# taz.de -- Sipri zu Friedenssicherung: Zu wenig Geld, zu viele Blockaden, weniger Personal
       
       > Das Stockholmer Friedensforschungsinstitut sieht die Zukunft der
       > UN-Friedensmissionen düster. Viele Geberländer halten Geldzusagen nicht
       > ein.
       
 (IMG) Bild: Friedenstruppen der Vereinten Nationen im Libanon im südlibanesischen Qasmiyeh, wo ein israelischer Angriff eine Brücke zerstörte
       
       Die Zahl der Einsatzkräfte in multilateralen Friedensoperationen war Ende
       2025 so niedrig wie seit mindestens 25 Jahren nicht. Zu diesem Ergebnis
       kommt das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri in einer am Montag
       veröffentlichten Untersuchung. Demnach gefährden geopolitische Spannungen,
       politischer Druck und Finanzierungskrisen die Zukunft der etablierten Form
       der Friedenssicherungsmissionen.
       
       Ende vergangenen Jahres seien 78.633 Menschen in insgesamt 58 Missionen
       beschäftigt gewesen, dies seien die niedrigsten Zahlen seit mindestens dem
       Jahr 2000 und nur halb so viel wie vor zehn Jahren. Zwar seien die Zahlen
       in den letzten Jahren immer mehr gesunken, aber mit 17 Prozent weniger als
       im Vorjahr habe es 2025 den stärksten Personal-Rückgang dieses Zeitraums
       gegeben.
       
       Sipri veröffentlicht den Bericht im Vorfeld des Internationalen Tages der
       [1][Friedenssicherungskräfte der Vereinten Nationen] (UN) am 29. Mai. Das
       Forschungsinstitut blickt darin auch auf Einsätze unter dem Mandat anderer
       Organisationen – mit ähnlichen Ergebnissen, zusätzlich zur grundsätzlichen
       Feststellung, dass die Arbeit der UN durch diese nicht zu ersetzen sei.
       
       ## UN fehlt teilweise eingeplantes Budget
       
       Die Vereinten Nationen sind weiterhin Hauptakteur, in 18 Friedensmissionen
       beschäftigten sie 67 Prozent des 2025 weltweit in diesem Bereich aktiven
       Personals. Der Tag der Friedenssicherungskräfte, mit dem die Organisation
       eben dieses Personal würdigen will, steht in diesem Jahr unter dem Motto
       „In Frieden investieren“. Das sei als Aufruf zu entschlossenem Handeln zu
       verstehen, „um sicherzustellen, dass die zivilen und militärischen
       Friedenssicherungskräfte die Ressourcen haben, ihre lebenswichtigen
       Aufträge zu erfüllen“, schreiben die UN dazu.
       
       Sipri sieht in seiner Analyse die Dringlichkeit des Aufrufs bestätigt: Der
       Wegfall eingeplanter Finanzierungen zwang die UN demnach im vergangenen
       Jahr zu tiefen Einschnitten bei mehreren Missionen, da verschiedene
       Geberländer ihren Zusagen nicht pünktlich oder nicht vollständig
       nachgekommen seien. Mitte vergangenen Jahres hätten den UN mehr als 35
       Prozent ihres Budgets für 2024/25 gefehlt, zwei Milliarden von 5,6
       Milliarden Dollar.
       
       Sipri-Experte Jaïr van der Lijn fürchtet eine dramatische Schwächung des
       multilateralen Konfliktmanagements, sollte die Entwicklung sich fortsetzen.
       Institutionen wie die Vereinten Nationen drohten in den Hintergrund
       gedrängt zu werden, sagte der Direktor des Sipri-Programms für
       Friedensoperationen und Konfliktmanagement laut Pressemitteilung. Im
       Ergebnis seien mehr Konflikte mit wahrscheinlich schwerwiegenderen Folgen
       für die Zivilbevölkerung zu erwarten.
       
       ## Internationale Spannungen erschweren die Arbeit
       
       Als Beispiele dafür, wie internationale Spannungen die Friedensarbeit
       erschweren, nennt Sipri Positionen einzelner Mitglieder im
       UN-Sicherheitsrat. Die USA hätten 2025 [2][die Beendigung der UN-Mission
       UNIFIL im Libanon] verlangt, trotz regelmäßiger Verletzungen des
       Waffenstillstandsabkommens zwischen Israel und Libanon. Als Kompromiss
       wurde eine letztmalige Verlängerung bis Dezember dieses Jahres erreicht.
       China und Russland hätten derweil lange die Ausweitung eines
       internationalen Einsatzes in Haiti zu einer UN-Mission blockiert und
       schließlich einer kleineren Kompromiss-Variante zugestimmt.
       
       Sipri sieht auch bei Missionen von regionalen Organisationen wie der
       [3][Afrikanischen Union] oder der Organisation für Sicherheit und
       Zusammenarbeit in Europa (OSZE) neben fehlenden finanziellen Mitteln
       „geopolitische Rivalitäten“ als bremsendes Element, etwa in [4][Sudan] und
       der Ukraine. Sipri-Forscherin Claudia Pfeifer Cruz spricht zudem von einem
       Mangel an Schlüsselkompetenzen für erfolgreiche Friedensbildung, im
       Vergleich zu den UN.
       
       ## Düsteres Gesamtbild
       
       Und während die genannten Probleme multilaterale Friedensoperationen
       schwächten, nähmen uni- oder bilaterale und ad-hoc-Einsätze zu, die
       militarisierter und direkter von Eigeninteressen der beteiligten Staaten
       geprägt seien.
       
       Die Stockholmer Friedensforscher malen ein recht düsteres Bild der
       Situation, heben aber die nachweisbar breite prinzipielle Unterstützung für
       UN-Friedensmissionen hervor. Um multilaterales Konfliktmanagement zu
       erhalten, bräuchte es dann allerdings mehr als verbale Unterstützung von
       Staaten, betont Pfeifer Cruz. „Sie müssen verlässliche Finanzierung
       bereitstellen und ausreichend politischen Raum schaffen, um effektive,
       multilaterale Antworten zu ermöglichen.“
       
       25 May 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Anne Diekhoff
       
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