öffentlichen
       Flächen beseitigen: auf Gewerbeparkplätzen und Bahn-Böschungen, in
       allgemein zugänglichen Wohnanlagen und einer Unzahl von „infrastrukturellen
       Zwischenräumen“, deren fehlende Sauberkeit aktuell zuerst ein Fall für die
       Ordnungsämter ist. Letztere sollen auch künftig ins Spiel kommen, aber im
       Idealfall erst, wenn der Müll schon von Profis beseitigt wurde.
       
       Entbürokratisieren und digitalisieren wollen die Grünen – wer will das
       nicht –, aber auch [5][Gutscheine für eine Sperrmüllabholung] pro Jahr
       ausgeben und die Zivilgesellschaft stärker einbinden. So solle geprüft
       werden, ob an die TeilnehmerInnen von Clean-up-Aktionen
       Aufwandsentschädigungen gezahlt werden könnten. Ivan Shishkin von SauBer
       bestätigt, dass es vielen Menschen ein echtes Anliegen ist, kollektiv zu
       Besen oder Müllzange zu greifen. Es brauche aber mehr Förderung, zum
       Beispiel durch lokale Depots, in denen man sich das benötigte Werkzeug
       ausleihen könne.
       
       All das würde natürlich eine Menge zusätzliches Geld kosten. Hier kommt die
       in Tübingen entwickelte und mittlerweile gerichtlich abgesegnete kommunale
       [6][Verpackungssteuer] ins Spiel. Jarasch und Co haben überschlagen, dass
       ein solcher Zuschlag auf Einwegverpackungen jedes Jahr 40 Millionen Euro in
       Berlins Kassen spülen würde. Investiere man dieses Geld in Sachen
       Sauberkeit, könne etwa die BSR rein rechnerisch rund 800 neue
       MitarbeiterInnen bezahlen.
       
       Mal sehen, wie der Müll-Vorstoß im Abgeordnetenhaus so einschlägt. Gerade
       für die Konservativen und Rechten ist es im Grunde ja gefährlich, wenn sich
       Grüne und am Ende sogar Linke ein klassisches Stammtischthema zu eigen
       machen und progressiv umlabeln. Aber, um es in den Worten von Stefanie Otto
       zu sagen: „Es will doch niemand, dass die Stadt noch strunziger wird.“
       
       15 Jun 2026
       
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