# taz.de -- +++ Nachrichten im Ukrainekrieg +++: Neue Attacken im Grenzgebiet
> Am Sonntag wurde Kyjiw massiv bombardiert. Darauf folgten ukrainische
> Angriffe in den russischen Grenzregionen Belgorod und Brjansk.
(IMG) Bild: Flammen und Verwüstung in der ostukrainischen Stadt Kramatorsk am 25. Mai
## Zwei Tote bei ukrainischen Angriffen in Grenzregionen
Bei ukrainischen Angriffen in den russischen Grenzregionen Belgorod und
Brjansk sind nach Behördenangaben am Montag zwei Menschen getötet worden.
In Belgorod wurde ein Fahrzeug in der Stadt Graiworon von einer Drohne
getroffen, wie die Regionalbehörden mitteilten. Ein Zivilist sei dabei
getötet worden. In Brjansk wurde bei einem ukrainischen Angriff in der
Ortschaft Belaja Berjoska nach Angaben des amtierenden Gouverneurs Jegor
Kowaltschuk ein Mann getötet.
Als Reaktion auf fast tägliche russische Angriffe greift die Ukraine
regelmäßig russisches Territorium an. Die russischen Grenzregionen sind am
stärksten von den Drohnenangriffen betroffen.
In der Nacht zum Sonntag hatte Russland die Ukraine mit massiven Raketen-
und Drohnenangriffen überzogen, insbesondere die Hauptstadt Kyjiw. Russland
setzte dabei auch die atomwaffenfähige Oreschnik-Mittelstreckenrakete ein.
Nach ukrainischen Angaben gab es mindestens vier Tote und mehr als hundert
Verletzte. Moskau bezeichnete die Angriffswelle als Vergeltung für einen
ukrainischen Drohnenangriff in der russisch besetzten Region Luhansk mit 21
Toten und mehr als 40 Verletzten. (afp)
## Neue Attacken im Grenzgebiet
Die Angriffe folgten auf eine der schwersten russischen Bombardierungen der
ukrainischen Hauptstadt Kyjiw seit [1][Beginn des Kriegs im Februar 2022].
Dabei wurden nach ukrainischen Angaben am Sonntag insgesamt vier Menschen
getötet und Dutzende verletzt. Die ukrainische Luftwaffe teilte mit,
Russland habe insgesamt 600 Drohnen und 90 Raketen abgefeuert. Das
russische Verteidigungsministerium erklärte laut einem Bericht der
Nachrichtenagentur Interfax, es seien vier verschiedene Raketentypen
eingesetzt worden, darunter die Hyperschall-Mittelstreckenrakete vom Typ
Oreschnik sowie die Systeme Iskander, Kinschal und Zirkon. Die Angriffe
hätten sich gegen militärische Ziele gerichtet und seien eine Vergeltung
für ukrainische Angriffe auf zivile Ziele gewesen.
Die Angaben aus den Kampfgebieten ließen sich von der Nachrichtenagentur
Reuters zunächst nicht unabhängig überprüfen. Sowohl Russland als auch die
Ukraine weisen den Vorwurf zurück, gezielt zivile Objekte ins Visier zu
nehmen. Russlands Präsident Wladimir Putin hatte Vergeltung für einen
ukrainischen Drohnenangriff auf ein Studentenwohnheim in der russisch
besetzten Region Luhansk angekündigt. Das ukrainische Militär wies diese
Darstellung zurück und erklärte, es habe eine russische
Drohnen-Kommandoeinheit ins Visier genommen. (rtr)
## Russlands Oreschnik-Rakete
Russland hat die Ukraine in der Nacht zum Sonntag zum dritten Mal mit ihrer
neuen atomwaffenfähigen Oreschnik-Rakete angegriffen. Der erste Angriff war
Ende 2024 erfolgt, der zweite Anfang 2026. Die Existenz dieser neuen
Rakete, die mit Hyperschallgeschwindigkeit fliegen kann, hatte Russland am
21. November 2024 enthüllt, als es mit ihr eine Rüstungsfabrik im
ostukrainischen Dnipro angriff. Moskau zufolge handelte es sich um die
Reaktion auf damalige ukrainische Angriffe auf Russland mit US-Raketen vom
Typ ATACMS und britischen Storm-Shadow-Raketen.
Mittlerweile hat nach russischen Angaben die Serienproduktion der
Oreschnik-Rakete begonnen. Das mit Russland verbündete Belarus, das an
mehrere EU-Länder grenzt, verkündete, dass die Rakete im Dezember 2025 auf
seinem Territorium stationiert worden sei. Laut Kreml-Chef Wladimir Putin
handelt es sich bei der Oreschnik um eine ballistische
Mittelstreckenrakete, die Ziele in 3.000 bis 5.000 Kilometern Entfernung
treffen kann. Sie gehört demnach nicht zu den Interkontinentalraketen, die
eine Reichweite von mehr als 5.500 Kilometern haben.
