# taz.de -- Bundeswehr stoppt Beförderungen: Lang genug strammstehen soll nicht mehr reichen
> Bislang erlangten Feldwebel nach 16 Dienstjahren automatisch einen
> höheren Rang. Das Ministerium setzt dieser Praxis ein Ende. Der Frust ist
> groß.
(IMG) Bild: Bundeswehrsoldat:innen am Veteranentag 2025 in Hamburg: Für künftige Beförderungen gilt das Leistungsprinzip
Per Handstreich hat das Verteidigungsministerium die Karriereziele
tausender Soldat*innen in Deutschland mit Fragezeichen versehen. Dabei
geht es um die Laufbahnen bestimmter Unteroffiziere, die bislang nach
ausreichend Dienstjahren automatisch befördert wurden. Ein Sprecher des
Verteidigungsministeriums kündigte am Montag in Berlin einen „massiven
Schritt“ an, um die betreffenden Laufbahnen neu zu ordnen. Lange schien es,
dass die Bundeswehr diese Reform, zu der sie durch Gerichtsentscheidungen
eigentlich längst gedrängt wurde, aussitzen wollte.
Schon vor 20 Jahren hatten Gerichte es als rechtswidrig angesehen, dass
Feldwebel (bei der Marine: Bootsmänner) nach 16 Dienstjahren zum
Stabsfeldwebel (Stabsbootsmann) ernannt wurden. Bis endlich Bewegung in die
Sache kam, brauchte [1][es noch ein Urteil des Oberverwaltungsgerichts in
Münster, das auch bereits ein Jahr zurückliegt]: Demnach sind für die
Ausübung eines öffentlichen Amts Faktoren wie Eignung, Befähigung und
fachliche Leistung der Bewerber maßgeblich und haben im Gegensatz zum
Dienstalter Verfassungsrang.
Die Ankündigungen aus dem Verteidigungsministerium kommen für zahlreiche
Soldat*innen, die ihr Laufbahnziel als Stabsfeldwebel sicher glaubten,
dennoch einer Hiobsbotschaft gleich. Am Samstag hatte [2][Generalinspekteur
Carsten Breuer auf Instagram] und im Intranet der Bundeswehr die
Erarbeitung einer neuen Beförderungssystematik bis Anfang 2027 bekannt
gegeben. Als Konsequenz kündigte er einen zeitweiligen Beförderungsstopp
für Hauptfeldwebel und Hauptbootsleute ab dem 1. Juli an.
Der Deutsche Bundeswehrverband reagierte in einer Mitteilung mit
„Enttäuschung, Wut und Frustration“[3][. Auch der Wehrbeauftragte des
Bundestags, Henning Otte (CDU),] sprach eine Mahnung an das
Verteidigungsministerium aus. „Der Beförderungsstopp birgt enorme
Sprengkraft in der Truppe“, erklärte er. Nach der Schaffung neuer
Beförderungsgrundlagen müsse die Entscheidung zügig aufgehoben werden. Otte
begründete dies auch mit der angestrebten Vergrößerung der Bundeswehr.
„Sonst wird der personelle Aufwuchs der Streitkräfte scheitern“, hieß es
von ihm.
## Versprechen gebrochen?
Die höheren Positionen der Stabsfeldwebel wurden einst auch geschaffen, um
den Dienst bei der Bundeswehr attraktiver zu machen. Ein Soldat dieses
Rangs erhält laut einer Modellrechnung Bruttobezüge von etwa 4000 Euro,
hinzu kommen noch eventuell Kinderzuschläge. Der Beförderungsstopp dürfte
den Frust von älteren Soldat*innen angesichts der aktuellen
Entscheidungen noch bestärken: So bekommen die jungen freiwilligen
Wehrdienstleistenden zahlreiche Vorzüge, wie etwa das attraktive
Einstiegsgehalt von 2.600 Euro brutto.
[4][Auch Florian D. Pfaff vom Arbeitskreis Kritischer Soldaten] sieht den
Beförderungsstopp kritisch. Wenn Soldat*innen ein bestimmtes
Laufbahnziel in Aussicht gestellt worden sei, müssten sie dies auch
erreichen können, wenn sie sich nichts zuschulden kommen ließen. „Wenn man
das versprochen hat, muss man das auch einhalten“, sagte der ehemalige
Major der taz.
Im Verteidigungsministerium ist man sich des Sprengstoffs dieser
Entscheidung durchaus bewusst. Die Entscheidung tue weh, sagte ein Sprecher
am Montag. Doch um neue Beförderungen auf der Grundlage des
Leistungsprinzips vornehmen zu können, müsse jetzt dieser Schritt gegangen
werden.
Anmerkung der Redaktion: In einer vorherigen Version des Beitrags war von
Oberstabsfeldwebeln die Rede. Tatsächlich geht es jedoch um den Rang der
Stabsfeldwebel. Wir haben den Fehler korrigiert und bitten um
Entschuldigung.
18 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://nrwe.justiz.nrw.de/ovgs/ovg_nrw/j2025/1_A_842_23_Beschluss_20250725.html
(DIR) [2] https://www.instagram.com/generalinspekteur_bundeswehr/
(DIR) [3] /Bericht-des-Wehrbeauftragten/!6159388
(DIR) [4] /Ueberraschung-beim-Darmstaedter-Signal/!5634778
## AUTOREN
(DIR) Cem-Odos Güler
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