# taz.de -- Ehrenamt in Sportvereinen: Am Ball bleiben
       
       > Während die Mitgliederzahlen von Sportvereinen wachsen, geht
       > ehrenamtliches Engagement zurück. Die HSG Verden-Aller hat gleich mehrere
       > Lösungen parat.
       
 (IMG) Bild: Mitten drin: Trainerin Clara beim Handballtraining
       
       In einer Sporthalle rennen 17 Kinder quer durcheinander, von einer kurzen
       Seite der Halle zur anderen. Sie spielen ein Aufwärmspiel, bei dem ein Ball
       auf einer von zwei dicken blauen Matten abgelegt werden muss. An diesem
       Freitagnachmittag Ende Februar trainieren drei E-Jugendmannschaften der HSG
       Verden-Aller. Das HSG steht für „Handball-Spielgemeinschaft“. Darin
       zusammengeschlossen haben sich die Handballsparten von drei Sportvereinen
       der Kleinstadt Verden, 40 Kilometer südöstlich von Bremen gelegen.
       
       Das Quietschen von Schuhsohlen hallt durch den hohen Raum, manch Kinderkopf
       glüht rot vor Anstrengung. Am Spielfeldrand stehen die Trainerinnen: Clara
       und Hanna, 15 und 16 Jahre alt. Beide tragen das Vereinstrikot, goldene
       Creolen im Ohr, die Haare in Zöpfen straff aus dem Gesicht geflochten.
       Konzentriert beobachten sie das Geschehen. „Macht keine Glückspässe“, ruft
       Clara, und noch eine Korrektur. Sie hält kurz inne. „Aber gut gesehen!“
       
       Menschen wie Clara und Hanna, die sich etwa als Trainer:innen
       ehrenamtlich in einem Sportverein engagieren, [1][werden dringend gesucht].
       Denn die Mitgliederzahlen im nicht-kommerziellen Sport steigen und lagen im
       vergangenen Jahr mit 29,3 Millionen so hoch wie nie zuvor. Mehr als ein
       Drittel aller Einwohner:innen Deutschlands ist damit Mitglied in einem
       Sportverein; zahlt wenig Geld dafür, [2][etwas für die Gesundheit zu tun]
       und Gemeinschaft zu erleben.
       
       Das ist gerade in diesen Zeiten eine gute Nachricht, weil sich in
       Sportvereinen Menschen unterschiedlichen Alters treffen, unterschiedlicher
       Bildungsgrade, politischer Überzeugungen und Nationalitäten. Wobei der
       Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund niedriger ist als in der
       Gesamtbevölkerung und das Engagement vieler Vereine für behinderte
       Menschen, Alte, Arme, Geflüchtete, Frauen und Mädchen ausbaufähig ist, wie
       der [3][jüngste Sportentwicklungsbericht] im Auftrag des Bundesinstituts
       für Sportwissenschaft zeigt.
       
       Dennoch: Wenn es um die Frage geht, was in Deutschland am meisten zum
       Zusammenhalt beiträgt, stehen Sportvereine an erster Stelle. Zu diesem
       Ergebnis kam im vergangenen Jahr eine [4][repräsentative Umfrage] im
       Auftrag der öffentlich-rechtlichen Medien.
       
       ## Immer weniger Freiwillige
       
       Doch dem wachsenden Interesse an Sport im Verein steht eine gegenläufige
       Entwicklung gegenüber: Die Zahl von [5][Menschen, die ein Ehrenamt]
       ausüben, geht insgesamt zurück – auch im Sport, wo anteilig mit Abstand die
       meisten Freiwilligen tätig sind. Das zeigt der aktuelle
       [6][Freiwilligen-Survey] der Bundesregierung.
       
       Laut Sportentwicklungsbericht werden am dringendsten gesucht:
       Funktionsträger:innen, die den Verein managen. Aber auch Schieds- und
       Kampfrichter:innen werden knapp sowie Trainer:innen für bestimmte
       Sportarten beziehungsweise Übungsleiter:innen im Breitensport. 80
       Prozent von ihnen sind ehrenamtlich tätig, nur vier Prozent hauptamtlich.
       
