# taz.de -- Baubeginn der A20 in Niedersachsen: Unnötig, klimaschädlich und eine Investition am falschen Ort
> Mit dem Neubauprojekt A20 versündigt sich der Bund an der Natur und am
> Klima, dabei kommt er nicht mal mit der Rettung wichtiger Brücken
> hinterher.
(IMG) Bild: Fette Karre, aber immerhin elektrisch: Demonstranten stehen Spalier, als Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) anrollt
Als Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) zum ersten Spatenstich
für die A20 bei Wiefelstede anrollte, musste er durch ein Spalier von
Autobahngegnern fahren. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD)
war auch da und natürlich Landesverkehrsminister Grant Hendrik Tonne (SPD).
Sie alle wollten sich mit dem Baustart für den niedersächsischen Teil der
sogenannten Küstenautobahn schmücken. Es war, als hätten sie den Schuss
nicht gehört.
[1][Die A20] soll einmal von der polnischen Grenze kommend über Lübeck in
einem großen Bogen westlich um Hamburg herum nach Bremerhaven und weiter
nach Westerstede zur A28 führen. Sie soll Schleswig-Holstein mit
Niedersachsen und das Baltikum mit den Niederlanden verbinden, die
deutschen Seehäfen besser erschließen und die Verteidigungsbereitschaft
erhöhen. Das hört sich gut an, ist aber Ausdruck falscher Prioritäten. Denn
diese Autobahn ist unnötig, schädlich und eine Investition am falschen Ort.
Der [2][Bundesrechnungshof hat vor gut einem Jahr gewarnt], der Bund
überschätze das Leistungsvermögen seiner Autobahngesellschaft. Sie habe
sich schon mehr Projekte vorgenommen, als sie stemmen könne. Insbesondere
werde sie das vom Bundesverkehrsministerium ausgegebene Ziel verfehlen, bis
2032 die wichtigsten Autobahnbrücken zu sanieren. Das hätte gravierende
Folgen. „Weiterer Verfall und Brückensperrungen sind vorprogrammiert“,
schrieb der Rechnungshof.
Dazu kommt ein [3][Gutachten, welches das Bundesumweltministerium zur Zeit
der Ampelregierung in Auftrag gegeben hat], und für die A20 bestenfalls ein
Kosten-Nutzen-Verhältnis von eins ausweist. Das heißt, ihr Bau würde sich
gerade einmal so lohnen.
## Autobahn durchpflügt Moorböden
Das allerdings zum Preis großer Umweltschäden, denn die Autobahn
durchpflügt über weite Strecken Kohlenstoff speichernde Moorböden. Sie
versiegelt Flächen und zerstört Lebensräume; sie durchschneidet die
Landschaft, unterbricht Biotopverbindungen –und sie erzeugt Verkehr.
Man fragt sich, was die ganzen Bekenntnisse zur nachhaltigen Entwicklung
und zum Klimaschutz sollen, was die Klage über den Verlust an biologischer
Vielfalt, das Erschrecken über die schwindende Zahl an Insekten – wenn
weitergebaut wird, als gäbe es kein Morgen. Und wer will den Brasilianern
erklären, sie sollten sich vom Regenwald fernhalten, wenn in Deutschland
trotz beispielloser Autobahndichte weiterbetoniert wird?
## Geostrategischem Rattenrennen ausgesetzt
Klar: Der Umwelt- und Naturschutz hat gerade einen schweren Stand.
Schließlich sieht sich Europa plötzlich einer Art geostrategischem
Rattenrennen ausgesetzt, bei dem derjenige, der zu langsam ist, einfach
gefressen wird. Aber es gilt, den Rahmen darüber hinaus aufzuziehen.
Die natürlichen Lebensgrundlagen stehen auch hierzulande von vielen Seiten
unter Druck. Dass [4][Kipppunkte] erreicht werden, ist nicht
ausgeschlossen. Abgesehen vom intrinsischen und menschlich-emotionalen Wert
der Natur sowie von ethischen Implikationen würde das die politische
Stabilität gefährden. Auch der Wirtschaft und dem Militär wären damit der
Boden entzogen: Sie stünden ohne Ressourcen da und wären sinnlos.
## Nicht in den Herzen angekommen
All das ist bekannt und vielleicht in den Köpfen, aber offenbar nicht in
den Herzen angekommen. Anders ist es nicht zu erklären, dass im
Bundesverkehrswegeplan immer noch mehr Geld für die Bundesfernstraße als
für das umweltfreundlichere Eisenbahnnetz vorgesehen ist. Dabei wird ein
Teil der nötigen Mittel über das [5][Sondervermögen Infrastruktur und
Klimaneutralität] aufgebracht.
Ein Negativbeispiel gibt auch die niedersächsische SPD. Zum Baubeginn für
eine neue Autobahn kommen zwei Kabinettsmitglieder, während die
Landesregierung den Neubau einer Bahnstrecke zwischen Hamburg und Hannover
boykottiert.
3 Jun 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Klage-gegen-A20-Autobahnkreuz-abgewiesen/!6176705
(DIR) [2] /Falsche-Prioritaeten-beim-Strassenbau/!6109877
(DIR) [3] https://tu-dresden.de/bu/verkehr/ivs/voeko/die-professur/news/veroeffentlichung-studie-vom-bvwp-2030-zur-bundesverkehrswege-und-mobilitaetsplanung-bvmp
(DIR) [4] /Unwiderrufliche-Erderhitzung/!6153691
(DIR) [5] https://www.bundesfinanzministerium.de/Web/DE/Themen/Oeffentliche_Finanzen/SVIK/sondervermoegen-infrastruktur-klimaneutralitaet.html
## AUTOREN
(DIR) Gernot Knödler
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