# taz.de -- KI-Tools fluten Streamingdienste: Sie bedienen sich selbst an den tiefen Taschen
       
       > Spotify will KI-Remixtools für User zulassen. Mit dem Musikkonzern
       > Universal hat sich das schwedische Unternehmen bereits geeinigt. Braucht
       > es das überhaupt?
       
 (IMG) Bild: Versucht ihre Stimme und ihr Aussehen markenrechtlich zu schützen: Taylor Swift
       
       Streamingplattformen werden mehr und mehr mit KI-Musik geflutet. Rund
       75.000 Stücke, die mithilfe von Computerprogrammen wie Suno generiert sind,
       werden laut des französischen Streamingdienstes Deezer aktuell dort
       hochgeladen – und zwar jeden Tag.
       
       Teile des Publikums wollen das nicht hinnehmen. Deshalb reagieren
       Plattformen. Deezer entfernt KI-Musik aus redaktionellen und
       algorithmischen Empfehlungen und kennzeichnet sie deutlich, ähnlich geht
       Qobuz vor. Beim deutschen Service Rokk wird KI-Musik sogar gelöscht.
       
       Anders hält es Spotify. [1][Dort feiern immer wieder KI-generierte
       Musikstücke und „Artificial Artists“ zweifelhafte Erfolge.] Und in
       absehbarer Zeit können Premiumnutzer:innen dort selbst KI-Musik
       generieren. Das schwedische Unternehmen hatte schon im Oktober 2025 ein
       KI-Lizenzabkommen mit einigen der größten Musikkonzerne geschlossen.
       Vergangene Woche kündigte es an, in Zusammenarbeit mit der Universal Music
       Group in naher Zukunft ein KI-Feature anzubieten.
       
       Mit diesem soll das zahlende Publikum in der Lage sein, Remixe und
       Coverversionen von Songs aus dem Universal-Labelkatalog erstellen zu
       können, sofern die unter Vertrag stehenden Künstler:innen dafür ihr
       Einverständnis gegeben haben.
       
       ## Kostenpflichtiges Add-on
       
       Wann genau das Feature erhältlich sein wird, ist noch ungewiss. Auch steht
       noch nicht fest, wie viel Nutzer:innen für das „kostenpflichtige Add-on“
       zahlen müssen. Allemal bietet Spotify, anders als Suno, ein rechtlich
       einwandfreies KI-Modell an.
       
       [2][In diesem Sinne verspricht Spotify den Künstler:innen, neue Einnahmen
       zu generieren] – oder eher noch Universal. Denn der größte Musikkonzern der
       Welt wird zweifelsfrei einen Löwenanteil der so generierten Tantiemen
       einstreichen.
       
       Die Einführung des KI-Features steht im Zeichen eines neuerlichen Runs auf
       sogenannte „Superfans“, eine schwammig umrissene Zielgruppe mit extrem
       ausgeprägter Leidenschaft und noch tieferen Taschen, aus denen sich Spotify
       und Universal bedienen wollen.
       
       Angesichts des stagnierenden Wachstums im Streamingsegment wollen die
       beiden börsennotierten Unternehmen mit allen Mitteln den Pro-Kopf-Umsatz im
       Publikum erhöhen. Mehr Geld für ein hippes Feature zu fordern, passt da ins
       Bild. Doch wer will das?
       
       Fragwürdig ist zuallererst, wie viele Universal-Musiker:innen ihre
       Kompositionen und Aufnahmen überhaupt für diese Spielchen freigeben werden.
       [3][US-Superstar Taylor Swift versucht etwa, ihre Stimme und ihr Aussehen
       markenrechtlich zu schützen]; der kanadische Rapper Drake hingegen hat sich
       immer wieder gegen KI-Fakes gewehrt.
       
       Fraglich ist auch, wie viele Fans ein solches Feature überhaupt aktiv
       nutzen würden. Nicht nur zeigen die Schutzmaßnahmen von Deezer, Qobuz und
       Rokk, dass ihre Kund:Innen überhaupt gar keine KI-Musik als Teil ihres
       Streaming-Erlebnisses nutzen wollen.
       
       Auch stellt sich die Frage, wie viele der zuletzt 293 Millionen
       Spotify-Abonnent:innen monatlich ein paar Euro mehr hinlegen wollen, um hin
       und wieder aus einer neuen Popsingle einen Techno-Remix zu generieren.
       
       28 May 2026
       
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