       Manche Vereine geben deshalb auf oder schließen sich mit anderen zusammen,
       so dass die Wege für die Vereinsmitglieder weiter werden. Je ländlicher
       gelegen, desto größer das Problem. Seit 2014 sinkt die Gesamtzahl der im
       Deutschen Olympischen Sportbund organisierten Vereine kontinuierlich, zeigt
       dessen [7][Bestandserhebung]: 2014 wurden 90.802 Mitgliedsvereine gezählt,
       2025 nur noch 85.916.
       
       Die fehlenden Freiwilligen sind nicht der einzige Grund fürs Aufgeben, aber
       der häufigste. „Mehr als jeder sechste Verein sieht sich mittlerweile in
       seiner Existenz bedroht, weil er Probleme damit hat, ehrenamtlich
       Engagierte zu finden und im Verein zu halten“, heißt es im
       Sportentwicklungsbericht, für den vor zweieinhalb Jahren knapp 20.000
       Vereine befragt wurden.
       
       ## Zu wenig Zeit fürs Ehrenamt
       
       Damit setze sich ein seit 20 Jahren beobachteter Trend fort, der sich seit
       2020 verschärft habe, sagt Svenja Feiler, eine der Autor:innen des
       Berichts und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Deutschen
       Sporthochschule in Köln. Die Gründe sind vielfältig, haben viel mit
       fehlender Zeit zu tun. Zudem ist der bürokratische Aufwand gewachsen, das
       schreckt Neue ab. Aber es gibt auch Stellschrauben, an denen die Vereine
       selbst drehen können – anstatt nur zu klagen.
       
       Der Vorstand der HSG Verden-Aller arbeitet seit 2020 strategisch gegen das
       Problem an. 2024 verabschiedete er ein Gesamtkonzept zum
       Freiwilligenmanagement für alle Phasen des Engagements. Für seine besondere
       Ehrenamtsfreundlichkeit bekam der TSV Borstel, einer der drei
       Mitgliedsvereine der HSG, vom Landessportbund Niedersachsen die
       Goldmedaille verliehen, als einem von bislang 41 Vereinen. Etwa 110 weitere
       wurden mit Silber und Bronze [8][ausgezeichnet]. Insgesamt gibt es im
       Bundesland 9.000 Sportvereine.
       
       Voraussetzung für die Auszeichnung ist die schriftliche Definition von
       Schritten zur Gewinnung, Einarbeitung, Begleitung, Aus- und Weiterbildung
       von Freiwilligen sowie, ganz wichtig, die fortlaufende und öffentlich
       sichtbare Anerkennung des Geleisteten auf Festen und im Internet, formal
       festgehalten in der „Ehrungsordnung“. Von besonderer Bedeutung ist Paragraf
       7: „Engagierte, die den Verein nach mehr als einem Jahr verlassen, erhalten
       eine Urkunde und eine Anerkennung für ihr geleistetes Engagement.“
       
       Eine wertschätzende Verabschiedung, die die Chance erhöht, dass jemand
       zurückkehrt, ist nicht selbstverständlich. In vielen Vereinen hagle es
       Vorwürfe, den Verein im Stich zu lassen, heißt es in einer vom Land
       Niedersachen geförderten [9][Studie] zu ehrenamtlichen Engagement im
       Auftrag des Landessportbunds Niedersachsen.
       
       ## Transparenter Umgang mit Aufwandsentschädigung
       
       Auch nicht selbstverständlich: Eine Willkommensmappe, wie sie in der HSG
       neue Ehrenamtliche bekommen, mit Telefonnummern aller
       Ansprechpartner:innen sowie eine Aufgabenbeschreibung. Geregelt ist
       zudem die finanzielle Anerkennung, je nach Qualifikation und Aufwand. Clara
       und Hanna erhalten fürs Trainieren und Betreuen der Mannschaften jeweils
       100 Euro Aufwandsentschädigung im Monat. Sie freue sich darüber, sagt
       Hanna, das Trainieren mache mehr Spaß als viele andere Schülerjobs. Aber
       das Geld sei für sie nicht ausschlaggebend.
       
