# taz.de -- Iraner Bundessieger im Handwerk: Davood Nia Rashid ist der Beste
> Der aus Iran stammende Azubi hat sich beim bundesweiten Wettbewerb des
> Handwerks durchgesetzt. Ursprünglich wollte er Zahnarzt werden.
(IMG) Bild: Bevorzugt eine gute Mischung aus Theorie und Praxis: Davood Nia Rashid
Davood Nia Rashid ist eigentlich nach Hamburg gekommen, um Zahnmedizin zu
studieren. Das war 2022. Drei Jahre später wird der Iraner als bundesweit
bester Geselle im Behälter- und Apparatebau ausgezeichnet. Wie man das
schafft? „Indem man ein bisschen Leistung bringt“, antwortet Nia Rashid
trocken.
Azubis aus dem Ausland spielen in der Hamburger Wirtschaft eine immer
größere Rolle. Ihr Anteil hat sich in den vergangenen zehn Jahren auf fast
26 Prozent verdoppelt. 30 Prozent der neuen Ausbildungsverträge im
vergangenen Jahr schlossen die Hamburger Handwerksbetriebe mit Leuten ohne
deutsche Staatsangehörigkeit ab. Die meisten ausländischen Azubis kommen
aus Afghanistan, Syrien und der Ukraine.
Nia Rashid erzählt, er habe in Iran Zahnmedizin studiert und sei dann mit
einem Studentenvisum nach Deutschland gekommen. Als er ein halbes Jahr in
Hamburg war, brach er das Studium ab. „Viel zu trocken“, zu theoretisch
habe er das Studium gefunden und sich einen Ausbildungsplatz gesucht. Er
machte in Praktikum als Mechatroniker im KfZ-Handwerk, was er aber wegen
der vielen Routinearbeit langweilig fand. „Immer nur Reifenwechsel“,
erinnert er sich, das wäre nichts für ihn gewesen.
Vielfältiger fand er die Arbeit bei der Firma Kliewe, die Anlagen, Behälter
und Rohrleitungen für die Industrie baut. Nach einer Woche Praktikum bekam
er einen Ausbildungsplatz. „Am besten ist eine Kombination von Theorie und
Praxis“, sagt Nia Rashid. Wenn man Bundessieger werden will, muss man in
beidem gut sein, wenn auch die Praxis, das Werkstück, das man als
Prüfungsaufgabe herstellen muss, stärker gewichtet wird.
## Ohne Fleiß kein Preis
Er habe eine Zeichnung bekommen und dann anderthalb Tage Zeit gehabt, einen
kleinen Behälter zu bauen, berichtet Nia Rashid. Bundessieger zu werden,
sei sein Ziel gewesen. „Das wird man wohl hinbekommen, wenn man will“, habe
er sich gedacht. Auf die Frage, ob Talent oder Anstrengung wichtiger seien,
zitiert er ein deutsches Sprichwort: „Ohne Fleiß kein Preis“.
Dass Nia Rashid den Ehrgeiz hat, genau zu arbeiten, zeigt sich auch an
seinem Deutsch, wo er sich korrigiert, indem er „das Gleiche“ und
„dasselbe“ unterscheidet. Deutsch habe er in Iran während der Coronazeit
gelernt, als er nicht zur Uni gehen durfte. Nebenher habe er auch da schon
ein bisschen handwerklich gearbeitet und gemerkt, dass ihm das Freude
machte.
Bei seiner Entscheidung, das Studium abzubrechen, habe auch eine Rolle
gespielt, dass ihm das [1][Handwerk eine klare Zukunftsperspektive
eröffnet] habe. Dass er dort womöglich weniger Geld verdienen als ein
Zahnarzt, ficht ihn nicht an. Zum einen sei Geld nicht alles, zum anderen
kenne er Handwerker, die als Selbstständige reich geworden seien. „Es kommt
darauf an, was man am besten kann“, sagt Nia Rashid.
Vom Studentenvisum zu einem anderen Aufenthaltstitel zu kommen, sei
unproblematisch gewesen, sein jetziger Aufenthalt derzeit auf zwei Jahre
befristet. Erst einmal würde er auch gerne in Deutschland bleiben. Er habe
viele Leute kennengelernt, auch viele Iraner. „Ich fühle mich fast wie zu
Hause“, sagt er.
In seinem Betrieb gelte der Leitspruch: „Es zählt nicht, wo du herkommst,
sondern wo du hinwillst“, sagt Geschäftsführer Thomas Kliewe. Von der
Politik wünscht er sich, dass sie die [2][berufliche Ausbildung stärker
fördert und ihr den gleichen Stellenwert einräumt wie einem Studium]. „Das
würde Ausbildungsbetriebe dabei unterstützen, weiterhin gezielt in junge
Talente zu investieren“, sagt der Unternehmer.
Erfolgsstorys wie die von Nia Rashid machten Mut, sagt Bedra Duric,
Arbeitnehmervizepräsidentin der [3][Handwerkskammer]. „Wir [4][brauchen
mehr davon].“
2 Jun 2026
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## AUTOREN
(DIR) Gernot Knödler
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