# taz.de -- Ehrenamt in Sportvereinen: Am Ball bleiben
> Während die Mitgliederzahlen von Sportvereinen wachsen, geht
> ehrenamtliches Engagement zurück. Die HSG Verden-Aller hat gleich mehrere
> Lösungen parat.
(IMG) Bild: Mitten drin: Trainerin Clara beim Handballtraining
In einer Sporthalle rennen 17 Kinder quer durcheinander, von einer kurzen
Seite der Halle zur anderen. Sie spielen ein Aufwärmspiel, bei dem ein Ball
auf einer von zwei dicken blauen Matten abgelegt werden muss. An diesem
Freitagnachmittag Ende Februar trainieren drei E-Jugendmannschaften der HSG
Verden-Aller. Das HSG steht für „Handball-Spielgemeinschaft“. Darin
zusammengeschlossen haben sich die Handballsparten von drei Sportvereinen
der Kleinstadt Verden, 40 Kilometer südöstlich von Bremen gelegen.
Das Quietschen von Schuhsohlen hallt durch den hohen Raum, manch Kinderkopf
glüht rot vor Anstrengung. Am Spielfeldrand stehen die Trainerinnen: Clara
und Hanna, 15 und 16 Jahre alt. Beide tragen das Vereinstrikot, goldene
Creolen im Ohr, die Haare in Zöpfen straff aus dem Gesicht geflochten.
Konzentriert beobachten sie das Geschehen. „Macht keine Glückspässe“, ruft
Clara, und noch eine Korrektur. Sie hält kurz inne. „Aber gut gesehen!“
Menschen wie Clara und Hanna, die sich etwa als Trainer:innen
ehrenamtlich in einem Sportverein engagieren, [1][werden dringend gesucht].
Denn die Mitgliederzahlen im nicht-kommerziellen Sport steigen und lagen im
vergangenen Jahr mit 29,3 Millionen so hoch wie nie zuvor. Mehr als ein
Drittel aller Einwohner:innen Deutschlands ist damit Mitglied in einem
Sportverein; zahlt wenig Geld dafür, [2][etwas für die Gesundheit zu tun]
und Gemeinschaft zu erleben.
Das ist gerade in diesen Zeiten eine gute Nachricht, weil sich in
Sportvereinen Menschen unterschiedlichen Alters treffen, unterschiedlicher
Bildungsgrade, politischer Überzeugungen und Nationalitäten. Wobei der
Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund niedriger ist als in der
Gesamtbevölkerung und das Engagement vieler Vereine für behinderte
Menschen, Alte, Arme, Geflüchtete, Frauen und Mädchen ausbaufähig ist, wie
der [3][jüngste Sportentwicklungsbericht] im Auftrag des Bundesinstituts
für Sportwissenschaft zeigt.
Dennoch: Wenn es um die Frage geht, was in Deutschland am meisten zum
Zusammenhalt beiträgt, stehen Sportvereine an erster Stelle. Zu diesem
Ergebnis kam im vergangenen Jahr eine [4][repräsentative Umfrage] im
Auftrag der öffentlich-rechtlichen Medien.
## Immer weniger Freiwillige
Doch dem wachsenden Interesse an Sport im Verein steht eine gegenläufige
Entwicklung gegenüber: Die Zahl von [5][Menschen, die ein Ehrenamt]
ausüben, geht insgesamt zurück – auch im Sport, wo anteilig mit Abstand die
meisten Freiwilligen tätig sind. Das zeigt der aktuelle
[6][Freiwilligen-Survey] der Bundesregierung.
Laut Sportentwicklungsbericht werden am dringendsten gesucht:
Funktionsträger:innen, die den Verein managen. Aber auch Schieds- und
Kampfrichter:innen werden knapp sowie Trainer:innen für bestimmte
Sportarten beziehungsweise Übungsleiter:innen im Breitensport. 80
Prozent von ihnen sind ehrenamtlich tätig, nur vier Prozent hauptamtlich.
Manche Vereine geben deshalb auf oder schließen sich mit anderen zusammen,
so dass die Wege für die Vereinsmitglieder weiter werden. Je ländlicher
gelegen, desto größer das Problem. Seit 2014 sinkt die Gesamtzahl der im
Deutschen Olympischen Sportbund organisierten Vereine kontinuierlich, zeigt
dessen [7][Bestandserhebung]: 2014 wurden 90.802 Mitgliedsvereine gezählt,
2025 nur noch 85.916.
