# taz.de -- Indopazifische Quad-Gruppe: Rubios Charmeoffensive bei 45 Grad Celsius
> Die USA, Indien, Japan und Australien hauchen ihrem quatrilateralen
> Sicherheitsdialog wieder Leben ein. Erstmals wird auch Fidschi mit
> einbezogen.
(IMG) Bild: Quad-Außenminister:innen Penny Wong (Australien), Subrahmanyam Jaishankar (Indien), Toshimitsu Motegi (Japan), Marco Rubio (USA)
Auch bei 45 Grad Hitze haben US-Außenminister [1][Marco Rubio] und seine
Frau Jeanette im nordindischen Agra noch die Kraft gefunden zu lächeln. Das
Paar posierte zu Wochenbeginn vor dem weltberühmten Taj Mahal. Rubio war zu
einer mehrtägigen Charmeoffensive nach Indien geflogen, die am Dienstag im
Treffen des quatrilateralen Sicherheitsdialogs („Quad“) in Delhi mündete.
Neben dem Gastgeber, Indiens Außenminister Subrahmanyam Jaishankar, waren
auch die dessen Amtskolleg:innen aus Australien und Japan angereist.
Ob die Quad-Gruppe überhaupt noch eine Zukunft hat, galt zuletzt als
fraglich. Belastet wurden die Beziehungen zwischen Indien und den USA durch
Trumps Aussagen zum indisch-pakistanischen Grenzkonflikt im letzten Jahr,
seinen einseitig verhängten Einfuhrzöllen auf indische Waren,
Migrationsfragen sowie seine Bemerkung, Indien sei eine [2][„tote
Wirtschaft“].
Zugleich suchte Trump aber auch immer wieder demonstrativ Nähe zu Delhi. So
auch diesmal. So bezeichnete der US-Präsident Indiens
hindunationalistischen Premier Narendra Modi als „Freund“ und erklärte,
Indien könne sich „zu 100 Prozent“ auf die USA verlassen.
Doch scheinen die Zeiten, in denen Trump von vielen Inder:innen gefeiert
wurde, vorbei. Als vor Rubios Besuch in Delhi Autorikschas mit Trumps
Antlitz durch die Straßen fuhren, kam dies bei der Bevölkerung [3][nur
mäßig an].
## Indiens Interesse an Quad als handlungsfähige Gruppe
Jetzt versuchte aber auch Delhi, Quad wieder als handlungsfähige Gruppe zu
inszenieren. Das Interesse daran könnte auch von US-Seite nach Trumps
jüngstem Besuch in Peking, der kaum greifbare Ergebnisse brachte, wieder
gewachsen sein. Die vier Staaten zeigten sich am Dienstag jedenfalls einig
mit einer [4][gemeinsamen Erklärung] und neuen Initiativen zur
Hafeninfrastruktur in Fidschi sowie zur Sicherung [5][kritischer Mineralien
und seltener Erden].
Laut Rubio habe der Krieg mit Iran diese Zusammenarbeit „noch relevanter“
gemacht. In Schlüsselbereichen könne man „enorme Vermögenswerte“ bündeln.
„Das Ziel ist (…), Quad zu einem Ort des Handelns zu machen“. Australiens
Außenministerin Penny Wong warnte vor wachsender Unsicherheit im
Indopazifik. Man wolle sich dafür einsetzen, dass die Region „friedlich,
stabil und wohlhabend“ bleibe. Quad habe bereits konkrete Ergebnisse
geliefert von Katastrophenhilfe bis zu maritimer Sicherheit.
Deutlicher wurde Japans Außenminister Takeshi Motegi. Die vier Staaten
lehnten Versuche ab, „den Status quo einseitig mit Gewalt oder Zwang zu
verändern“ – eine indirekte, aber deutliche Anspielung auf China etwa mit
Blick auf Taiwan oder das Südchinesische Meer.
Mit solchen Aussagen besinnt sich die Quad-Gruppe wieder stärker auf ihren
ursprünglichen Kern: maritime Sicherheit im Indopazifik angesichts von
Chinas wachsendem Einfluss. [6][Peking] kritisierte das Format denn auch
erneut als „[7][Anti-China]“.
## „Vier maritime Demokratien“ bündeln ihre Aktivitäten
Laut Indien diene der Dialog auch der Terrorismusbekämpfung. Die
Kooperation der „vier maritimen Demokratien“ bei Überwachung,
Unterseekabeln, Logistiknetzwerken und Katastrophenschutz solle ausgebaut
werden, ebenso der Bereich Energiesicherheit, so Außenminister
[8][Jaishankar].
Rubio lud Modi zudem nach Washington ein. Nach indischer Lesart wäre
allerdings [9][Trump] mit einem Besuch in Indien an der Reihe, nachdem Modi
zuletzt im Februar 2025 in Washington war. Modi dürfte dennoch im Dezember
zum G20-Gipfel in die USA reisen. Davor erwartet er aber Russlands
Präsidenten Wladimir Putin zum BRICS-Gipfel in Indien.
Manche Beobachter:innen sehen bereits ein Tauwetter in den
indisch-amerikanischen Beziehungen. Andere sprechen von einer
amerikanischen „[10][Reparaturmaßnahme]“. Ein Preisschild hat die
Annäherung offenbar auch für Indien: Rubio erklärte, Indien habe zugesagt,
in den kommenden fünf Jahren US-Waren im Wert von [11][500 Milliarden
Dollar] zu kaufen. Die USA bieten Indien, das bisher viel Öl und Gas aus
Russland bezieht, umfangreiche Energielieferungen an.
26 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://timesofindia.indiatimes.com/india/iran-throws-architectural-shade-on-marco-rubios-hot-taj-mahal-visit/articleshow/131315838.cms
(DIR) [2] /Indischer-Balanceakt/!6105415
(DIR) [3] https://timesofindia.indiatimes.com/etimes/trending/becoming-a-us-colony-trump-themed-autos-in-delhi-spark-outrage-ahead-of-americas-250th-independence-celebrations/articleshow/130283443.cms
(DIR) [4] https://www.mea.gov.in/bilateral-documents.htm?dtl/41233/Quad_Foreign_Ministers_Meeting_Joint_Statement_May_26_2026
(DIR) [5] https://www.mea.gov.in/bilateral-documents.htm?dtl/41235/Quad+Critical+Minerals+Initiative+Framework+Among+India+Australia+Japan+And+The+United+States
(DIR) [6] https://za.china-embassy.gov.cn/eng/fyrth/202605/t20260526_11918267.htm#:~:text=Mao%20Ning:%20China%20has%20stated,or%20engaging%20in%20bloc%20confrontation
(DIR) [7] https://www.globaltimes.cn/page/202501/1326099.shtml
(DIR) [8] https://x.com/DrSJaishankar/status/2059150456388235493
(DIR) [9] https://thediplomat.com/2025/05/how-friend-trump-embarrassed-modi/
(DIR) [10] https://thewire.in/diplomacy/rubios-visit-cannot-hide-the-hard-truth-about-india-us-relations
(DIR) [11] https://theprint.in/global-pulse/rubios-visit-has-global-media-asking-why-is-india-committing-to-buy-500-bn-worth-us-goods/2941949/
## AUTOREN
(DIR) Natalie Mayroth
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