# taz.de -- Russland und Afghanistan: „Vollwertige Partnerschaft“ mit den Taliban
       
       > Moskau schließt ein Militärbündnis mit Kabul. Davon verspricht sich der
       > Kreml eine führende Rolle in der Region und afghanische-Kämpfer gegen die
       > Ukraine.
       
 (IMG) Bild: Treffen in Moskau: Russlands Außenminister Sergej Lawrow (links) und der Vertreter der Taliban Amir Khan Muttaqi (r), am 7.10.2025
       
       [1][Nachdem Russland als einziges Land der Welt im vergangenen Juli das
       islamistische Taliban-Regime anerkannt hat], haben Moskau und Kabul jetzt
       ein Militärabkommen geschlossen. Sergej Schoigu, Sekretär des russischen
       Sicherheitsrates, sagte, sein Land strebe eine „vollwertige Partnerschaft“
       mit dem Islamischen Emirat Afghanistan an.
       
       Der Vertrag wurde im Rahmen eines internationalen Sicherheitsforums in
       Moskau bei einem Treffen zwischen Schoigu und dem afghanischen
       Verteidigungsminister Mohammad Yaqoob unterzeichnet. Yaqoob ist der
       ehemalige Militärchef der Taliban und der Sohn ihres Gründers, Mullah
       Mohammad Omar.
       
       Weder Russland noch Afghanistan teilten Details zu dem Militärabkommen mit.
       Das ließ bei westlichen Geheimdiensten Befürchtungen aufkommen, dass die
       Taliban erfahrene Kämpfer für die russische Armee in der Ukraine abstellen.
       Auch Nordkorea hatte nach der Vereinbarung eines Militärabkommens mit
       Moskau schon Tausende Soldaten an die Front in der Ukraine geschickt.
       
       Schoigu forderte die westlichen Nationen auf, die Sanktionen gegen die
       Taliban „aufzuheben“ und „das volle Ausmaß der Verantwortung für ihre
       20-jährige Präsenz in Afghanistan anzuerkennen“ – ohne Russlands
       unrühmliche Vergangenheit in Afghanistan zu benennen. [2][Nachdem die USA
       und die EU ihre Anstrengungen um bessere Beziehungen zu den Staaten
       Zentralasiens deutlich intensiviert hatten, bezeichnete Schoigu
       „militärische Strukturen oder Einrichtungen von USA und Nato in Afghanistan
       oder in den Nachbarstaaten als inakzeptabel“].
       
       ## Sicherung der Grenze zu Afghanistan
       
       Moskau geht es vor allem auch um die Sicherung der afghanischen Grenze.
       Über die kämen laut dem Chef des russischen Geheimdienstes FSB, Alexander
       Bortnikow, Islamisten. Diese schlössen sich der Terrorgruppe ISIS-Khorasan
       an – ein aktiver regionaler Zweig des Islamischen Staates aus Staatsbürgern
       zentralasiatischer ehemaliger Sowjetrepubliken und zentralasiatischer
       Arbeitsmigranten in Russland. Das Ziel der Gruppe seien Anschläge in
       Russland.
       
       Die Taliban können als Gegner der ISIS-Khorasan und anderer solcher
       Terrorgruppen Russland dabei helfen, Anschläge zu verhindern. Alexej
       Sacharow, ein Fellow der in Neu-Delhi ansässigen Denkfabrik Observer
       Research Foundation, sagt indes: „Die Taliban kämpfen derzeit mit
       zunehmender Instabilität in den afghanischen nördlichen Provinzen.“ Die
       „Hilfe Russlands bei der Reparatur von militärischer Ausrüstung oder der
       Lieferungen einiger Waffen wäre da recht aktuell“.
       
       Wegen der schwierigen Lage der russischen Angriffstruppen in der Ukraine
       hält Ruslan Suleimanov, Analyst am New Eurasian Strategies Center, dies für
       recht unwahrscheinlich: „Wir werden definitiv kein vollwertiges
       Militärbündnis oder eine gegenseitige Verteidigungskoalition sehen.“
       
       ## Konkurrenz zu China
       
       Russland geht es auch darum, seine Exportmöglichkeiten zu verbessern und
       dem offiziell engsten Partner China Konkurrenz beim Einfluss auf
       Zentralasien zu machen. Russland möchte verlässliche Eisenbahnstrecken,
       Straßen, Pipelines und Stromleitungen von Russland und Zentralasien nach
       Pakistan. Das Land verfügt über Seehäfen am Arabischen Meer, über die
       Moskau den Großteil des Globalen Südens auf einer alternativen Route
       erschließen könnte.
       
       Der bilaterale Handel zwischen Russland und Afghanistan stieg 2025 auf über
       530 Millionen Dollar an und verzeichnete im ersten Quartal 2026 einen
       Anstieg um das 2,6-Fache.
       
       Die Taliban wurden 2003 von Russland als terroristische Bewegung verboten,
       das Verbot wurde im April 2025 aufgehoben. Die islamistischen
       Fundamentalisten kehrten im August 2021 nach Kabul an die Macht zurück,
       nachdem NATO-Truppen Afghanistan verlassen hatten.
       
       Die Rote Armee der Sowjetunion, deren Rechtsnachfolger Russland ist, war
       1979 in Afghanistan einmarschiert. Moskaus Truppen konnten das
       kommunistische Regime in Kabul aber nicht schützen und mussten sich durch
       den Abzug seiner Soldaten im Februar 1989 den afghanischen Mudschaheddin
       geschlagen geben. Aus den Mudschaheddin gingen später Taliban-Gruppen
       hervor.
       
       1 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Mathias Brüggmann
       
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