Die fehlenden Freiwilligen sind nicht der einzige Grund fürs Aufgeben, aber
der häufigste. „Mehr als jeder sechste Verein sieht sich mittlerweile in
seiner Existenz bedroht, weil er Probleme damit hat, ehrenamtlich
Engagierte zu finden und im Verein zu halten“, heißt es im
Sportentwicklungsbericht, für den vor zweieinhalb Jahren knapp 20.000
Vereine befragt wurden.
## Zu wenig Zeit fürs Ehrenamt
Damit setze sich ein seit 20 Jahren beobachteter Trend fort, der sich seit
2020 verschärft habe, sagt Svenja Feiler, eine der Autor:innen des
Berichts und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Deutschen
Sporthochschule in Köln. Die Gründe sind vielfältig, haben viel mit
fehlender Zeit zu tun. Zudem ist der bürokratische Aufwand gewachsen, das
schreckt Neue ab. Aber es gibt auch Stellschrauben, an denen die Vereine
selbst drehen können – anstatt nur zu klagen.
Der Vorstand der HSG Verden-Aller arbeitet seit 2020 strategisch gegen das
Problem an. 2024 verabschiedete er ein Gesamtkonzept zum
Freiwilligenmanagement für alle Phasen des Engagements. Für seine besondere
Ehrenamtsfreundlichkeit bekam der TSV Borstel, einer der drei
Mitgliedsvereine der HSG, vom Landessportbund Niedersachsen die
Goldmedaille verliehen, als einem von bislang 41 Vereinen. Etwa 110 weitere
wurden mit Silber und Bronze [8][ausgezeichnet]. Insgesamt gibt es im
Bundesland 9.000 Sportvereine.
Voraussetzung für die Auszeichnung ist die schriftliche Definition von
Schritten zur Gewinnung, Einarbeitung, Begleitung, Aus- und Weiterbildung
von Freiwilligen sowie, ganz wichtig, die fortlaufende und öffentlich
sichtbare Anerkennung des Geleisteten auf Festen und im Internet, formal
festgehalten in der „Ehrungsordnung“. Von besonderer Bedeutung ist Paragraf
7: „Engagierte, die den Verein nach mehr als einem Jahr verlassen, erhalten
eine Urkunde und eine Anerkennung für ihr geleistetes Engagement.“
Eine wertschätzende Verabschiedung, die die Chance erhöht, dass jemand
zurückkehrt, ist nicht selbstverständlich. In vielen Vereinen hagle es
Vorwürfe, den Verein im Stich zu lassen, heißt es in einer vom Land
Niedersachen geförderten [9][Studie] zu ehrenamtlichen Engagement im
Auftrag des Landessportbunds Niedersachsen.
## Transparenter Umgang mit Aufwandsentschädigung
Auch nicht selbstverständlich: Eine Willkommensmappe, wie sie in der HSG
neue Ehrenamtliche bekommen, mit Telefonnummern aller
Ansprechpartner:innen sowie eine Aufgabenbeschreibung. Geregelt ist
zudem die finanzielle Anerkennung, je nach Qualifikation und Aufwand. Clara
und Hanna erhalten fürs Trainieren und Betreuen der Mannschaften jeweils
100 Euro Aufwandsentschädigung im Monat. Sie freue sich darüber, sagt
Hanna, das Trainieren mache mehr Spaß als viele andere Schülerjobs. Aber
das Geld sei für sie nicht ausschlaggebend.
Das gilt nicht für alle. Dwain Schwarzer, Referent beim Landessportbund
Niedersachsen für Vereinsentwicklung, bestätigt, dass der transparente
Umgang mit Aufwandsentschädigungen nicht flächendeckend geregelt sei. Das
sei aber notwendig, um bislang unterrepräsentierte Gruppen wie Menschen mit
jüngerer Zuwanderungsgeschichte für die Vereinsarbeit zu gewinnen: „Wer arm
ist, kann sich Ehrenamt nicht leisten.“
Hinter dem Konzept bei der HSG steckt harte Arbeit. Ehrenamtliche Arbeit.
