# taz.de -- Zwangsabstieg von 1860 München: Es ist schon wieder Untergang
> Die Löwen haben ausgebrüllt: Der Traditionsklub aus München-Obergiesing
> wird zur nächsten Saison einen neuen Anlauf in der Regionalliga nehmen
> müssen.
(IMG) Bild: Those were the days: Spieler des TSV 1860 München geben Autogramme beim Fanfest
Wenn der Wind wie gewohnt aus Westen kommt, dann höre ich sie, die
Sechzger. Ihren Torjubel aus dem gut zwei Kilometer entfernten Grünwalder
Stadion – und ich wundere mich kein bisschen, wenn die anderen am Schluss
doch wieder eine Bude mehr gemacht haben. Fan-Sein heißt halt immer auch
leiden. Das haben die Löwen beileibe nicht exklusiv, aber so dramatisch wie
beim TSV 1860 München wird deutschlandweit wohl nirgends gelitten. Insofern
galt wieder „Aus dem Westen nichts Neues“, als nun die nächste
Hiobsbotschaft aus Obergiesing herüberwehte: Zwangsabstieg in Liga vier.
Zum zweiten Mal innerhalb von neun Jahren muss der Traditionsklub runter in
die Regionalliga Bayern. Erneut fehlte ein Millionenbetrag (2,7 Millionen
Euro) zur Lizenz für die dritte Liga. Erneut wurde bis zur Deadline des
Deutschen Fußball-Bundes zwischen den Vertretern der beiden Gesellschafter
um eine Einigung gerungen. Am Ende standen wie schon 2017 maximal
spektakulär geplatzte Verhandlungen zwischen dem e. V. und Investor Hasan
Ismaik, sodass die Vereinsführung um Präsident Gernot Mang vor versammelter
Fan-Mannschaft vor der Geschäftsstelle an der Grünwalder Straße verkünden
musste: „[1][Es gab leider keine Einigung.“]
Wenig später verabschiedete sich der Hauptsponsor unter Nutzung seines
Sonderkündigungsrechtes, und ob die Stadt München die Pläne für den gefühlt
seit Jahrhunderten diskutierten Ausbau des „Grünwalders“ für einen
Regionalligisten, der längst Zweitligist sein wollte, vorantreiben wird,
ist angesichts leerer Kassen sehr fraglich. Zumal nun auch das
Schreckgespenst namens Insolvenz durch Giesing geistert.
Ein Drama, klar. Eine Überraschung? Nullkommanull. Im Oktober vergangenen
Jahres wurden dem weitgehend neutralen Betrachter mal wieder die Augen
geöffnet, neben was für einem chaotischen Nachbarn er da lebt. Der
Bayerische Rundfunk stellte in einem Kino seine fünfteilige [2][Doku-Reihe
„Rise & Fall“] über das ewige Auf-und-ab-Perpetuum-Mobile namens TSV 1860
vor.
## Vorsehung im Fernsehen
Liest man heute noch mal den begleitenden Pressetext nach, kann man nur den
Hut ziehen vor so viel seherischer Gabe: „Eine der verrücktesten
Vereinsgeschichten im deutschen Fußball: spektakulär, überraschend und
emotional. [3][Zwar stehen die Löwen sportlich längst im Schatten des
großen FC Bayern], dennoch sind es die Sechzger, bei denen sich in den
letzten Jahrzehnten die wahnwitzigeren Episoden abspielen, geprägt von
Männer-Egos, Machtspielchen und sportlichen Achterbahnfahrten“.
Kein Widerspruch, nirgends. Allein der mehrere Jahrzehnte umfassende Plot:
unfassbar, aber alles genau so passiert. Großartig auch der Cast:
Charaktere wie Carsten Wettberg, Werner Lorant, Karl-Heinz Wildmoser oder
Hasan Ismaik kann sich kein Drehbuchautor dieser Fußballwelt ausdenken,
auch nicht Sätze wie den von Wildmoser selig: „Freilich komm ich in den
Himmel, weil ich als Löwen-Präsident schon durch die Hölle gegangen bin.“
Wie hält man es als Fan bloß aus in einem Klub, der an einem Tag den
Ausstieg des schwerreichen Sponsors per Straßenfeuerwerk feiert wie eine
Meisterschaft, um wenig später wieder in Sack und Asche zu gehen, weil es
sich der Geldgeber aus dem Morgenland doch noch mal anders überlegt hat? In
der sehr sehenswerten Doku gibt ein Fan die Antwort: „Ich bin Löwe
geworden, weil’s nicht anders ging.“ Nicht umsonst trägt die Reihe den
Untertitel „Löwen. Lieben. Leiden.“
Radiomoderator Achim Bogdahn, der als Künstlername allen Ernstes Achim
Sechzig im Pass stehen hat, erklärt das Phänomen Sechzig in Anekdotenform:
„Ein Fan hat mir mal erzählt, dass er immer erst dann sein Leergut
zurückgibt, wenn er sechs Träger beisammenhat. Warum? Für einen Träger samt
Pfand bekommt er 3,10 Euro. Mal 6? Macht 18,60 Euro. Das ist die Essenz.
Sechzig wird immer ein Mysterium bleiben.“
Als unlängst der Trauergottesdienst für Carsten Wettberg, den „König von
Giesing“, gefeiert wurde, hatte Pfarrer Rainer Maria Schießler, der auch
beim Gottesdienst noch Fan-Schal trägt, seine liebe Müh und Not, die Kirche
in der richtigen Farbe auszuleuchten: „In der Osternacht war die
Beleuchtung noch rot – aber ich wusste, dass das heute zu Randalen geführt
hätte.“
## Was der Dompteur sagt
Und was sagt eigentlich Löwen-Investor Hasan Ismaik zu dem Desaster? „Sad
day“, schrieb der Jordanier in den sozialen Medien, was dann doch ein wenig
untertrieben war. Am 21. Mai hatte er einen bestehenden Darlehensvertrag
gekündigt und mitgeteilt, dass er seine Anteile am Klub weiterhin gern
verkaufen würde. Grundsätzlich sei er zu einer weiteren Unterstützung
bereit, wenn gewisse Bedingungen erfüllt seien – was offenbar nicht der
Fall ist.
Und nun? Wird die Regionalliga wohl aufgestockt und Sechzig springt ins
nächste Hamsterrad. „Ich kann nur sagen, dass wir jetzt einen Weg gehen
werden, den Verein aufstellen und wirklich nach vorne schauen“, sagte
Präsident Gernot Mang, „ich glaube, es kann eine Chance für den gesamten
Verein sein.“
4 Jun 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.br.de/nachrichten/sport/br24sport-live-droht-dem-tsv-1860-muenchen-der-zwangsabstieg,VLPh6vm
(DIR) [2] https://www.br.de/br-fernsehen/programmkalender/sendung-4398914.html
(DIR) [3] https://www.sueddeutsche.de/muenchen/tsv-1860-rise-and-fall-doku-br-filmpremiere-li.3326345?reduced=true
## AUTOREN
(DIR) Thomas Becker
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München zu erklären und lässt dabei schillernde Persönlichkeiten sprechen.