       Das gilt nicht für alle. Dwain Schwarzer, Referent beim Landessportbund
       Niedersachsen für Vereinsentwicklung, bestätigt, dass der transparente
       Umgang mit Aufwandsentschädigungen nicht flächendeckend geregelt sei. Das
       sei aber notwendig, um bislang unterrepräsentierte Gruppen wie Menschen mit
       jüngerer Zuwanderungsgeschichte für die Vereinsarbeit zu gewinnen: „Wer arm
       ist, kann sich Ehrenamt nicht leisten.“
       
       Hinter dem Konzept bei der HSG steckt harte Arbeit. Ehrenamtliche Arbeit.
       Niemand weiß das besser als Juri Wolkow. Der 38-Jährige hat in der HSG mit
       elf Jahren mit Handball angefangen, vier Jahre zuvor war er mit seiner
       Familie aus Kasachstan übergesiedelt. Seinem damaligen Trainer ist er heute
       noch dankbar, dass der ihn unter die Fittiche nahm. Später übernahm er
       selbst Aufgaben im Verein. „Ich wollte etwas zurück geben.“ Sein Horizont
       habe sich erweitert, seine Persönlichkeit entwickelt. Er ist überzeugt,
       dass ihn die Gemeinschaft und der Erfolg als Sportler nachhaltig
       beeinflusst haben, ihm das nötige Selbstvertrauen gaben, um zum Beispiel
       sein Fachabitur zu machen.
       
       2013 legte er eine kurze Pause ein, weil er seine Ausbildung bei der
       Bundespolizei in Düsseldorf absolvierte und die Pendelei zu den Spielen zu
       viel wurde. Kaum war er 2014 zurück, übernahm er den Förderverein und
       begann mit Unterstützung des Vorstands den Verein zu modernisieren, dazu
       gehört die konsequente Digitalisierung.
       
       ## Beziehungen gingen zu Bruch
       
       Innerhalb von drei Jahren verdoppelte sich die Mitgliederzahl und damit
       auch die Arbeit. Juri Wolkow gab alles, auch als Angreifer auf dem
       Spielfeld, wie Spielberichte in der Lokalzeitung erkennen lassen. Mehrere
       Beziehungen seien zerbrochen, sagt er, weil er so viel Zeit im Verein
       verbrachte, auch mal Nächte durchmachte, wenn zum Beispiel noch Dauerkarten
       für die Fördervereinsmitglieder laminiert werden mussten.
       
       Heute hat die HSG um die 550 Mitglieder und Juri Wolkow ist unter anderem
       deren Jugendwart. Wegen des Pressebesuchs schaut er kurz beim Training
       vorbei, mitgebracht hat er seine zweijährige Tochter. Mit seiner Frau hat
       er den Deal, dass er eine statt drei Mannschaften trainiert und am
       Wochenende an nur einem Spiel teilnimmt, als Spieler oder als
       Jugendtrainer.
       
       So hat er auch Clara und Hanna entdeckt, sie haben bei ihm vor fünf Jahren
       mit Handball angefangen. Seit zwei Jahren trainieren sie selbst Jüngere,
       motiviert von Juri Wolkow. „Ich gucke, wer Verantwortung im Spiel
       übernimmt, solche Persönlichkeiten können meistens gut trainieren.“
       
       15 Jugendtrainer:innen beschäftigt die HSG derzeit. Das Training am
       Freitag machen sie eigentlich zu fünft. Aber heute haben die
       weiterführenden Schulen zu Besichtigungen eingeladen. Daher fehlt die
       Hälfte der Kinder, nur die Zehn- und Elfjährigen sind da und Clara und
       Hanna schaffen es alleine. Die gezielte Förderung der Jugendlichen gehöre
       ebenfalls zum Konzept, sagt Juri Wolkow. Der Verein schickt sie auf
       Lehrgänge, beteiligt sie an Entscheidungen und am Social-Media-Auftritt.
       „Wir bauen unseren Trainer-Nachwuchs selbst auf.“
       
       ## Förderung von Jugendlichen zahlt sich aus
       
       Das unterscheidet sie von vielen anderen Vereinen. Nur 2,8 Prozent aller
       Trainier:innen und Übungsleiter:innen waren im Jahr 2018
       minderjährig, heißt es in einer Auswertung eines Sportentwicklungsberichts
       zum Trainingspersonal. Der Altersdurchschnitt lag zu dem Zeitpunkt bei 45
       Jahren.
       
