# taz.de -- Trauer um Edgar Morin: Wilderer des Wissens
> Der französische Soziologe und Philosoph Edgar Morin ist im Alter von 104
> Jahren gestorben. Präsident Macron würdigt ihn als „Denker des
> Jahrhunderts“.
(IMG) Bild: Edgar Morin bei einem Kolloquium in Rio de Janeiro, 1972
afp | Der französische [1][Soziologe und Philosoph Edgar Morin] ist tot.
Der weltweit bekannte Intellektuelle starb am Freitag im Alter von 104
Jahren, wie seine Ehefrau Sabah Abouessalam Morin der Nachrichtenagentur
AFP am Samstag mitteilte. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron würdigte
Morin im Onlinedienst X als Widerstandskämpfer gegen Nazi-Deutschland,
Schriftsteller und „Denker des Jahrhunderts“. Er sei „die Verkörperung des
Humanismus“ gewesen, schrieb Macron im Onlinedienst X.
„Bis zu seinen letzten Tagen blieb Edgar Morin aufmerksam gegenüber der
Welt, seinen Mitmenschen und den großen menschlichen Fragen, die sein
Denken nährten“, erklärte seine Ehefrau.
Bekannt wurde Morin vor allem mit seinem Konzept des „komplexen Denkens“.
Er wollte nach eigener Darstellung das verbinden, „was in unserer
gewöhnlichen Wahrnehmung nicht verbunden ist“, und so der „Komplexität des
Wirklichen“ gerecht werden. Der politisch links geprägte Autor verstand
sich selbst als „Wilderer des Wissens“ und wandte sich gegen eine harte
Abgrenzung der wissenschaftlichen Disziplinen.
Morin wurde am 8. Juli 1921 als [2][Edgar Nahoum in Paris] in eine jüdische
Familie aus der griechischen Hafenstadt Thessaloniki geboren. 1941 trat er
der Kommunistischen Partei bei und schloss sich unter dem Decknamen Morin
der Résistance gegen die deutsche Besatzung an. Sein erstes Buch erschien
1946 unter dem Titel „L'An zéro de l'Allemagne“, auf Deutsch wurde es als
„Das Jahr Null. Ein Franzose sieht Deutschland“ veröffentlicht.
1959 erregte [3][Morin] mit „Autocritique“ Aufmerksamkeit, in dem er seine
Blindheit gegenüber dem Stalinismus und seinen Ausschluss aus der
Kommunistischen Partei reflektierte. Später wurde er zu einem Wegbereiter
einer „Soziologie der Gegenwart“ und befasste sich unter anderem mit Kino,
Technik, Sport, Jugend und ökologischen Fragen. Zu seinen wichtigsten
Werken zählt die sechsbändige Reihe „La méthode“ (1977-2004). Morin schrieb
rund 40 Bücher, die vielfach übersetzt wurden, und erhielt
Ehrendoktorwürden von 38 ausländischen Universitäten.
30 May 2026
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