# taz.de -- Unmut wegen Kontokündigung der GLS-Bank: Selbstkritik des Vorstands bei Genossenschaftsversammlung
       
       > „Kein Glanzstück“ waren die Kontokündigungen für DKP und Rote Hilfe, sagt
       > Vorstand Kannacher. Die Versammlung stützt die Bankspitze deutlich.
       
 (IMG) Bild: Die GLS-Bank finanziert fortschrittliche Projekte. Viele soziale oder ökologische Organisationen haben hier ein Konto
       
       Trotz massiver öffentlicher Kritik an Kontokündigungen gegenüber der
       Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) und der Gefangenenhilfsorganisation
       Rote Hilfe ist der Vorstand der sich selbst als „sozial-ökologisch“
       beschreibenden GLS-Bank mit breiter Mehrheit bestätigt worden. Bei der
       Genossenschaftsversammlung am Samstag in Bochum stimmten 676 der 720
       anwesenden Mitglieder en bloc für eine Entlastung des gleichberechtigten
       dreiköpfigen Vorstandsteams, dem Aysel Osmanoglu nicht mehr als Sprecherin
       vorsteht. Mit deutlicher Mehrheit gestützt wurden in Einzelabstimmungen
       auch die Mitglieder des Aufsichtsrats um die scheidende Vorsitzende Irene
       Reifenhäuser-Karnath.
       
       Die Kontokündigungen hatten um die Jahreswende für massiven Protest
       gesorgt: [1][In einem offenen Brief] der Initiative [2][„Debanking
       stoppen“] forderten mehrere Tausend Kund:innen und
       Genossenschaftsmitglieder der GLS eine Rücknahme. Der Bank drohe ein
       „drastischer Vertrauensverlust“, hieß es in dem Schreiben, das von so
       unterschiedlichen Organisationen wie dem Umweltschutzverband Robin Wood,
       dem Flüchtlingsrat Niedersachsen, dem Hamburger Landesverband der
       Erziehungsgewerkschaft GEW und Landes- und Kreisverbänden der Linkspartei
       unterstützt wurde. Ohne Bankkonto werde „die politische und
       zivilgesellschaftliche Teilhabe von Organisationen und Einzelpersonen
       grundlegend eingeschränkt oder sogar gänzlich verunmöglicht“.
       
       Der GLS-Vorstand aus Osmanoglu, Dirk Kannacher und Michael Ahlers [3][wies
       Vorwürfe, die Kündigungen seien politisch motiviert, dagegen zurück] und
       berief sich formaljuristisch auf „gesetzliche und aufsichtsrechtliche
       Vorgaben im deutschen und europäischen Bankensystem“. Was das bedeuten
       soll, [4][hat „Debanking stoppen“ herausgearbeitet]: Danach fordern
       Aufsichtsbehörden wie die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht
       (Bafin), „verdächtige Transaktionen“, die etwa auf Geldwäsche oder auf
       Terrorismusfinanzierung hinweisen könnten, „unverzüglich“ zu melden.
       
       Dass die Unterstützung des GLS-Vorstands, der im Vorfeld der Versammlung
       wohl um seine Entlastung fürchtete, dennoch so groß ausfiel, ist auch der
       geschickten Kommunikationsstrategie der Bank zu verdanken. Eingebettet war
       die Veranstaltung in ein Festival rund um die Bochumer Jahrhunderthalle,
       bei dem sich rund 170 Aussteller:innen aus nachhaltigen Start-ups
       präsentierten. Auch der ehemalige grüne Vizekanzler Robert Habeck trat dort
       auf.
       
       ## Gespräche mit Kund:innen
       
       Außerdem hat die Bank Gespräche mit potenziell betroffenen Kund:innen
       geführt – und offenbar zu vermitteln versucht, was zu vermeiden ist, damit
       Überweisungen oder Spenden nicht als verdächtig gemeldet werden müssen. Die
       Konten der [5][Roten Hilfe bei der GLS werden nach den Protesten
       weitergeführt]. „Kein Glanzstück“ sei die Kontokündigung gewesen, gab sich
       in Bochum GLS-Vorstand Dirk Kannacher selbstkritisch.
       
       [6][Die Sparkasse Göttingen, bei der die Gefangenenhilfsorganisation
       weitere Konten unterhält, wurde gerichtlich vorerst verpflichtet], diese
       beizubehalten. Wie die [7][DKP argumentiert auch die Rote Hilfe, dass die
       Sanktionsliste von US-Präsident Donald Trump] zu den Kündigungen geführt
       habe – bei der Gefangenenhilfsorganisation wegen der Unterstützung der von
       Trump bekämpften Antifa, bei der DKP wegen Zahlungen an Hilfsprojekte auf
       Kuba. „Klar politisch motiviert“ seien die Kontokündigungen gewesen, sagte
       DKP-Bundesgeschäftsführer Klaus Leger am Wochenende der taz noch einmal.
       Die Bank habe „in vorauseilendem Gehorsam gehandelt“ – vor allem, „um das
       US-Geschäft nicht zu gefährden“.
       
       Mit der GLS wolle die DKP deshalb nicht mehr zusammenarbeiten, sagt Leger.
       „Das Vertrauensverhältnis ist zerrüttet.“ Stattdessen setzt die Partei auf
       die Sparkassen: Die öffentlich-rechtlichen Institute unterliegen dem
       sogenannten Kontrahierungszwang – und haben im Gegensatz zur Privatbank GLS
       eine gesetzliche Pflicht zu Vertragsabschlüssen.
       
       7 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Andreas Wyputta
       
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