       Dabei zeige die Forschung, dass sich die Förderung von Jugendlichen im
       Sportverein doppelt auszahlt, sagt Svenja Feiler von der Sporthochschule in
       Köln. Zum einen würden sie demokratische Prozesse kennenlernen. Zum anderen
       wachse die Bereitschaft, als Erwachsene feste Ämter ehrenamtlich zu
       übernehmen. „Beides dient dem Gemeinwohl.“
       
       Clara und Hanna sieht man an, wie sehr sie das Training erfüllt, auch wenn
       sie später beruflich nicht mit Kindern arbeiten wollen. Am anstrengendsten
       sei, sich Respekt zu verschaffen, sagt Clara. Toll sei es, die Fortschritte
       zu sehen, Hanna pflichtet ihr bei. Die beiden verbringen fast ihre ganze
       Freizeit in Sporthallen. Kennengelernt haben sie sich über das
       Handballtraining. „Seitdem sind wir so“, sagt Hanna und hält eine Hand mit
       verschränktem Zeige- und Mittelfinger hoch.
       
       Beide sagen, sie hätten im Verein an Selbstbewusstsein gewonnen, ihre
       Stärken kennengelernt. Hanna, die über sich sagt, sie habe früher den Mund
       vor Schüchternheit kaum aufbekommen, kündigt mit lauter Stimme die jeweils
       nächste Trainingseinheit an. Heute üben sie Passwurf, Angriff,
       Verteidigung. Zum Schluss gibt es ein kurzes Spiel auf zwei Tore, um das
       Gelernte anzuwenden. Hanna pfeift immer wieder ab, um den Kindern zu
       zeigen, auf welcher Position sie sich befinden.
       
       ## Ein Trainer für die jugendlichen Trainer:innen
       
       „Freeze“, einfrieren, heiße die Methode, erklärt Dimche Atanasov, der den
       Jugendlichen als Co-Trainer zur Seite steht und ihnen Hinweise gibt, was
       sie noch besser machen können. So sollen sie vor Überforderung geschützt
       werden. Viel zeigen müsse er ihnen nicht, sagt er, das sei eher die Sahne
       auf dem Kuchen. „Das Pädagogische.“
       
       Der 51-jährige Sportlehrer stammt aus Nord-Mazedonien, hat mehrere
       Studienabschlüsse, darunter einen in Sportpsychologie, und hat lange als
       hauptberuflicher Vereinstrainer in Niedersachsen gearbeitet. In der HSG
       engagiert er sich seit einem Jahr, im Gegenzug übernimmt der Verein die
       Kosten für die Verlängerung seiner Trainerlizenz.
       
       In der Halle dabei ist heute auch Hannas Mutter, Simone Dunker. Sie trägt
       die rote Trainingsjacke mit dem Vereinslogo und hat eine der wichtigsten
       Funktionen in der HSG: Seit zwei Jahren ist die 57-Jährige deren
       Freiwilligenmanagerin. Im Ehrenamt, wobei sie zusätzlich im TSV Borstel
       einen vom Land Niedersachsen geförderten Minijob für dieselbe Aufgabe inne
       hat, dort aber alle Sparten betreut, nicht nur den Handball.
       
       Vor der Geburt von Hanna und deren Zwillingsbruder hat die gelernte
       Hotelfachfrau als Personalberaterin gearbeitet, seitdem engagiere sie sich
       dort, „wo die Kinder sind“. Auch den Elternverein zur Kinderbetreuung habe
       sie damals mitgegründet. „Wenn man mich fragt, ob ich helfen kann, geht’s
       los.“ Gefragt hat sie, wer sonst, Juri Wolkow.
       
       ## Motiv sich zu engagieren: Spaß
       
       [10][Studien zur Motivation] von Ehrenamtlichen identifizieren
       unterschiedliche Faktoren, die zum Engagement führen. Bei den
       Trainer:innen und Übungsleiter:innen steht laut
       Sportentwicklungsbericht der Spaß an erster Stelle, bei den
       Funktionsträger:innen die persönliche Überzeugung, etwas für die
       Gemeinschaft zu tun. Bei Simone Dunker kommt beides zusammen. Sie hat Spaß
       an dem, was sie wichtig findet. „Ich rede einfach gerne mit Menschen,
       netzwerken ist mein Ding.“ Juri Wolkow grinst. „Sie kommt ja auch aus dem
       Pott, die können das besser als wir Norddeutschen.“
       
       Dabei ist er alles andere als ein schweigsamer Zeitgenosse. Der Unterschied
       zwischen den beiden, daraus machen sie keinen Hehl: Simone Dunker redet
       nicht nur, sondern hört mindestens genauso viel zu, sucht nach Lösungen,
       vermittelt. „Sie ist das Herz des Vereins“, sagt Juri Wolkow, „sie weiß,
       wie man die Leute mitnimmt.“ Das gelinge ihm oft nicht. Wenn er von etwas
       überzeugt ist, wolle er dies umsetzen. „Manchen geht es zu schnell“, sagt
       er, „es sind auch Leute deswegen gegangen“.
       