Niemand weiß das besser als Juri Wolkow. Der 38-Jährige hat in der HSG mit
elf Jahren mit Handball angefangen, vier Jahre zuvor war er mit seiner
Familie aus Kasachstan übergesiedelt. Seinem damaligen Trainer ist er heute
noch dankbar, dass der ihn unter die Fittiche nahm. Später übernahm er
selbst Aufgaben im Verein. „Ich wollte etwas zurück geben.“ Sein Horizont
habe sich erweitert, seine Persönlichkeit entwickelt. Er ist überzeugt,
dass ihn die Gemeinschaft und der Erfolg als Sportler nachhaltig
beeinflusst haben, ihm das nötige Selbstvertrauen gaben, um zum Beispiel
sein Fachabitur zu machen.
2013 legte er eine kurze Pause ein, weil er seine Ausbildung bei der
Bundespolizei in Düsseldorf absolvierte und die Pendelei zu den Spielen zu
viel wurde. Kaum war er 2014 zurück, übernahm er den Förderverein und
begann mit Unterstützung des Vorstands den Verein zu modernisieren, dazu
gehört die konsequente Digitalisierung.
## Beziehungen gingen zu Bruch
Innerhalb von drei Jahren verdoppelte sich die Mitgliederzahl und damit
auch die Arbeit. Juri Wolkow gab alles, auch als Angreifer auf dem
Spielfeld, wie Spielberichte in der Lokalzeitung erkennen lassen. Mehrere
Beziehungen seien zerbrochen, sagt er, weil er so viel Zeit im Verein
verbrachte, auch mal Nächte durchmachte, wenn zum Beispiel noch Dauerkarten
für die Fördervereinsmitglieder laminiert werden mussten.
Heute hat die HSG um die 550 Mitglieder und Juri Wolkow ist unter anderem
deren Jugendwart. Wegen des Pressebesuchs schaut er kurz beim Training
vorbei, mitgebracht hat er seine zweijährige Tochter. Mit seiner Frau hat
er den Deal, dass er eine statt drei Mannschaften trainiert und am
Wochenende an nur einem Spiel teilnimmt, als Spieler oder als
Jugendtrainer.
So hat er auch Clara und Hanna entdeckt, sie haben bei ihm vor fünf Jahren
mit Handball angefangen. Seit zwei Jahren trainieren sie selbst Jüngere,
motiviert von Juri Wolkow. „Ich gucke, wer Verantwortung im Spiel
übernimmt, solche Persönlichkeiten können meistens gut trainieren.“
15 Jugendtrainer:innen beschäftigt die HSG derzeit. Das Training am
Freitag machen sie eigentlich zu fünft. Aber heute haben die
weiterführenden Schulen zu Besichtigungen eingeladen. Daher fehlt die
Hälfte der Kinder, nur die Zehn- und Elfjährigen sind da und Clara und
Hanna schaffen es alleine. Die gezielte Förderung der Jugendlichen gehöre
ebenfalls zum Konzept, sagt Juri Wolkow. Der Verein schickt sie auf
Lehrgänge, beteiligt sie an Entscheidungen und am Social-Media-Auftritt.
„Wir bauen unseren Trainer-Nachwuchs selbst auf.“
## Förderung von Jugendlichen zahlt sich aus
Das unterscheidet sie von vielen anderen Vereinen. Nur 2,8 Prozent aller
Trainier:innen und Übungsleiter:innen waren im Jahr 2018
minderjährig, heißt es in einer Auswertung eines Sportentwicklungsberichts
zum Trainingspersonal. Der Altersdurchschnitt lag zu dem Zeitpunkt bei 45
Jahren.
Dabei zeige die Forschung, dass sich die Förderung von Jugendlichen im
Sportverein doppelt auszahlt, sagt Svenja Feiler von der Sporthochschule in
Köln. Zum einen würden sie demokratische Prozesse kennenlernen. Zum anderen
wachse die Bereitschaft, als Erwachsene feste Ämter ehrenamtlich zu
übernehmen. „Beides dient dem Gemeinwohl.“
Clara und Hanna sieht man an, wie sehr sie das Training erfüllt, auch wenn
sie später beruflich nicht mit Kindern arbeiten wollen. Am anstrengendsten
sei, sich Respekt zu verschaffen, sagt Clara. Toll sei es, die Fortschritte
zu sehen, Hanna pflichtet ihr bei. Die beiden verbringen fast ihre ganze
Freizeit in Sporthallen. Kennengelernt haben sie sich über das
Handballtraining. „Seitdem sind wir so“, sagt Hanna und hält eine Hand mit
verschränktem Zeige- und Mittelfinger hoch.
