# taz.de -- ZDF-Doku über Mesut Özil: Bundesrepublikanisches Versagen
       
       > In seiner 3-teiligen ZDF-Doku „Mesut Özil – zu Gast bei Freunden“ kommt
       > Florian Opitz dem Supertalent nicht wirklich nah. Trotzdem lohnt sich das
       > Anschauen.
       
 (IMG) Bild: Mesut Özil bei einem Spiel der Deutschen Fußball Nationalmannschaft 2018
       
       Özil privat. „These are the Adilettes for my guests.“ Ein Schuhregal
       präsentiert [1][Mesut Özil] in der Villa, in der er in London lebte. Es ist
       einer der wenigen Momente, in denen die dreiteilige ZDF-Dokumentation dem
       früheren Nationalkicker nahekommt. Doch diese Bilder sind dem Internet
       entnommen. So nah ist Filmemacher Florian Opitz dem Star, der mittlerweile
       in der Türkei lebt, nicht gekommen.
       
       Doch auch ohne Özil-Interview ist Opitz eine große Dokumentation gelungen,
       die viel über den Weltmeister von 2014 erzählt. Özil wurde 1988 in
       Gelsenkirchen geboren, und wenn er zu einem der großen Clubs wollte, hörte
       er, man habe sich für einen Jens oder Markus entschieden. „Ist das die
       Herkunft? Ist das der Name?“, empört sich Vater Mustafa Özil.
       
       Die Entscheidung, für den DFB zu spielen, traf sein Vater. 2010 erhielt er
       den Integrations-Bambi, und nach einem Spiel gegen die Türkei suchte ihn
       Angela Merkel für ein Foto in der Kabine auf.
       
       All das brachte ihm [2][in der türkischen Community Ablehnung] ein. Dass er
       bei Real Madrid zum Weltstar wurde, versöhnte ein wenig. [3][Volkan Ağar,
       Ex-taz-Kollege,] erinnert sich, wie er damals dachte: „Vielleicht ist Özil
       der Erste, der diese Anerkennung bekommt und der das dann auch für alle
       anderen etablieren kann in dieser Gesellschaft. Aber es kam anders.“
       
       ## Sportlich lief es gut, sehr gut
       
       2013 wechselte Özil zu Arsenal in die Premier League, und Cristiano Ronaldo
       tobte, weil sein genialer Vorlagengeber wegzog. Sportlich lief es gut, sehr
       gut. Der weltweite Zuspruch sorgte für Selbstvertrauen. Mesut Özil sagte
       sich vom Vater los. Später fand er in [4][Erkut Söğüt] einen Manager, der
       ihn als „Marke“ global rausbringen wollte, auch in Indonesien oder
       Malaysia. „Dass er Moslem ist, war Teil seiner Markenbildung.“
       
       Kurz vor der WM 2018 überreichte Özil dem türkischen Präsidenten Recep
       Tayyip Erdoğan ein Trikot. Söğüt stellt das als Zufall dar, doch das Foto
       löste einen Shitstorm aus, der von oben kam: Theaterintendant,
       Bundesligamanager, Springer-Chefredakteur. Der Rassismus wähnte sich durch
       Erdoğan legitimiert, analysiert die Spiegel-Journalistin Özlem Topçu.
       
       Özil trat wegen des Rassismus aus der Nationalmannschaft zurück. Es folgten
       immer weniger Einsätze bei Arsenal. Er wechselte in die Türkei, zuerst zu
       Fenerbahçe, dann zu Istanbul Başakşehir. Özil suchte immer mehr die Nähe zu
       Erdoğan und seiner AKP. Er ließ sich ein Symbol der rechtsextremen Grauen
       Wölfe tätowieren und nach dem 7. Oktober 2023 zeigte er auf Instagram eine
       Landkarte, auf der Israel durch Palästina ersetzt wurde. Ein Abstieg, nicht
       nur sportlich.
       
       Was im Film fehlt, sind die Freundinnen, dabei war Özil immer mit Frauen
       liiert, die öffentlich souveräner auftraten als er. Etwa Anna-Maria
       Ferchichi, die später Bushido heiratete, die Popsängerin [5][Mandy
       Capristo], und auch das Model [6][Amine Gülşe], das er 2019 heiratete.
       
       Opitz präsentiert in seiner Doku zu Recht die Causa Özil als
       bundesrepublikanisches Versagen. Da war ein Riesentalent, um das sich mit
       einer Mischung aus arroganter Ablehnung und tätschelnder Fürsorglichkeit
       gekümmert wurde. Da war ein junger Mann, der diese Anmaßungen lange ertrug,
       und als er das nicht mehr wollte, prompt bei anderen Autoritären gelandet
       ist – mittlerweile gehört er zum Vorstand der AKP.
       
       Was bleibt, sind viele Fragen, wer wann was falsch gemacht hat – nicht nur
       Özil und sein Umfeld, sondern auch diese Gesellschaft, die
       Integrationsorden verschenkte, aber selbst exkludierte. Der Film hilft beim
       Fragen.
       
       19 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
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