       Allerdings ist Juri Wolkow nicht nur Angreifer, sondern auch Teamplayer.
       Wie Simone Dunker hat er einen zentralen Gedanken beim
       Freiwilligenmanagement verinnerlicht: Beide holen die Leute bei dem ab,
       worauf sie Lust haben. An diesem Freitag ist zum Beispiel Jakob dabei, ein
       16-jähriger Torwart, der ausschließlich Torwarttraining macht. „Dafür
       brennt er, das ist seine Leidenschaft“, sagt Juri Wolkow.
       
       Nach dem Training zeigt Simone Dunker auf einen Mann, der durch die Halle
       läuft. „Das ist Eugen, Juris Cousin, der fotografiert gerne und macht das
       jetzt auch für uns.“ Und wenn sie weiß, dass jemand in der Buchhaltung
       arbeitet, fragt sie, ob sich die Person vorstellen könne, das im Verein zu
       übernehmen. Juri Wolkow glaubt, dass das Konzept aufgeht. „Früher waren die
       Eltern in der Nehmerrolle“, sagt er, „die haben die Kinder abgegeben und
       sind wieder gegangen“. Jetzt würden sie sich mehr engagieren – auch, weil
       sie sich von Simone Dunker gesehen fühlen.
       
       ## Auch die Trikots muss jemand waschen
       
       Aufgaben im Verein gebe es jede Menge, sagt die, auch in dem, was sie
       „kleines Ehrenamt“ nennt. Trikots waschen, Würstchen verkaufen, während der
       Turniere Toiletten reinigen, Fahrdienste bei Auswärtsspielen, bei den
       Spielen über die Zeit wachen. Die Tür würden ihr die Leute nicht einrennen,
       sagt die Freiwilligenmanangerin. Aber es kämen immer auch welche auf sie
       zu, die fragen, was sie tun können, gerade neulich ein junger Mann aus der
       Inklusionsmannschaft.
       
       128 Personen, demnächst 130, stehen in ihrer Talentdatenbank, die sie
       ansprechen kann, 15 bis 20 von ihnen haben feste Positionen. Letzteres
       betrifft die Vereinsverwaltung, aber auch die Organisation des Trainings-
       und Spielbetriebs sowie die Wartung der Anlagen. Weil diese Aufgaben
       zeitaufwendig sind, haben sie einige von ihnen aufgeteilt. So besteht der
       Sportwart in der HSG aus vier Personen: Eine ist zuständig für die
       Spielplanung, die anderen für Hallenbuchung, Schiedsrichtereinsatz und eine
       für die Pässe, die alle Spieler:innen brauchen.
       
       Das sei weniger abschreckend als das ganze Paket übernehmen zu müssen, sagt
       Simone Dunker. „Ein bis zwei Stunden in der Woche hat jeder mal Zeit.“
       Tatsächlich ist fehlende Zeit mit 37 Prozent knapp vor Gesundheitsproblemen
       der häufigste Grund, den Menschen für die Beendigung ihren Engagements im
       organisierten Sport anführten, wie die Landessportbund-Studie ergab.
       
       Die HSG musste sich diese und andere Lösungsideen nicht selbst ausdenken.
       Die Dachverbände veröffentlichen die wichtigsten Erkenntnisse aus der
       Sport- und Ehrenamtsforschung, geben Tipps und bieten Lehrgänge an.
       
       ## Qualifikation: Freiwilligenmanagerin
       
       So hat Simone Dunker eine Qualifizierungsmaßnahme des Landessportbunds
       Niedersachsen zur Freiwilligenmanagerin absolviert, die es seit 2015 gibt.
       Seitdem hätten 500 Personen den Basiskurs besucht, 200 weitere den zur
       Vertiefung, sagt der Referent Dwain Schwarzer. Die meisten kämen aus
       mittelgroßen Vereinen mit 500 bis 1.000 Mitgliedern. Die größeren – das
       sind in Niedersachsen nur fünf Prozent – würden mehr Hauptamtliche
       beschäftigen und hätten professionellere Strukturen. Und den kleineren sei
       es wahrscheinlich zu viel Arbeit.
       