Beide sagen, sie hätten im Verein an Selbstbewusstsein gewonnen, ihre
Stärken kennengelernt. Hanna, die über sich sagt, sie habe früher den Mund
vor Schüchternheit kaum aufbekommen, kündigt mit lauter Stimme die jeweils
nächste Trainingseinheit an. Heute üben sie Passwurf, Angriff,
Verteidigung. Zum Schluss gibt es ein kurzes Spiel auf zwei Tore, um das
Gelernte anzuwenden. Hanna pfeift immer wieder ab, um den Kindern zu
zeigen, auf welcher Position sie sich befinden.
## Ein Trainer für die jugendlichen Trainer:innen
„Freeze“, einfrieren, heiße die Methode, erklärt Dimche Atanasov, der den
Jugendlichen als Co-Trainer zur Seite steht und ihnen Hinweise gibt, was
sie noch besser machen können. So sollen sie vor Überforderung geschützt
werden. Viel zeigen müsse er ihnen nicht, sagt er, das sei eher die Sahne
auf dem Kuchen. „Das Pädagogische.“
Der 51-jährige Sportlehrer stammt aus Nord-Mazedonien, hat mehrere
Studienabschlüsse, darunter einen in Sportpsychologie, und hat lange als
hauptberuflicher Vereinstrainer in Niedersachsen gearbeitet. In der HSG
engagiert er sich seit einem Jahr, im Gegenzug übernimmt der Verein die
Kosten für die Verlängerung seiner Trainerlizenz.
In der Halle dabei ist heute auch Hannas Mutter, Simone Dunker. Sie trägt
die rote Trainingsjacke mit dem Vereinslogo und hat eine der wichtigsten
Funktionen in der HSG: Seit zwei Jahren ist die 57-Jährige deren
Freiwilligenmanagerin. Im Ehrenamt, wobei sie zusätzlich im TSV Borstel
einen vom Land Niedersachsen geförderten Minijob für dieselbe Aufgabe inne
hat, dort aber alle Sparten betreut, nicht nur den Handball.
Vor der Geburt von Hanna und deren Zwillingsbruder hat die gelernte
Hotelfachfrau als Personalberaterin gearbeitet, seitdem engagiere sie sich
dort, „wo die Kinder sind“. Auch den Elternverein zur Kinderbetreuung habe
sie damals mitgegründet. „Wenn man mich fragt, ob ich helfen kann, geht’s
los.“ Gefragt hat sie, wer sonst, Juri Wolkow.
## Motiv sich zu engagieren: Spaß
[10][Studien zur Motivation] von Ehrenamtlichen identifizieren
unterschiedliche Faktoren, die zum Engagement führen. Bei den
Trainer:innen und Übungsleiter:innen steht laut
Sportentwicklungsbericht der Spaß an erster Stelle, bei den
Funktionsträger:innen die persönliche Überzeugung, etwas für die
Gemeinschaft zu tun. Bei Simone Dunker kommt beides zusammen. Sie hat Spaß
an dem, was sie wichtig findet. „Ich rede einfach gerne mit Menschen,
netzwerken ist mein Ding.“ Juri Wolkow grinst. „Sie kommt ja auch aus dem
Pott, die können das besser als wir Norddeutschen.“
Dabei ist er alles andere als ein schweigsamer Zeitgenosse. Der Unterschied
zwischen den beiden, daraus machen sie keinen Hehl: Simone Dunker redet
nicht nur, sondern hört mindestens genauso viel zu, sucht nach Lösungen,
vermittelt. „Sie ist das Herz des Vereins“, sagt Juri Wolkow, „sie weiß,
wie man die Leute mitnimmt.“ Das gelinge ihm oft nicht. Wenn er von etwas
überzeugt ist, wolle er dies umsetzen. „Manchen geht es zu schnell“, sagt
er, „es sind auch Leute deswegen gegangen“.
Allerdings ist Juri Wolkow nicht nur Angreifer, sondern auch Teamplayer.
Wie Simone Dunker hat er einen zentralen Gedanken beim
Freiwilligenmanagement verinnerlicht: Beide holen die Leute bei dem ab,
worauf sie Lust haben. An diesem Freitag ist zum Beispiel Jakob dabei, ein
16-jähriger Torwart, der ausschließlich Torwarttraining macht. „Dafür
brennt er, das ist seine Leidenschaft“, sagt Juri Wolkow.