Bei einem Abschuss aus Russlands äußerstem Osten könnte sie theoretisch
allerdings die US-Westküste erreichen. Und die Rakete könne „fast ganz
Europa bedrohen“, sagt Pavel Podvig vom UN-Institut für Abrüstungsforschung
(Unidir).
Bis 2019 durften Russland und die USA derartige Raketen wegen des damals
noch geltenden INF-Vertrags zu atomar bestückbaren Mittelstreckenraketen
nicht in den Dienst stellen. Während seiner ersten Amtszeit als
US-Präsident kündigte Donald Trump das Abkommen 2019 allerdings auf und
begründete dies mit russischen Verstößen gegen die Vereinbarung.
Ende 2024 versicherte Putin bei einem im Fernsehen übertragenen Treffen mit
Militärs, Russland verfüge über einen einsatzbereiten Vorrat an
Oreschnik-Raketen. Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums beruht die
Oreschnik auf der RS-26 Rubesch, einer russischen ballistischen
Interkontinentalrakete. Diese wiederum ging demnach aus dem Raketentyp
RS-24 Iars hervor.
Die RS-26 Rubesch war 2012 erstmals erfolgreich getestet worden. Laut der
russischen Nachrichtenagentur Tass wurde das Raketenprogramm 2018
allerdings eingestellt. Damals fehlte es Russland an den Mitteln,
gleichzeitig die ballistische Mittelstreckenrakete und Hyperschall-Systeme
der neuen Generation weiterzuentwickeln.
Putin zufolge kann die Oreschnik-Rakete 2,5 bis drei Kilometer pro Sekunde
zurücklegen, also etwa 12.350 Kilometer pro Stunde. Nach seinen Angaben ist
es selbst für moderne Luftabwehrsysteme „unmöglich“, die Rakete abzufangen.
Nach Angaben des ukrainischen Militärgeheimdienstes erreichte die im
November 2024 auf ihr Gebiet abgeschossene Rakete am Ende ihrer Flugbahn
sogar eine Geschwindigkeit von mehr als 13.500 Stundenkilometern. Laut
Putin kann die Oreschnik mit mehreren Gefechtsköpfen bestückt werden, die
sich nach ihrem Eintritt in die Atmosphäre unabhängig voneinander bewegen
können. Dies mache es noch schwieriger, sie abzufangen. (afp)
## Russland: Raketen auf Belgorod, Drohnen auf Jaroslawl
Bei einem massiven Raketenangriff auf die an die Ukraine grenzende
russische Region Belgorod wurde die Energie-Infrastruktur beschädigt. Davon
ist auch die gleichnamige Stadt betroffen, wie die Nachrichtenagentur
Interfax unter Berufung auf örtliche Behörden meldet. Die Strom- und
Wasserversorgung ist den Angaben zufolge unterbrochen worden. Die
russische Region Jaroslawl nordöstlich von Moskau wird nach Angaben des
dortigen Gouverneurs mit Drohnen angegriffen. Dies teilt Michail Jewrajew
auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mit. (rtr)
## Großangriff auf Kyjiw
Russland hat bei [2][Angriffen auf die Ukraine] ein weiteres Mal auch die
neue ballistische Mittelstreckenrakete Oreschnik eingesetzt. Das teilte der
ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am Sonntag mit. Das russische
Verteidigungsministerium bestätigte den Einsatz der Hyperschallrakete, die
nach Angaben Moskaus die zehnfache Schallgeschwindigkeit erreicht. Es
handelt sich um den dritten Einsatz der Rakete seit dem russischen
Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022.
Selenskyj erklärte, die Oreschnik sei während umfassenden Drohnen- und
Raketenangriffen auf Kyjiw zum Einsatz gekommen, bei denen mindestens zwei
Menschen getötet wurden. Laut den ukrainischen Behörden wurden mehr als 80
weitere Menschen verletzt und Wohngebäude, Schulen sowie ein Markt
beschädigt. (ap)
## Moskau spricht von Vergeltung
Die Oreschnik, die sowohl mit konventionellen als auch nuklearen
Sprengköpfen bestückt werden kann, schlug laut Selenskyj in der Stadt Bila
Zerkwa in der Region Kyjiw ein.
Das russische Verteidigungsministerium erklärte, Ziel der jüngsten Angriffe
seien ukrainische militärische Führungs- und Kontrollanlagen,
Luftwaffenstützpunkte sowie Unternehmen der Rüstungsindustrie gewesen. Es
habe sich um Vergeltung für Angriffe der Ukraine auf zivile Ziele in
Russland gehandelt. (ap)
## Residenz des albanischen Botschafters bei Angriff auf Kyjiw getroffen
Bei den Angriffen auf Kyjiw wurde auch die Residenz des albanischen
Botschafters in der Ukraine getroffen. Ferit Hoxha, der Außenminister
Albaniens, erklärte am Sonntag, dies sei inakzeptabel und eine schwere
Eskalation.
Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe setzte Russland 600 Kampfdrohnen
sowie 90 Raketen ein, die aus der Luft, vom Meer und vom Boden abgefeuert
wurden. Die ukrainische Luftabwehr zerstörte oder störte demnach 549
Drohnen und 55 Raketen. Rund 19 Raketen hätten ihre Ziele nicht erreicht,
teilte die Luftwaffe mit. (ap)
## Brände bis Sonntagmorgen in Kyjiw
In der ukrainischen Hauptstadt wüteten bis Sonntagmorgen Brände. Schäden
seien an 50 Orten in mehreren Bezirken registriert worden, darunter an
Wohnhäusern, Einkaufszentren und Schulen, teilte der ukrainische
Katastrophenschutz auf Telegram mit. Auch Gebäude der Polizei seien
beschädigt worden.
„Es war eine schreckliche Nacht. So etwas hat es im gesamten Kriegsverlauf
noch nie gegeben“, sagte die 55-jährige Einwohnerin Switlana Onofryitschuk,
die seit 22 Jahren auf dem Kyjiwer Markt arbeitet, der bei dem Angriff
beschädigt wurde. „Es tut mir unendlich leid, dass ich mich nun von Kyjiw
verabschieden muss. Ich werde dort nicht bleiben – es gibt dafür keine
Möglichkeit mehr.“ (ap)
## Ukraine beantragt sofortige Sitzung im UN-Sicherheitsrat
Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha hat nach den massiven
russischen Luftschlägen gegen die Hauptstadt Kyjiw die internationale
Gemeinschaft zu einer „starken Antwort an den Aggressor“ aufgefordert. Der
Minister beantragte laut einer Mitteilung auf der Plattform X eine
Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats und eine Zusammenkunft der
Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE).
Sybiha warf Russland vor, mit der „barbarischen Raketenattacke“ in der
vergangenen Nacht fehlende militärische Fortschritte auf dem Schlachtfeld
im Angriffskrieg gegen die Ukraine kompensieren zu wollen. (dpa)
## ARD und DW melden Schäden an Studios in Kyjiw
Bei den massiven russischen Angriffen in der ukrainischen Hauptstadt Kyjiw
sind auch Studios der ARD-Korrespondenten und der Deutschen Welle stark
beschädigt worden. In einer Mitteilung des WDR hieß es, wahrscheinlich habe
eine Druckwelle durch die russischen Angriffe in dem zentral gelegenen
ARD-Studio zu Verwüstungen geführt. Es seien Fenster zersplittert, Räume
verwüstet und Wände eingestürzt. Zum Zeitpunkt der Attacken habe sich
niemand in dem Studio aufgehalten.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj teilte mit, das Studio liege
im Gebäude des nationalen Kunstmuseums, das bei den Angriffen beschädigt
worden sei. „Die statische Sicherheit des Gebäudes muss nun überprüft
werden“, erklärte der WDR weiter. Die Berichterstattung werde „mit mobilen
technischen Lösungen und Ausweichmöglichkeiten weiter gewährleistet“.
WDR-Intendantin Katrin Vernau zeigte sich der Mitteilung zufolge „sehr
erleichtert, dass unsere Mitarbeiter bei diesem Angriff nicht verletzt
wurden“. Auch unter den gefährlichen Bedingungen und dem Ausnahmezustand
werde weiter berichtet, „damit die Menschen in Deutschland die wichtigsten
Informationen aus der Ukraine aus erster Hand bekommen“.
Auch die Deutsche Welle (DW), der Auslandssender der Bundesrepublik
Deutschland, meldete Schäden in ihren Büroräumen nach dem russischen
Angriff. „Glücklicherweise befand sich während des Angriffs niemand im
Studio. Trotz der schwierigen Nacht haben die Kolleginnen und Kollegen in
Kyjiw am Morgen regulär ihre Schichten im Nachrichtenbetrieb aufgenommen“,
sagte Mykola Berdnyk, Leiter des DW-Büros in Kyjiw.
Die Journalistinnen und Journalisten setzten sich „jeden Tag
unvorstellbaren Gefahren aus und werden dies weiterhin tun, um dafür zu
sorgen, dass Menschen in der Ukraine, in Russland und weltweit unabhängige
Informationen zum Krieg in der Ukraine bekommen“, sagte DW-Intendantin
Barbara Massing einer Mitteilung des Senders zufolge. (dpa)
25 May 2026
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