# taz.de -- Proteste gegen Hochschulbaugesellschaft: Hochschulen sollen Mieter sein
> Der Senat will die Immobilienbestände der Berliner Unis ausgliedern.
> Kritiker:innen befürchten einen Eingriff in die Hochschulautonomie.
(IMG) Bild: Der Investitionsbedarf an Berlins Uni-Gebäuden beträgt über 8 Milliarden Euro
Es passiert selten, dass Gewerkschaften, Unileitungen, Studierende und
Lehrende Seite an Seite protestieren. Umso erstaunlicher ist die einhellige
Ablehnung, die die Pläne für die Hochschulbaugesellschaft in der
Bildungslandschaft hervorruft. Am Montagmorgen versammelten sich nach
Angaben der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi rund 800 Menschen vor dem
Abgeordnetenhaus, um gegen die Verabschiedung des Gesetzes zu
demonstrieren.
„Es ist eine Governance-Struktur, die allein auf Wirtschaftlichkeit
ausgelegt ist und die Hochschulen an den Katzentisch verbannt“, sagte Verdi
Gewerkschaftssekretärin Jana Seppelt. „Der Entwurf schafft keine Lösungen.
Er schafft neue Probleme.“ Die Kritiker:innen befürchten, das Gesetz
stelle einen gravierenden Eingriff in die Autonomie der Hochschulen dar,
das am Ende den Weg für weitere Kürzungen in der Wissenschaft ebnet.
[1][Die Grundidee des geplanten Gesetzes ist es], den Gebäudebestand der
Berliner Hochschulen in eine neuzugründende Anstalt des öffentlichen Rechts
(AÖR) auszugliedern. Diese kümmert sich dann um Neubau, Sanierung und
Instandhaltung der Immobilien. Dafür sollen die Unis Miete an die
Gesellschaft zahlen.
Die Wissenschaftssenatsverwaltung begründet das Gesetz mit dem massiven
Sanierungsstau an den Berliner Hochschulen. [2][Jüngstes Beispiel für die
verheerenden Folgen ist die überraschende Schließung des TU-Hauptgebäudes
Anfang Mai.]
## Marode Infrastruktur
Der zum großen Teil aus den 1960er und 70er Jahren stammende Gebäudebestand
der Berliner Universitäten benötigt aktuell über 8 Milliarden Euro, um ihn
zu ertüchtigen. Eine Summe, die kaum aus dem Landeshaushalt zu finanzieren
ist. Die Rechtsform der AÖR soll es ermöglichen, am Haushalt vorbei Kredite
für Neubau und Sanierung aufzunehmen. Auch erhofft sich die
Senatsverwaltung Effizienzsteigerungen, indem Doppelstrukturen abgebaut
werden, da statt vieler Akteure nur noch eine zentrale Instanz
verantwortlich ist.
Ob das so klappt, daran zweifeln Gewerkschaften und Studierende. „Wer schon
mal eine Berliner Hochschule betreten hat, weiß, dass der Senat nicht
wirklich gut darin ist, Gebäude zu sanieren“, sagt eine Vertreterin der
Landesastenkonferenz, die sich als Elli vorstellt, auf der Kundgebung.
Vielmehr vermutet die Studierende, durch das neue Mieter-Vermieter-Modell
könne der Senat in Zukunft noch mehr auf die Hochschulen einwirken. „Wer
über Flächen entscheidet, entscheidet auch darüber, was an Hochschulen
möglich ist“, sagt Elli. Erste Opfer der künftigen Kostenoptimierung wären
studentische Cafés und andere selbstverwaltete Räume, glaubt sie. „Das sind
Räume, die wir brauchen, um mehr zu sein als eine Matrikelnummer in einem
überfüllten Seminar“. Genährt werden die Befürchtungen durch die Vorgabe im
Entwurf, mittelfristig die Gesamtflächen um 15 bis zu 30 Prozent zu
reduzieren.
## Gesetzesentwurf in den Hauptausschuss überwiesen
Anlass für die Kundgebung war die Tagung des Gesundheitsausschusses am
Vormittag. Dort wurde der Gesetzesentwurf trotz massiver Kritik seitens der
Hochschulen und Gewerkschaften ohne weitere Änderungen zur Abstimmung in
den Hauptausschuss überwiesen.
„Die gesamte Art des Gesetzesverfahrens ist für ein so großes Vorhaben
nicht adäquat“, kritisierte der Wissenschaftspolitiker der Linksfraktion,
Tobias Schulze, während der Sitzung. Auch Schulze befürchtet eine
„Vermarktlichung der innerhochschulischen Raumvergabe“ [3][und letztendlich
weitere Kürzungen]. Für ihn steht fest: „Man kann nicht 15 Prozent der
Flächen reduzieren, ohne ganze Fachbereiche umzusiedeln oder zuzumachen.“
18 May 2026
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## AUTOREN
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