Nach dem Training zeigt Simone Dunker auf einen Mann, der durch die Halle
läuft. „Das ist Eugen, Juris Cousin, der fotografiert gerne und macht das
jetzt auch für uns.“ Und wenn sie weiß, dass jemand in der Buchhaltung
arbeitet, fragt sie, ob sich die Person vorstellen könne, das im Verein zu
übernehmen. Juri Wolkow glaubt, dass das Konzept aufgeht. „Früher waren die
Eltern in der Nehmerrolle“, sagt er, „die haben die Kinder abgegeben und
sind wieder gegangen“. Jetzt würden sie sich mehr engagieren – auch, weil
sie sich von Simone Dunker gesehen fühlen.
## Auch die Trikots muss jemand waschen
Aufgaben im Verein gebe es jede Menge, sagt die, auch in dem, was sie
„kleines Ehrenamt“ nennt. Trikots waschen, Würstchen verkaufen, während der
Turniere Toiletten reinigen, Fahrdienste bei Auswärtsspielen, bei den
Spielen über die Zeit wachen. Die Tür würden ihr die Leute nicht einrennen,
sagt die Freiwilligenmanangerin. Aber es kämen immer auch welche auf sie
zu, die fragen, was sie tun können, gerade neulich ein junger Mann aus der
Inklusionsmannschaft.
128 Personen, demnächst 130, stehen in ihrer Talentdatenbank, die sie
ansprechen kann, 15 bis 20 von ihnen haben feste Positionen. Letzteres
betrifft die Vereinsverwaltung, aber auch die Organisation des Trainings-
und Spielbetriebs sowie die Wartung der Anlagen. Weil diese Aufgaben
zeitaufwendig sind, haben sie einige von ihnen aufgeteilt. So besteht der
Sportwart in der HSG aus vier Personen: Eine ist zuständig für die
Spielplanung, die anderen für Hallenbuchung, Schiedsrichtereinsatz und eine
für die Pässe, die alle Spieler:innen brauchen.
Das sei weniger abschreckend als das ganze Paket übernehmen zu müssen, sagt
Simone Dunker. „Ein bis zwei Stunden in der Woche hat jeder mal Zeit.“
Tatsächlich ist fehlende Zeit mit 37 Prozent knapp vor Gesundheitsproblemen
der häufigste Grund, den Menschen für die Beendigung ihren Engagements im
organisierten Sport anführten, wie die Landessportbund-Studie ergab.
Die HSG musste sich diese und andere Lösungsideen nicht selbst ausdenken.
Die Dachverbände veröffentlichen die wichtigsten Erkenntnisse aus der
Sport- und Ehrenamtsforschung, geben Tipps und bieten Lehrgänge an.
## Qualifikation: Freiwilligenmanagerin
So hat Simone Dunker eine Qualifizierungsmaßnahme des Landessportbunds
Niedersachsen zur Freiwilligenmanagerin absolviert, die es seit 2015 gibt.
Seitdem hätten 500 Personen den Basiskurs besucht, 200 weitere den zur
Vertiefung, sagt der Referent Dwain Schwarzer. Die meisten kämen aus
mittelgroßen Vereinen mit 500 bis 1.000 Mitgliedern. Die größeren – das
sind in Niedersachsen nur fünf Prozent – würden mehr Hauptamtliche
beschäftigen und hätten professionellere Strukturen. Und den kleineren sei
es wahrscheinlich zu viel Arbeit.
An der Stelle beißt sich die Katze in den Schwanz. In Vereinen, die sich
nicht gezielt um Ehrenamtliche bemühen, müssen die Verbliebenen immer mehr
Aufgaben schultern. Liegen bleibt, was nicht unmittelbar mit dem Sport zu
tun hat, auch das lässt sich aus dem Sportentwicklungsbericht ablesen.
[11][Kinderschutz zum Beispiel.]
„Es braucht jemanden im Verein, der sich kümmert“, sagt die
Sportwissenschaftlerin Svenja Feiler. Zum Beispiel um die Aus- und
Weiterbildung der Vereinsmitarbeiter:innen. Das wirke sich positiv auf das
Engagement aus. Die Forschung würde zeigen, dass qualifizierte
Ehrenamtliche zufriedener seien und damit die Bereitschaft steige, sich zu
engagieren und dem Verein treu zu bleiben.
Und aus einer Person, die sich kümmert, das beweist die HSG Verden-Aller,
können viele werden. So sind Juri Wolkow, Simone Dunker, Clara und Hanna
und all die anderen 130 Talente in Simone Dunkers Datenbank vielleicht
nicht nur ein Vorbild für andere Sportvereine.
14 Mar 2026
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