# taz.de -- Alternativen zur WM: Einigkeit mit milder Brise
       
       > Die Fußballdoku „Ein Sommer in Italien – WM 1990“ erzählt mit einiger
       > Nostalgie von Deutschlands drittem WM-Titel und zeigt: Nicht alles lief
       > perfekt.
       
 (IMG) Bild: Ganz so idyllisch ging es bei der WM 1990 nicht zu
       
       Sportdokus trenden nicht von ungefähr. Sie kommen gewichtig daher,
       versprechen Hintergrund, wo die einfache Berichterstattung und die profane
       Reportage vermeintlich nur Kulisse bieten. Tatsächlich erfährt man hier und
       da Neues, kann sich Kontexte erschließen, man denke nur an die sehr gute
       ZDF-Doku [1][„Zu Gast bei Freunden“ über Mesut Özil.] Das Konzept mit
       Talking Heads und bislang privatem Filmmaterial geht auch in der Doku „Ein
       Sommer in Italien – WM 1990“ auf, die in ausgewählten Kinos lief und jetzt
       über Sky gesendet wird.
       
       Italien 1990, was und wie war da noch mal? Deutschland im Jahr nach dem
       Mauerfall und im Sommer vor der offiziellen Wiedervereinigung. Ein
       märchenhafter Sommer, der erste freie für beide Teile des Landes, und eine
       Fußballauswahl, die nach zwei verlorenen WM-Endspielen die dritte Chance
       sucht.
       
       Es war eine besondere Mixtur, das zeigt sich in den leicht patinahaften
       Bildern von damals sofort. Der Sommer 1990 war auch das Ende von etwas, das
       Ende der alten Bundesrepublik, das Ende der achtziger Jahre, das Ende des
       Rumpelfußballs auf Weltniveau (auch wenn das DFB-Team 1996 noch ein Dacapo
       hinlegte mit dem EM-Titel und im Grunde bis zur Ära Löw noch bei demselben
       Rumpelfußball blieb, also bis zum Sommermärchen 2006).
       
       Auch die gute alte Italienliebe der Deutschen flammt hier vielleicht ein
       letztes Mal auf. Auch die heute fast altbacken wirkende, kumpelhafte
       Männlichkeit, die sich unter „Lichtgestalt“ Franz Beckenbauer ihre
       Freiheiten nehmen konnte. Es gibt sogar den Moment, der zu Tränen rührt,
       wenn Lothar Matthäus seine Männerfreundschaft mit Andy Brehme noch einmal
       Revue passieren lässt.
       
       ## Wortkarg und rumpelig
       
       Dass nicht alles Gold war, was noch einmal streicherunterlegt nostalgisch
       glänzt, Stichwort Rumpelfußball, zeigt sich in der gut getakteten Doku auch
       deutlich: die eher unattraktiven Spiele gegen Kolumbien oder die CSSR, das
       einseitige, aber nur durch ein Elfmetergeschenk entschiedene Finale; auch
       die recht bräsige Sportberichterstattung damals. „Super, jetzt haben wir
       gewonnen.“ Aber schön war’s doch.
       
       7 Jun 2026
       
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