# taz.de -- Regionalwahlen in Indien: Westbengalens „Didi“ muss gehen
       
       > Der hindunationalistischen BJP gelingt ein historischer Wahlsieg in
       > Westbengalen. In Kerala fällt Indiens letzte kommunistische
       > Landesregierung.
       
 (IMG) Bild: In Westbengalen stehen Menschen am 29. April Schlange, um ihre Stimme abzugeben
       
       In Indien haben die Regionalwahlen in sechs Bundesstaaten einen politischen
       Umbruch ausgelöst und drei regionale Mächte abgestraft: So verliert in
       Westbengalen die „Didi“ genannte Ministerpräsidentin Mamata Banerjee (All
       India Trinamool Congress – TMC) nach 15 Jahren die Macht. Die
       hindunationalistische BJP, die auf Unionsebene regiert, kommt laut Trends
       auf über [1][200 von 294 Sitzen], der (TMC) nur auf gut 80. Bei den letzten
       Wahlen gewann der TMC noch 220.
       
       Der aus Westbengalen stammende Historiker Benjamin Zachariah sagt: „Viele
       Wähler hatten Korruption und lokale Gewaltstrukturen satt.“ Es hätten sich
       informelle Machtzentren etabliert, die eng mit lokalen Parteistrukturen
       verflochten seien. Diese Netzwerke hätten zwar Stabilität geschaffen, aber
       auch Abhängigkeiten und Ungleichheiten verstärkt. Die BJP konnte sich als
       Alternative präsentieren und von der Unzufriedenheit profitieren. Dabei
       nutzte sie Strukturen, die schon unter früheren Linksregierungen zur
       politischen Mobilisierung genutzt worden waren.
       
       Das System lokaler Kontrolle des TMC wurde so zunehmend zum Bumerang.
       Banerjee positionierte sich zwar als Gegenspielerin des
       hindunationalistischen Premierministers Narendra Modi. Doch wurden in ihrer
       dritten Amtszeit die Versäumnisse stärker wahrgenommen. „Der Eindruck hatte
       sich gefestigt, dass es bei ihrer Politik vor allem um Machterhalt geht“,
       so Zachariah.
       
       In den letzten Jahren haben viele junge Menschen den Bundesstaat verlassen,
       um in Metropolen im Westen und Süden Arbeit zu finden, sagt ein junger Mann
       aus Kolkata, der in Mumbai arbeitet. „Es mangelt an Chancengleichheit im
       Bildungssystem und es gibt nur begrenzte Verdienstmöglichkeiten“, sagt er.
       Das habe wohl den Wunsch nach Veränderung verstärkt.
       
       ## BJP setzte auf die antimuslimische Karte
       
       Ob die BJP hier liefern kann, ist offen. Der Konflikt zwischen Zentral- und
       Regionalregierung hat politische Spielräume verengt. Zudem setzte die BJP
       auf Polarisierung: Im Bundesstaat [2][Assam], wo jetzt auch gewählt wurde,
       mobilisierte sie erfolgreich mit der Sorge vor Zuwanderung von
       Muslim:innen aus dem benachbarten Bangladesch.
       
       Ähnliche Muster finden nun auch in Westbengalen, das an Bangladesch grenzt,
       mehr Anklang als früher. So griff die BJP die [3][Erhöhung] staatlicher
       Unterstützung für muslimische Geistliche auf, um der Regierung eine Nähe zu
       muslimischen Institutionen zu unterstellen. Zudem verweisen
       Beobachter:innen wie Zachariah darauf, dass bei der umstrittenen
       Überarbeitung von Wählerlisten Millionen Namen gestrichen wurden, darunter
       wohl überproportional muslimische Wähler:innen.
       
       Zusätzliche Dynamik erhielt die Entwicklung durch den Regierungssturz im
       benachbarten muslimisch geprägten Bangladesch im vergangenen Jahr. Dort
       nahmen Berichte über Angriffe auf Hindus zu, die in Indien für
       Verunsicherung sorgten. Mamata Banerjee ficht jetzt das Wahlergebnis an und
       vermutet Wahlmanipulation.
       
       Machtwechsel gibt es auch im Süden: Im Bundesstaat Tamil Nadu verlor die
       regierende Lokalpartei Dravida Munnetra Kazhagam (DMK). Stärkste Kraft
       wurde die neue Partei TVK des populären Schauspielers [4][Vijay] (Joseph
       Vijay Chandrasekha), der erst kürzlich in die Politik eintrat und nun wohl
       Ministerpräsident wird.
       
       Im Nachbarbundesstaat [5][Kerala] verliert die kommunistische
       Regierungsallianz LDF ihre Macht. Kerala war der letzte Unionsstaat mit
       kommunistischer Regierungsbeteiligung. Nach zehn Jahren im Amt löst die
       Kongresspartei die Regierung von Pinarayi Vijayan CPI(M) wieder ab. Die BJP
       gewann hier drei Sitze. Bisher hatten nur die Bundesstaaten Kerala,
       Westbengalen und Tripura je demokratisch gewählte kommunistische
       Regierungschefs gehabt, in Westbengalen gar von 1977 bis 2011.
       
       4 May 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://results.eci.gov.in/ResultAcGenMay2026/partywiseresult-S25.htm
 (DIR) [2] https://www.indiatoday.in/elections/assembly/story/assam-election-result-2026-three-gogois-gaurav-gogoi-congress-himanta-biswa-sharma-bjp-2905582-2026-05-04
 (DIR) [3] https://theprint.in/politics/who-else-is-there-to-vote-for-why-muslim-clerics-are-rallying-behind-tmc-in-west-bengal/2035403/
 (DIR) [4] https://www.telegraphindia.com/india/box-office-to-ballot-box-vijays-political-blockbuster-puts-him-on-track-for-power-in-chennai/cid/2158973
 (DIR) [5] https://results.eci.gov.in/ResultAcGenMay2026/partywiseresult-S11.htm
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Natalie Mayroth
       
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