# taz.de -- Einwanderung nach Berlin: Neuzugewanderte als Expert*innen
> Das Willkommenszentrum hat zusammen mit Zugewanderten ein Onlineangebot
> entwickelt. Es soll das Ankommen erleichtern und dient als Vorbild für
> andere.
(IMG) Bild: Der Zugang zu Sprachkursen ist ein zentrales Anliegen für alle, die in Berlin ankommen wollen
„Als ich in Berlin angekommen bin, hatte ich viele Fragen, fand aber oft
keine klaren Antworten“, sagt Emmanuel Chidiebere John am Mittwoch bei der
Vorstellung einer neuen [1][Onlineplattform des Willkommenszentrums
Berlin]. Es gab zwar Informationen, die waren jedoch schlecht strukturiert
und schwer verständlich, sagt der 24-Jährige. Er lebt seit vier Jahren in
Berlin und ist im zweiten Ausbildungsjahr als Pflegefachmann. Der
Nigerianer war Medizinstudent in der Ukraine und kam wegen des russischen
Angriffskriegs nach Berlin.
„Ankommen bedeutet nicht nur, die Sprache zu lernen, sondern auch ein
System zu verstehen, das man vorher nicht kannte“, sagt John. Daher
entschied er sich, Teil des [2][Community Advisor Panels (CAP)] zu werden.
Das CAP besteht aus 18 Neuzugewanderten aus Drittstaaten, also
Nicht-EU-Ländern. Seit 2024 unterstützten sie die Entwickler*innen von
Berlins neuer digitaler Willkommensplattform mit ihrer Perspektive, um
diese alltagsnah und verständlich zu gestalten. Sie brachten ihre
Erfahrungen und Bedürfnisse ins Konzept mit ein. Sie berieten zu den
Inhalten, Struktur und der Benutzerfreundlichkeit der Plattform. John hat
daran mitgearbeitet.
Um den Bedarf von Neuzugewanderten noch weiter zu analysieren, gab es eine
Onlineumfrage bei der über 600 Personen teilgenommen haben. Die
Senatsbeauftragte für Partizipation, Integration und Migration und die
gemeinnützige GmbH Minor haben das digitale Willkommenszentrum entwickelt,
um Zugewanderten, die erst vor Kurzem nach Berlin gekommen sind, das
Ankommen zu erleichtern und die bürokratischen Hürden zu verringern.
Auch Menschen, die einen erleichterten Zugang zur Verwaltung brauchen,
wollen sie damit ansprechen. Nutzer*innen können die digitale Plattform
in den Sprachen Deutsch, Englisch, Türkisch, Arabisch und Russisch
einstellen. Sie ergänzt die analoge Beratung im Willkommenszentrum vor Ort
in der Potsdamer Straße.
## Fokus lag auf Aufenthalt, Wohnen und Deutschlernen
„Menschen, die neu in unsere Stadt kommen, sollen sofort alle Informationen
aus einer Hand bekommen. Damit ein gutes Ankommen gelingt, brauchen sie
digitale Angebote, die einfach, verständlich und bürgernah sind“, sagt
Senatorin für Soziales, Cansel Kiziltepe (SPD), bei der Vorstellung der
digitalen Plattform.
Die Beratungsstelle der Beauftragten für Partizipation, Integration und
Migration des Berliner Senats ist spezialisiert auf die Fragen von neu
zugewanderten Personen, doch der Zugang zu den Informationen war
kompliziert und kaum verständlich. Daher haben genau diese Menschen nun
geholfen, die Onlineplattform mitzuentwickeln. Ihr Fokus lag auf den
Kernpunkten wie Aufenthalt, Wohnen und Deutschlernen. Das ist aber nur ein
Teil der 30 Themenbereiche, die das Ankommen für Neuankömmlinge erleichtern
sollen.
„Wir fokussieren uns auf die Fragen, die die Zielgruppe an uns adressiert
hat: Welches Sprachniveau brauche ich für eine Ausbildung? Wie finde ich
eine passende Ausbildung? Welchen Schulabschluss brauche ich für eine
passende Schulausbildung?“, erzählt Marie-Sophie Deuter, Leiterin des
Willkommenszentrums.
## Onlineplattform als Vorbild für andere Länder
Die Informationen können auf der Website über ein KI-Suchfeld eingeholt
werden. Es gibt eine Rechtschreibkorrektur, aber auch die Synonymsuche ist
möglich – auf Deutsch, aber auch auf den anderen Sprachen. „Gewährleistet
wird die Fehlerlosigkeit der Sprachübersetzung von Übersetzer*innen, die
das KI-Tool prüfen und korrigieren“, erklärt Deuter. Weitere Funktionen der
Plattform sind Themenkacheln und gruppenspezifische Blöcke, die
Informationen für Geflüchtete, Fachkräfte oder auch Studierende
bereithalten. Die einfache Bedienung der Website hilft bei der Suche nach
den passenden Anträgen und Beratungsangeboten. „Wir liefern als Antwort
klare, verständliche Schritte, statt komplexer Informationen“, sagt
Integrationsbeauftragte Katarina Niewiedzial.
Das digitale Willkommenszentrum soll als Vorbildfunktion für andere
Kommunen dienen und wird in der kommenden Woche bundesweit in anderen
Willkommenszentren vorgestellt. [3][Gefördert wurde das Projekt mit dem
Titel „Partizipation Digital“ von der EU in Höhe von 1,85 Millionen Euro].
Das Land Berlin steuerte weitere 205.000 Euro bei. Der Fokus des Projekts
liegt darauf, Menschen aus Drittstaaten (also Nicht-EU-Ländern) zu
unterstützen.
Der Fachkräftemangel ist ein zentraler Grund für die Etablierung des
digitalen Willkommenszentrums. Um Menschen für Berlin zu gewinnen, aber
auch zu halten, müsse Berlin eine barrierearme Willkommenskultur leben,
betont Senatorin Kiziltepe.
„Hätte ich das Onlineangebot damals gehabt, dann wäre mein Weg leichter
gewesen“, sagt John. Jeden Tag veränderten sich die Bedürfnisse und es sei
wichtig, dieses System weiterzuentwickeln. „Unsere Arbeit ist nicht zu
Ende, sondern der Anfang“, sagt er.
30 Apr 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://willkommenszentrum.berlin.de/
(DIR) [2] https://minor-kontor.de/community-advisory-panel-en/
(DIR) [3] https://www.eu-migrationsfonds.de/DE/Projekte/projekte_node.html
## AUTOREN
(DIR) Albertina Pangula
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