       An der Stelle beißt sich die Katze in den Schwanz. In Vereinen, die sich
       nicht gezielt um Ehrenamtliche bemühen, müssen die Verbliebenen immer mehr
       Aufgaben schultern. Liegen bleibt, was nicht unmittelbar mit dem Sport zu
       tun hat, auch das lässt sich aus dem Sportentwicklungsbericht ablesen.
       [11][Kinderschutz zum Beispiel.]
       
       „Es braucht jemanden im Verein, der sich kümmert“, sagt die
       Sportwissenschaftlerin Svenja Feiler. Zum Beispiel um die Aus- und
       Weiterbildung der Vereinsmitarbeiter:innen. Das wirke sich positiv auf das
       Engagement aus. Die Forschung würde zeigen, dass qualifizierte
       Ehrenamtliche zufriedener seien und damit die Bereitschaft steige, sich zu
       engagieren und dem Verein treu zu bleiben.
       
       Und aus einer Person, die sich kümmert, das beweist die HSG Verden-Aller,
       können viele werden. So sind Juri Wolkow, Simone Dunker, Clara und Hanna
       und all die anderen 130 Talente in Simone Dunkers Datenbank vielleicht
       nicht nur ein Vorbild für andere Sportvereine.
       
       14 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Engagement-in-Vereinen/!6079197
 (DIR) [2] /Sportpaedagogin-ueber-Sportunterricht/!6074639
 (DIR) [3] https://cdn.dosb.de/Relaunch_2024/Ehrenamt/Downloads/SEB-Bundesbericht-2023-2025-web.pdf
 (DIR) [4] https://www.ard-zdf-deutschlandradio-zusammenhaltsstudie.de/
 (DIR) [5] /Freiwilliges-Engagement/!6129787
 (DIR) [6] https://www.bundesregierung.de/breg-de/bundesregierung/bundeskanzleramt/startseite-staatsministerin-fuer-sport-und-ehrenamt/bericht-zur-lage-von-engagement-und-ehrenamt-veroeffentlicht-2393064
 (DIR) [7] https://cdn.dosb.de/user_upload/www.dosb.de/uber_uns/Bestandserhebung/Bestandserhebung_2025.pdf
 (DIR) [8] https://vereinshelden.org/
 (DIR) [9] https://www.lsb-niedersachsen.de/fileadmin/daten/dokumente/Sportentwicklung/251015_EngagementSportNiedersachsen_involas.pdf
 (DIR) [10] https://www.tandfonline.com/doi/epdf/10.1080/14413523.2025.2553370?needAccess=true
 (DIR) [11] /Bundesweites-Trainerregister/!6115493
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Eiken Bruhn
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Vereinssport
 (DIR) Schwerpunkt Stadtland
 (DIR) Ehrenamt
 (DIR) Sportvereine
 (DIR) Handball
 (DIR) Longread
 (DIR) GNS
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Lesestück Recherche und Reportage
 (DIR) Ehrenamt
 (DIR) Ehrenamt
 (DIR) Sportvereine
 (DIR) Sport
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Vorurteile im Ehrenamt: „Häufig fehlt das Bewusstsein für die eigenen Privilegien“
       
       Um Machtverhältnisse abzubauen, müssen wir uns kritisch mit unseren
       Vorurteilen auseinandersetzen. Mit dem „Anti-Bias-Ansatz“ hilft Rita
       Panesar dabei.
       
 (DIR) Freiwilliges Engagement: Weniger Ehrenamtliche arbeiten mehr für umsonst
       
       Am Freitag stellte die Bundesregierung ihren aktuellen Ehrenamt-Bericht
       vor. Knapp ein Drittel engagiert sich freiwillig, etwas weniger als 2019.
       
 (DIR) Engagement in Vereinen: Was passiert, wenn keiner richtig mitmachen will
       
       Für Vereine ist es bedrohlich, wenn niemand mehr verbindlich sein will. Das
       ist fatal, denn sie sind so etwas wie eine kleine Demokratie.
       
 (DIR) Sportpädagogin über Sportunterricht: „Jede Stunde Zombieball ist nicht das Richtige“
       
       Ina Hunger leitet an der Bremer Uni den Wiederaufbau der Sportpädagogik:
       Studierende lernen dort, warum Leistungsorientierung mehr schadet als
       nützt.