# taz.de -- Sexualisierte Gewalt in Konflikten: UN setzen Israel auf schwarze Liste
> Ein UN-Bericht konstatiert sexualisierte Gewalt gegen Palästinenser durch
> israelische Soldaten. Israel droht, jeden Kontakt zu UN-Generalsekretär
> Guterres abzubrechen.
(IMG) Bild: Von Israel attackiert: UN-Generalsekretär António Guterres bei einer Pressekonferenz
dpa/afp | Ein Bericht der Vereinten Nationen erhebt schwere Anschuldigungen
gegen israelische Soldaten und andere Sicherheitskräfte und wirft ihnen
[1][sexualisierte Gewalt gegen Palästinenserinnen und Palästinenser] vor.
Die Liste der Misshandlungen umfasse etwa „Vergewaltigungen, auch mit
Gegenständen, Gruppenvergewaltigungen, versuchte Vergewaltigungen,
körperliche Gewalt gegen die Genitalien, gezielte Schüsse auf die
Genitalien“, heißt es in dem noch unveröffentlichten Report des
UN-Generalsekretärs António Guterres.
Die Vereinten Nationen hätten 2025 [2][mehrere Fälle konfliktbezogener
sexueller Gewalt verifiziert], heißt es in dem Bericht. Betroffen gewesen
seien 14 Männer, sieben Frauen, neun Jungen und ein Mädchen aus dem
Gazastreifen und dem Westjordanland. „Vergewaltigungen und
Gruppenvergewaltigungen, in einigen Fällen wiederholt, wurden an neun
Opfern verübt, von denen die Mehrheit aus dem Gazastreifen stammte.“ Zuvor
hatte bereits die UN-Sonderberichterstatterin für die besetzten Gebiete,
[3][Francesca Albanese, über solche Fälle berichtet].
Der Bericht führt die israelischen Sicherheitskräfte auf einer Liste jener
Akteure auf, die glaubhaft verdächtigt werden, in bewaffneten Konflikten
systematisch Vergewaltigungen oder andere Formen sexueller Gewalt begangen
zu haben. Der Bericht ist noch nicht öffentlich. In der Vergangenheit
enthielt er eine Liste mutmaßlicher Verantwortlicher für sexuelle Gewalt in
Kriegen – darunter waren für 2024 etwa [4][die islamistische Hamas] oder
die IS-Miliz.
## UN-Spitze zeigt sich gesprächsbereit
Die israelische UN-Vertretung in New York reagierte empört auf die
Anschuldigungen und gab am Donnerstag bekannt, den [5][Kontakt mit dem
Generalsekretariat der Vereinten Nationen unter Guterres abzubrechen]. „Die
Entscheidung, Israel auf eine schwarze Liste zu setzen und uns vorzuwerfen,
sexuelle Gewalt als Kriegswaffe einzusetzen, ist eine ungeheuerliche
Entscheidung“, sagte Botschafter Danny Danon. Er sprach von einer
„Kampagne“ gegen sein Land. „Wir sind fertig mit diesem Generalsekretär!“,
schrieb Danon auf der Plattform X.
Der Sprecher des Generalsekretärs, Stéphane Dujarric, erklärte, man habe
aus den sozialen Medien von der israelischen Entscheidung erfahren und sei
jederzeit bereit für Gespräche. Den Inhalt des Berichts wollte Dujarric
nicht kommentieren.
Guterres hatte bereits in der vorherigen Auflage des Reports angekündigt,
israelische Soldaten und andere Sicherheitskräfte könnten wegen
„erheblicher Bedenken hinsichtlich bestimmter Formen sexueller Gewalt, die
von den Vereinten Nationen wiederholt dokumentiert wurden“, in den
kommenden Bericht aufgenommen werden.
## Auch Russland ist auf der Liste
Neben Israel haben die Vereinten Nationen auch Russland auf ihre schwarze
Liste von Ländern gesetzt, denen sexualisierte Gewalt in Konfliktgebieten
vorgeworfen wird. In dem [6][jährlich vorgelegten Bericht], den die
Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag in New York einsehen konnte, wird
beiden Ländern zudem vorgeworfen, UN-Ermittlern „wiederholt der Zugang
verweigert“ zu haben.
Die jährlich von den UN veröffentlichte Liste umfasst dutzende staatliche
sowie nichtstaatliche Akteure, denen vorgeworfen wird, in Konflikten
„systematisch“ sexuelle Gewalt verübt zu haben. Seit Jahren stehen darauf
Länder wie Sudan, Haiti, Syrien und Mali. Im August vergangenen Jahres
hatte UN-Generalsekretär Guterres Israel und Russland bereits vor einer
möglichen Aufnahme auf die schwarze Liste gewarnt.
In Bezug auf Russland konstatiert der UN-Bericht sexualisierte [7][Gewalt
durch die Streitkräfte Moskaus in den besetzten ukrainischen Gebieten].
Zudem hätten ukrainische Kriegsgefangene von sexualisierter Gewalt in
russischen Gefängnissen berichtet. Auch die Ukraine wird in dem Bericht
kritisiert, sie wurde aber nicht auf die schwarze Liste gesetzt.
29 May 2026
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