# taz.de -- Fashion Statements bei Roland Garros: Osaka serviert
       
       > Bei den French Open trägt Naomi Osaka ein kunstvolles Ensemble. Online
       > bezeichnet man sie als „cringe“. Zeit, der Kreativität vollen Lauf zu
       > lassen.
       
 (IMG) Bild: Naomi Osaka beim Match gegen Laura Siegemund im Tenniskleid mit Pailletten
       
       Ist das diese deutsche Kleinkariertheit, die sich im Post-Match-Interview
       offenbarte? „Ich komm daher, um Tennis zu spielen und keine Modenschau zu
       machen“, [1][sagte Laura Siegemund] nach ihrer Niederlage gegen Naomi Osaka
       bei den French Open. Ihr schwäbischer Dialekt untermalt diese Aussage.
       
       Die beiden trafen in der ersten Runde des Pariser Grand-Slam-Turniers
       aufeinander, das am 24. Mai startete. Osaka trug einen Dreiteiler: ein
       schwarzes mit Pailletten besetztes Korsett, einen bodenlangen Plisseerock
       mit semitransparentem Stoff, und darunter ein Tenniskleid, ebenso mit
       Pailletten besetzt und farblich an die rote Asche des Tennisplatzes
       erinnernd. Der Schweizer Couturier Kevin Germanier hat das Ensemble für sie
       gefertigt.
       
       Siegemund kritisierte, dass Osaka bevorzugt behandelt werde: Sie bekomme
       Extraminuten, um den Rock und Korsett auszuziehen, während bei allen
       anderen Spieler_innen auf jede Sekunde geachtet werde. Das wäre eine
       verständliche Kritik, hätte Osaka den Rock nicht innerhalb von fünf
       Sekunden abgestreift und ihre Position auf dem Platz eingenommen. Aber Hand
       aufs Herz, wer wäre nicht zumindest ein bisschen beleidigt, wenn man wie
       Siegemund ein Match verliert gegen jemanden, der dabei auch noch
       fantastisch aussieht?
       
       Aber nicht nur Siegemund kritisiert die japanische Tennisspielerin.
       Pünktlich zu jedem Grand Slam [2][kommentieren Artikel] und Hunderte Leute
       in Kommentarspalten ihre Kostüme als ablenkend, hässlich, am häufigsten
       aber als cringe. [3][Cringe], dieses seit Jahren allgegenwärtige Unwort,
       das sowas wie unangenehm oder peinlich bedeutet und Fremdscham ausdrückt.
       
       ## Bloß nicht zu enthusiastisch
       
       Es muss das Resultat des panoptischen Internets sein, jeden Moment zu
       kuratieren und immer darauf Wert zu legen, dass alle möglichst nonchalant,
       angepasst und bloß nicht zu enthusiastisch – etwa was Mode angeht – sind.
       
       Bei [4][Roland Garros 2025 zum Beispiel trat Osaka in einem
       kirschblütenfarbenen Ensemble auf]. Die Lagen des Rocks fielen zart
       übereinander und in zwei kleinen Dutts auf dem Kopf trug sie Spangen in
       Blumenform. Da sie direkt in der ersten Runde gegen Paula Badosa ausschied,
       bekam der Look nicht gerade viel Sendezeit. Und dass sie sich modisch
       überhaupt die Mühe gemacht hatte, bekam schnell das Label „cringe“
       aufgedrückt: Wenn man schon visuell so viel Aufmerksamkeit auf sich zieht,
       dann muss man auch gut spielen.
       
       Ein anderes Accessoire, von dem sie 2025 fasziniert gewesen zu sein
       scheint, waren [5][Labubus]. Die wie noch hässlichere [6][Furbys]
       aussehenden Figürchen ließ sie mit Glitzersteinchen besetzen und befestigte
       sie an ihrer Sporttasche, sodass sie beim Einlaufen immer gut zu sehen
       waren. Auch in den Pressekonferenzen hielt sie sie in die Kameras, weshalb
       bald das falsche Gerücht umging, sie habe einen
       100-Millionen-Dollar-Labubu-Deal abgeschlossen.
       
       Zugegeben, Labubus sind vielleicht nicht gerade geschmackvoll. Naomi Osaka
       deswegen [7][als lächerlich und, Überraschung, cringe zu bezeichnen,] ist
       es jedoch ebenso wenig. Es muss ermüdend sein, öffentlich auch nur ein
       Fünkchen Begeisterung für etwas zu zeigen und als erste Reaktion darauf
       jedes Mal hören zu müssen, dass man deshalb peinlich sei.
       
       ## Cringe-Kultur tötet Kreativität
       
       Diese Cringe-Kultur, so ähnlich sagte es der Autor Ocean Vuong [8][in einem
       Interview], halte Menschen davon ab, ihre Authentizität nach außen zu
       tragen, da sie sich vor einer öffentlichen Blamage fürchten. Vuong sagt,
       gerade junge Menschen „wollen nicht so wirken, als würden sie sich wirklich
       anstrengen und ernsthaft versuchen, ihre Träume zu verwirklichen“.
       Cringe-Kultur tötet Kreativität.
       
       Eigentlich haben Zuschauer_innen also dankbar dafür zu sein, dass Naomi
       Osaka nicht zurückschreckt und sich etwas traut. Bei den Australian Open
       dieses Jahr trug sie [9][ein an eine Qualle erinnerndes Outfit], mit
       langen, tentakelartigen Stofffetzen, einem weißen Hut mit Schleier und
       einem Sonnenschirm, auf dem, wie auf dem Hut, ein Schmetterling saß – eine
       Hommage an ihren AO-Sieg 2021, [10][wo ein Schmetterling auf ihrem Gesicht
       landete].
       
       Wer solch spielerischen Selbstausdruck sieht, und sich dabei fremdschämt,
       der sollte es sich zur Aufgabe machen, sich von den Fesseln des Cringe zu
       lösen. Naomi Osaka ist damit erfolgreich: Auch die zweite Runde gegen Donna
       Vekić am Donnerstag gewann sie in zwei Sätzen.
       
       28 May 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.eurosport.de/tennis/french-open/2026/laura-siegemund-exklusiv-zu-begleitumstaenden-nach-aus-gegen-naomi-osaka-damit-habe-ich-ein-problem_vid60077123/video.shtml
 (DIR) [2] https://www.outkick.com/sports/naomi-osaka-labubu-us-open-tennis-immature-media
 (DIR) [3] /Jugendwort-des-Jahres-2021/!5810402
 (DIR) [4] https://www.eurosport.de/tennis/french-open/2025/naomi-osaka-sorgt-mit-kirschblueten-outfit-fuer-aufsehen-in-paris_sto23186617/story.shtml
 (DIR) [5] /TikTok-Hype-um-die-Monsterpuppe-Labubu/!6090140
 (DIR) [6] https://de.wikipedia.org/wiki/Furby
 (DIR) [7] https://www.outkick.com/sports/naomi-osaka-labubu-us-open-tennis-immature-media
 (DIR) [8] https://www.youtube.com/shorts/fsGsm73BuuM
 (DIR) [9] https://www.vogue.de/galerie/naomi-osaka-mode-auf-dem-tennisplatz-looks-nike-australian-open-2026
 (DIR) [10] https://www.instagram.com/reel/DTwCCTekfRD/?hl=de
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Valérie Catil
       
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