# taz.de -- Uniper könnte an Investoren gehen: Wie man einen Energiekonzern verkauft
       
       > Der Bund prüft verschiedene Optionen für den Wiederverkauf des
       > Energiekonzerns Uniper. Ein Börsengang ist möglich, so die
       > Bundesregierung. Es winken Milliarden.
       
 (IMG) Bild: Der Hauptsitz von Uniper in Düsseldorf: Ende März beschäftigte die Firma weltweit knapp 7.200 Menschen
       
       dpa | „Energieunternehmen zu verkaufen. Bei Interesse senden Sie bitte eine
       E-Mail“. So ähnlich stand es jetzt in einer Verkaufsanzeige in der
       Financial Times. Es geht um den (noch) verstaatlichten Energiekonzern
       Uniper, Deutschlands größten Gashändler. Die Anzeige aufgegeben hat das
       Bundesfinanzministerium. Es geht jetzt also los.
       
       2022 [1][wäre Uniper fast zusammengebrochen], als Russland nach dem Angriff
       auf die Ukraine kein Pipelinegas mehr lieferte und die Preise für
       Ersatzlieferungen in extreme Höhen schossen. Auf dem Spiel stand zeitweise
       die Gasversorgung von rund 1.000 Stadtwerken und Industrieunternehmen. Der
       deutsche Staat rettete das Unternehmen [2][mit Milliardenbeihilfen und
       wurde quasi Alleineigentümer.]
       
       ## Bund wird durch Verkauf mehrere Milliarden Euro einnehmen
       
       Die EU hatte die Beihilfen damals unter vielen Auflagen erlaubt. Eine davon
       ist, dass Deutschland seine Beteiligung bis spätestens Ende 2028 auf
       höchstens 25 Prozent plus eine Aktie wieder reduzieren muss. Es wird damit
       gerechnet, dass der Bund durch den Verkauf der Mehrheit mehrere Milliarden
       Euro einnehmen wird. Doch wie verkauft man einen Energiekonzern am besten?
       Über die Börse oder doch lieber direkt an Investoren? Oder beides?
       
       Am Dienstag erschien die Verkaufsanzeige. Mit der Veröffentlichung sei der
       offizielle Prozess zur Bestimmung der Nachfrage potenzieller
       Kaufinteressenten gestartet, erklärte eine Ministeriumssprecherin.
       Investoren könnten ihr Interesse jetzt bis zum 12. Juni, 12.00 Uhr mittags,
       registrieren lassen, hieß es in der Anzeige. Mit anderen Worten: Der Bund
       will jetzt wissen, wer sich einen direkten Einstieg bei Uniper vorstellen
       könnte.
       
       ## Achtung, Käufer: Bund will Sperrminorität behalten
       
       Ein Börsengang bleibe aber „weiterhin eine mögliche und gleichberechtigte
       Option“, betonte die Sprecherin. Auch werde in der Anzeige klargestellt,
       dass der Bund nach Abschluss des Privatisierungsprozesses weiterhin 25
       Prozent plus eine Aktie an der Uniper SE halten möchte. Die Bundesregierung
       werde sich damit eine Sperrminorität sichern.
       
       Und noch eine Bedingung nennt das Ministerium in einer Stellungnahme: „Der
       Bund achtet im Verkaufsprozess darauf, dass die Zukunftsfähigkeit des
       Gesamtunternehmens und damit die Versorgungssicherheit Deutschlands gewahrt
       bleibt.“ Die Süddeutsche Zeitung hatte zuvor darüber unter Berufung auf
       eigene Informationen berichtet.
       
       ## Uniper-Chef: Konzern jetzt „stabiler und klarer aufgestellt“
       
       „Uniper freut sich über die heutige Ankündigung des Bundesministeriums der
       Finanzen“, erklärte Uniper-Chef Michael Lewis in einem Statement des
       Unternehmens. Der Konzern sei nun stabiler, resilienter und strategisch
       klarer aufgestellt. Das Geschäft sei konsequent auf verlässliche Erträge
       ausgerichtet und Uniper verfüge über eine starke Bilanz. „Damit sind wir
       nicht nur wieder in der Lage, Dividenden auszuschütten, sondern können
       zugleich gezielt in Wachstum und Transformation investieren – mit einer
       klaren Strategie für nachhaltigen Wert und Versorgungssicherheit.“ Über
       Form und Zeitplan der Reprivatisierung entscheide aber der Bund, betonte
       der Konzern.
       
       ## Arbeitnehmer lehnen Direktverkauf ab
       
       Die Gewerkschaft Verdi [3][hält dagegen weiterhin nichts von einem
       außerbörslichen Verkauf]. Man wolle Uniper als ein starkes, selbstständiges
       Unternehmen erhalten, erklärte der Verdi-Bundesfachgruppenleiter
       Energiewirtschaft, Rolf Wiegand. „Daher fordern wir die Reprivatisierung im
       Rahmen eines erneuten Börsengangs, wobei der Bund eine Sperrminorität von
       mindestens 25 Prozent plus einer Aktie behalten soll.“
       
       Der Vorsitzende des Konzernbetriebsrats Martin Geilhorn sagte der
       Rheinischen Post (Mittwoch): „Einen außerbörslichen Verkauf lehnen wir
       kategorisch ab.“ Man trete weiterhin vehement für einen erneuten Börsengang
       ein, „da die Unabhängigkeit von Uniper für uns essenziell ist, um die
       Rechte und Interessen unserer Mitarbeitenden zu schützen“.
       
       Die Linken-Bundestagsfraktion forderte, Uniper gar nicht zu verkaufen. Die
       Menschen ächzten unter Rekordpreisen, erklärte der finanzpolitische
       Fraktionssprecher Christian Görke laut einer Mitteilung. „Da wäre ein
       staatlicher Energiekonzern zeitgemäßer denn je, um mehr Kontrolle im
       Energiemarkt zu haben.“
       
       ## Uniper ist einer der größten Energiekonzerne Europas
       
       Uniper handelt nicht nur mit Gas in großem Stil. Der Konzern betreibt auch
       Steinkohle- und Gaskraftwerke in Deutschland, Großbritannien und Schweden.
       Strom erzeugt Uniper auch aus Wasserkraft. In Schweden ist Uniper
       Mehrheitseigentümer eines Atomkraftwerks. In Deutschland ist das
       Unternehmen auch größter Betreiber von Gasspeichern. Ende März beschäftigte
       die Firma mit Hauptsitz in Düsseldorf weltweit knapp 7.200 Menschen.
       
       Und um noch einen dicken Energiebrocken muss sich die Bundesregierung in
       den nächsten Jahren kümmern: Sefe GmbH heißt das Unternehmen, das sie
       ebenfalls im Zug der Gaskrise übernommen hat, früher war es eine
       Tochtergesellschaft des russischen Gaskonzerns Gazprom. Sefe ist die
       Abkürzung von Securing Energy for Europe (etwa: Energie für Europa
       sichern). Das Unternehmen ist einer der größten Gasimporteure Deutschlands.
       Auch Sefe muss der Bund bis Ende 2028 wieder weitgehend privatisieren.
       
       Wie das gehen soll, ist aber noch offen: Die Bundesregierung werde im
       Reprivatisierungsprozess der Versorgungssicherheit Deutschlands und Europas
       Rechnung tragen, erklärte eine Sprecherin des für Sefe zuständigen
       Bundeswirtschaftsministeriums. „Dieser Prozess schließt die Prüfung
       verschiedener Optionen ein, die unvoreingenommen geprüft werden.“
       
       19 May 2026
       
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