# taz.de -- Sekte in Deutschland: Verfassungsschutz glaubt nicht mehr an Scientology
> Der Verfassungsschutz beobachtet Scientology nicht länger, weil die
> Bewegung an Bedeutung verloren hat. Einzelne Personen bleiben dennoch im
> Visier.
(IMG) Bild: Ein Bild aus vergangenen Tagen: Scientology-Mitgliederwerbung auf dem Berliner Alexanderplatz im Mai 2003
epd/dpa | Das Bundesamt für Verfassungsschutz hat sich zur Einstellung der
planmäßigen Beobachtung der „Scientology Kirche Deutschland“ geäußert.
Nachdem [1][Scientology] auf Bundesebene in den vergangenen Jahren an
Relevanz verloren habe, werde deren Bearbeitung im Bundesamt nicht länger
als „eigenständiger Phänomenbereich“ fortgeführt, teilte die Behörde auf
Anfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) am Montag mit. Daher tauche
Scientology auch nicht mehr im Verfassungsschutzbericht auf.
Das Bundesamt erläuterte, dass man bei der Beobachtung von Bestrebungen
gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung Erkenntnisse in
[2][Phänomenbereiche wie Rechts- und Linksextremismus sowie Islamismus
einordne]. Die Einordnung diene „arbeitsorganisatorischen Zwecken“.
Unabhängig vom Ende der Beobachtung von Scientology insgesamt werde der
Verfassungsschutz aber weiter „Bestrebungen gegen die freiheitliche
demokratische Grundordnung, die von diesem Personenpotenzial ausgehen“,
bearbeiten.
Der evangelische Sekten-Experte Matthias Pöhlmann hatte dem epd am
Wochenende gesagt, unabhängig von der Entscheidung des Verfassungsschutzes
verfolge Scientology weiter totalitäre und verfassungsfeindliche Ziele.
Dass das [3][Bundesamt für Verfassungsschutz] die Beobachtung beende, sei
angesichts der merklich gesunkenen öffentlichen Wahrnehmung von Scientology
zwar erwartbar gewesen. Gleichwohl sei Scientology nach wie vor gefährlich
und antidemokratisch, erläuterte Pöhlmann, der bei der bayerischen
evangelischen Landeskirche Beauftragter für Sekten- und
Weltanschauungsfragen ist.
Es sei nach wie vor so, dass Scientology viele seiner Mitglieder in enorme
psychische und finanzielle Abhängigkeiten stürze, betonte der
Sekten-Experte: „Diese Organisation missachtet unter anderem das Grundrecht
auf freie Meinungsäußerungen massiv.“
## Beobachtung seit 1997
Seinen Deutschland-Hauptsitz hat Scientology in München. Das bayerische
Innenministerium hatte auf epd-Anfrage bereits am Samstag mitgeteilt, dass
das dortige Landesamt für Verfassungsschutz bis auf Weiteres an der
Beobachtung festhält.
Scientology bezeichnet sich als Kirche, wird von Kritikern aber als
gefährliche Sekte angesehen. Die Organisation wurde 1954 vom
Science-Fiction-Autor L. Ron Hubbard in den USA gegründet, 1970 entstand
die erste Niederlassung in Deutschland. Für das Jahr 2024 gab der
Inlandsgeheimdienst die Zahl der Mitglieder hierzulande mit rund 3.600 an.
Dabei hieß es, diese stagniere seit 2021.
Die Beobachtung durch den Verfassungsschutz hatte 1997 begonnen, hatte
zuletzt allerdings keinen größeren Personaleinsatz erfordert. Im jüngsten
Verfassungsschutzbericht, der Entwicklungen des Jahres 2024 beschreibt,
heißt es, dass die Scientology-Organisation anstrebe, weltweit eine
„scientologische“ Gesellschaft nach eigener Vorstellung zu errichten. In
Hubbards Schriften werde deutlich, „dass in einer Gesellschaft nach
scientologischen Vorstellungen wesentliche Grund- und Menschenrechte, wie
beispielsweise die Menschenwürde und das Recht auf freie Entfaltung der
Persönlichkeit, ebenso wenig gewährleistet sind wie das Recht auf
Gleichbehandlung“.
18 May 2026
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