# taz.de -- Abschied von Stephen Colbert: Last „Late Show“
> Nach mehr als elf Jahren verschwindet einer der bekanntesten US-Comedians
> aus dem Fernsehen. So verlief seine letzte Sendung.
(IMG) Bild: Die „Late Show“ wird seit 1993 im Ed Sullivan Theater in New York aufgezeichnet
taz/afp/dpa | Am Ende wird Colbert von einem grünen Loch aufgesogen. Ruhe
gibt er dann aber immer noch nicht. Das wäre auch wirklich nicht sein Stil.
Stattdessen singt er mit Paul McCartney „Hello, Goodbye“ – bis das Loch die
ganze Sendung verschluckt. Ist er jetzt doch einfach weg?
Rund 1.800 Sendungen hat Stephen Colbert, einer der berühmtesten Satiriker
der USA, abgerissen. 11 Jahre lang. [1][Am Donnerstagabend begrüßte der
62-Jährige nun zum letzten Mal Gäste in seiner „Late Show“]. Zwar nicht den
Papst, auch wenn Colberts Crew ihm zuerst weismachen wollte, dass der sein
letzter Gast sein sollte. Stattdessen waren unter anderem [2][Paul Rudd]
(„Ant-Man“), Ryan Reynolds („Deadpool“) und Bryan Cranston („[3][Malcolm
mittendrin]“) dabei und ebenjener besagte Ex-Beatle [4][Paul McCartney],
mit dem er später noch musizieren durfte. Vor dem Theater versammelten sich
zahlreiche Fans, um sich zu verabschieden, in Sketchen huldigten andere
Late-Night-Moderatoren dem unfreiwillig Scheidenden. Ein Zeichen nicht nur
an ihn.
Colbert hatte die „Late Show“ 2015 von David Letterman übernommen, der sie
schon 1993 gestartet hatte. Warum diese bekannte und auch erfolgreiche
Sendung absetzen? Laut CBS aus „rein finanziellen Gründen“.
Branchenkenner*innen vermuten auch politische. Tatsächlich fiel die
Entscheidung letzten Sommer, kurz nachdem Colbert Paramount, den
Mutterkonzern von CBS, dafür kritisiert hatte, dass er einen Vergleich mit
Donald Trump geschlossen hatte. 16 Millionen Dollar zahlte ihm Paramount
wegen eines Rechtsstreits um ein Interview mit der Demokratin Kamala
Harris. Für Colbert eine „fette Bestechung“. Zeitgleich wollte Paramount
damals die Zustimmung der Regierung zu einer Fusion mit Skydance Media.
[5][Und Trump begann verstärkt gegen Satire und Medien vorzugehen]. Er
begrüßte sogar öffentlich das Ende der „Late Show“.
Colbert selbst erwähnte das alles in seiner letzten Sendung nicht direkt.
Er sagte dem Publikum, Ziel der Sendung sei es über Jahre gewesen,
gemeinsam mit den Zuschauer*innen die Nachrichtenlage zu verarbeiten.
„Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich habe es auf jeden Fall
gespürt.“
Politische Spitzen platzierte Colbert zu Beginn der letzten Folge jedoch
nicht. Stattdessen bedankte er sich. Es habe ihm Freude bereitet, die Show
präsentiert zu haben, sagte er in die Kameras. „Tatsächlich nennen wir
diese Show die Freude-Maschine.“ Dann ging es weiter wie sonst auch:
Colbert am Schreibtisch, Kaffeetasse drauf, Spitzen über aktuelle
Nachrichten, und zwischendrin gibt’s Live-Musik. Stoische, sich weiterhin
sträubende Normalität angesichts des Endes.
Zu seinen Zukunftsplänen scherzte Colbert, viele fragten ihn, was er nun
tun werde: „Die Antwort ist: Drogen.“ Bekannt ist bislang, dass er am
Drehbuch eines künftigen „Herr der Ringe“-Films mitschreiben soll.
Mit McCartney plauderte Colbert dann noch über frühere Auftritte und es
wurde tatsächlich ein Stück weit politisch. McCartney sagte auf Colberts
Frage, wie der Brite Amerika vor Jahrzehnten bei Auftritten wahrgenommen
habe: „Als das Land der Freiheit, die größte Demokratie.“ Er schob nach:
„hoffentlich ist es das immer noch“.
Und dann kam eben das Loch, verschluckte erst Colbert, dann die Sendung,
bis nur noch eine kleine Schneekugel von ihr übrig blieb.
22 May 2026
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