# taz.de -- Buckelwal beschäftigt die Justiz: Timmy lebt fort in den Akten der Menschen
> Buckelwal „Timmy“ schreibt auch nach seinem Tod weiter Geschichten: Er
> beschäftigt die Staatsanwaltschaft in Schwerin – und wird nun obduziert.
(IMG) Bild: Woran ist „Timmy“ tasächlich gestorben? Die Obduktion soll etwa sechs Stunden dauern
dpa | Seit Monaten ist Buckelwal „Timmy“ Thema in Deutschland – und er
bleibt es auch noch Wochen nach seinem Tod. Während auf der dänischen Insel
Anholt die Vorbereitungen für eine umfassende Obduktion des Kadavers
laufen, sieht sich die Staatsanwaltschaft Schwerin mit einer Flut von
Anzeigen und Hinweisen konfrontiert.
Dreistellig sei mittlerweile die Anzahl der Vorgänge mit Wal-Bezug, sagte
Jonas Krüger, Sprecher der Ermittlungsbehörde, der Deutschen
Presse-Agentur. Diese Masse an Eingaben sei für die Staatsanwaltschaft
seines Wissens ein neues Phänomen. Sie stammen demnach nicht nur aus
Mecklenburg-Vorpommern, landen aber wegen der Zuständigkeit trotzdem in
Schwerin.
Es handle sich nicht nur um Anzeigen, sondern teils auch um Hinweise.
Menschen hätten etwa ihre Hilfe angeboten und das gleich an viele Stellen
geschickt. „Ich kann auch mit Walen reden“, habe etwa jemand geschrieben.
Es seien „aberwitzige“ Dinge dabei, sagte Krüger.
## Minister Backhaus angezeigt – mit gegenteiligen Vorwürfen
Die vorliegenden Anzeigen gingen in unterschiedliche Richtungen. Aus der
Zeit, als man sich zeitweise dafür entschieden habe, den Wal weitgehend in
Ruhe zu lassen, stammten etwa [1][Vorwürfe der unterlassenen
Hilfeleistung]. Später gingen laut Krüger Anzeigen mit Verweis auf das
Tierschutzgesetz ein, [2][die sich gegen die Transportmaßnahmen richteten].
Anzeigen richteten sich gegen verschiedenste Menschen, etwa gegen
Beteiligte des Transports. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till
Backhaus (SPD) sei wegen allem Möglichen angezeigt worden – weil er nichts
gemacht habe, weil er etwas unternommen habe. Unter anderem seien auch
Mitarbeiter des Deutschen Meeresmuseums, das an der Bergung nicht beteiligt
gewesen sei, angezeigt worden.
Krüger habe den Eindruck, dass praktisch jeder und jede, der oder die auch
dank der Medienberichterstattung mit dem Wal in Verbindung gebracht worden
sei, angezeigt worden sei. Selbst Mecklenburg-Vorpommerns
Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD), die sich aus dem Fall des Wales
herausgehalten habe, habe es getroffen.
## Vorgänge von anderswo nach Schwerin weitergeleitet
Die Zuständigkeit Schwerins liegt laut Krüger darin begründet, dass sich
der Wal lange Zeit vor der Insel Poel befand. Für diesen Bereich sei das
Amtsgericht Wismar und damit wiederum die Schweriner Staatsanwaltschaft
zuständig.
Wenn jemand andernorts in Deutschland etwa online eine Anzeige stelle,
werde diese in der Regel an die für den Wohnort zuständige
Polizeidienststelle weitergeleitet, erklärte Krüger. Die Polizei gebe den
Vorgang weiter an die jeweils zuständige Staatsanwaltschaft, die es nach
Schwerin weiterleite.
Krüger konnte nicht abschätzen, wie viel noch auf die Schweriner zukommt.
Auch inwiefern tatsächlich Anhaltspunkte für Ermittlungen vorlägen, sei
unklar. Teils würden Vorgänge auch gegebenenfalls noch zusammengefasst. So
oder so – sichten müsse die Behörde alle Eingänge.
## Obduktion wird vorbereitet
Derweil laufen auf der dänischen Insel Anholt die Vorbereitungen für die
Untersuchung des Buckelwals. Ein Bergungsteam hatte den Kadaver des Tieres
am Wochenende mit einem Stahlseil aus dem flachen Wasser auf den Strand
gezogen. Mit Hilfe eines Radladers wurde nun der sandige Untergrund rund um
den Wal geglättet. Anschließend wurden einige Metallplatten ausgelegt.
Donnerstagnachmittag wollen Tierärzte und Wal-Experten den Kadaver
untersuchen. Die Obduktion soll etwa sechs Stunden dauern. Ziel ist,
[3][herauszufinden, woran das Tier gestorben ist]. Ursprünglich hatten die
dänischen Behörden versucht, den Kadaver in einen Hafen zu ziehen. Weil das
missglückte, soll der Wal nun direkt am Strand obduziert werden.
Absperrband rund um den Kadaver soll bis dahin Schaulustige fernhalten. Die
Behörden hatten immer wieder vor Ansteckungsgefahr gewarnt.
1 Jun 2026
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