# taz.de -- Demo gegen Uni-Kürzungen: „Für die Kriege habt ihr Geld, während die TU zerfällt“
       
       > Studierende mehrerer Hochschulen kritisieren die Schließung des maroden
       > TU-Hauptgebäudes in Berlin und sehen das dort fehlende Geld in Aufrüstung
       > fließen.
       
 (IMG) Bild: Demonstrierende wehren sich gegen Kürzungen an Unis und steigende Rüstungsausgaben
       
       Mit Bannern und Plakaten ziehen Studierende verschiedener Hochschulen am
       Hauptgebäude der Technischen Universität (TU) vorbei. Neben ihnen liegt der
       breite Vorplatz wie leer gefegt vor ihnen: Vor drei Wochen wurde das
       TU-Hauptgebäude abrupt wegen Baumängeln gesperrt – was für die Studierenden
       nicht hinnehmbar und ein Grund für die Demo an diesem frühen
       Dienstagnachmittag ist.
       
       Zum Protest aufgerufen hat die Gruppe Student Resistance, die sich als
       sozialistisch, antiimperialistisch und antipatriarchal versteht. „Es ist ja
       auch nicht das erste TU-Gebäude, das geschlossen wurde“, sagt Benno, ein
       Mitglied der Gruppe, der seinen echten Namen nicht nennen will, „weitere
       Gebäude werden wahrscheinlich folgen.“
       
       Anfangs ist der Steinplatz gegenüber der TU-Mensa, wo der Demozug startet,
       nur spärlich gefüllt. Einige Teilnehmer:innen breiten ein Banner aus:
       „Ihre Kriege ohne unsere Unis“ steht darauf. Unter diesem Motto steht die
       Demo.
       
       Benno von Student Restistance sagt: „Um diese Aufrüstung, die es gerade in
       Deutschland und auch viele anderen Länder gibt, finanzieren zu können, muss
       an anderen Stellen gestrichen werden.“ Das sehe man an den Unis, an der
       Bildung und in so gut wie jedem anderen Bereich.
       
       ## Steigende Verteidigungsausgaben
       
       Laut Haushaltsentwurf der Bundesregierung für das Jahr 2026 sollen
       Deutschlands Verteidigungsausgaben auf über 108 Milliarden Euro steigen.
       Das wäre ein neuer Höchststand seit Ende des Kalten Krieges und ein Anstieg
       von mehr als 20 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr. In Berlin
       wiederum ist die Landesregierung zwar für Wissenschaft und Bildung und
       damit auch für die TU zuständig. Verteidigungspolitik aber gehört nicht zu
       den Kompetenzen der Bundesländer.
       
       Benno erinnert dabei an eine Vereinbarung an der TU jenseits von
       Haushaltsposten. „Unsere Forderung ist die [1][Einhaltung der
       Zivilklausel]“, sagt er. Dahinter steht ein 35 Jahre alter Beschluss des
       Akademischen Senats der Universität, „keine rüstungsrelevante Forschung
       durchzuführen“. Demonstrierende halten der TU vor, dagegen mit dem
       sogenannten Dual Use zu verstoßen, mit Forschung, die sich sowohl zivil wie
       militärisch nutzen lässt. Das ist konkret bei dem [2][Projekt Modifiable
       Underwater Mothership (MUM)] von Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) der
       Fall, [3][an dem die TU sich beteiligt hat].
       
       Während also große Summen in die Aufrüstung fließen, würden andere
       gesellschaftliche Bereiche unter massivem finanziellen Druck stehen. Die TU
       müsse bis 2028 rund 70 Millionen Euro einsparen, heißt es bei der Demo.
       „Tatsächlich ist meine letzte Stelle in der Studiberatung gekürzt worden“,
       ist von Leo zu hören, die nur mit ihrem Vornamen in der taz genannt werden
       möchte. Als Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte seien sie und andere
       dauernd davon bedroht, dass ihre Stellen gekürzt würden.
       
       ## Bröckelnde Uni-Gebäude
       
       An der TU Berlin spitzt sich die Situation schon seit Monaten weiter zu:
       Wasserschäden, unzureichender Brandschutz, Schimmel und Asbest. „Mir ist
       schon sehr schnell aufgefallen, dass die Toiletten dreckig sind, dass es
       von der Decke tropft, dass es ein Wasserleck gab“, sagt ein Student, der
       seit zwei Jahren an der TU studiert.
       
       Nach Angaben der Universität beläuft sich der Sanierungsstau inzwischen auf
       rund 2,4 Milliarden Euro, was am 9. Mai 2026 nach Feststellung baulicher
       Mängel in der Schließung des TU-Hauptgebäudes gipfelte. „Mit der Schließung
       des Hauptgebäudes habe ich Vorlesungen, die nur noch online stattfinden“,
       so ein weiterer TU-Student.
       
       Betroffen sind seitdem sämtliche Lehr- und Arbeitsräume, sowie studentische
       Räume, wie das Café A. „Die TU ist eine der wenigen Unis, wo es so viele
       studentische Cafés gibt. Das sind die Orte, wo man zusammenkommt, sei es
       politisch oder unpolitisch, das macht wirklich die TU mit aus, deswegen
       haben wir überhaupt eine aktive Studierendenschaft“, meint Leo.
       
       Diese Räume seien auch eine Konsequenz aus der 68er-Bewegung, finden die
       Protestierenden – und nehmen Bezug auf Benno Ohnesorg, dessen Ermordung im
       Juni 1967 sich an diesem Dienstag jährt. Vor 59 Jahren war er, keine
       anderthalb Kilometer vom TU-Hauptgebäude entfernt, an der Deutschen Oper
       von einem Polizisten erschossen worden.
       
       ## Parallele zu Protesten von 1967
       
       Studierende hatten damals gegen den Besuch des Schahs Resa Pahlevi
       protestiert, der dort eine Opernaufführung besuchte. „Die sind für die
       gleichen Sachen auf die Straßen gegangen wie wir: gegen imperialistische
       Kriege.“ Dafür habe auch der damalige iranische Herrscher gestanden.
       
       So lautet auch eine Forderung der Demo: „Repressionen stoppen – Schutz für
       studentische Selbstverwaltung & politische Organisierung auf dem Campus“.
       Eine Person bei der Demo formuliert das konkret so: „Dass die Uni ein
       bisschen mehr Rückgrat zeigt und standfest ist. Dass sie der Politik und
       dem Senat gegenüber nicht die Haltung verliert, dass sie für ihre Werte
       einsteht.“
       
       2 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.tu.berlin/ueber-die-tu-berlin/organisation/rechtliches/richtlinien-leitlinien/zivilklausel
 (DIR) [2] https://mum-project.com/
 (DIR) [3] /Militaerische-Forschung-an-Unis/!6125526
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Luzie Fuhrmann
       
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