# taz.de -- Film „Der Mandalorian und Grogu“: Baby Yoda für die Rentenversicherung
       
       > Der „Star Wars“-Ableger „Der Mandalorian und Grogu“ vertieft auf die
       > harte Tour den Generationenvertrag. Wirklich ernsthaft wie in „Andor“
       > wird es aber nie.
       
 (IMG) Bild: Keine wirklich kindgerechte Umgebung: Mando und Grogu brechen auf in den Kampf
       
       Vor dem großen Finale – das selbstverständlich gewaltige Explosionen
       beinhaltet – gibt es in einem der raren ruhigeren Momente dieses Films eine
       Sentenz, die so sehr danach schreit, zitiert zu werden, dass man fast schon
       keine Lust dazu hat, es tatsächlich auch zu tun.
       
       „Die Alten beschützen die Jungen. Dann beschützen die Jungen die Alten. Das
       ist der Weg“, so lautet sie. Damit ist über die Grundidee dieses „Star
       Wars“-Ablegers, in dem ein Alter (der Kopfgeldjäger Mando) und ein Junger
       (das mit der übersinnlichen Macht begabte kleine Wesen Grogu) sich durch
       eine in ihren Fugen rüttelnde Galaxie boxen, fast schon alles gesagt. Erst
       beschützt Mando Grogu, dann beschützt Grogu Mando, und am Schluss ist ihre
       seltsame Vater-Sohn-Beziehung ein weiteres Stück gewachsen. Das ist der
       Film im Wesentlichen.
       
       Und man denkt: Vielleicht sollte sich die deutsche Rentenversicherung
       diesen Claim sichern. Klingt cooler als „Generationenvertrag“.
       Andererseits, vielleicht doch nicht. Er wäre vermutlich eh zu teuer.
       
       Wirklich entscheidend für die Ausgestaltung und auch den Plot des Films ist
       sowieso ein anderer Satz, der ziemlich genau in der Mitte des Geschehens
       fällt: „We have to do it the hard way“, sagt Mando da, die kriegerischen
       Verhältnisse im Outer Rim lassen ihm keine andere Wahl.
       
       ## Monster und Krabbeltiere
       
       Seine Position innerhalb des auf George Lucas zurückgehenden
       Figuren-Universums aber auch nicht. Denn die harte Tour, das ist das, wofür
       der Mandalorian von seiner Rollenanlage als menschliche Kampfmaschine in
       undurchdringlicher Superrüstung her halt steht, was diverse
       Nahkampftechniken, Schwert- und Messereinsatz, Sprengsätze und alle
       möglichen Schusswaffen sowieso umfasst. Er ist der Mann für die robusten
       Fälle, „messy“ wird Sigourney Weaver das in ihrem Auftritt als seine
       Vorgesetzte nennen.
       
       Wobei in diesem Zweig der „Stars Wars“-Welt viel geballert wird, aber kaum
       Blut zu sehen ist. Nicht zu zählen, wie viele Droiden, Kampfmaschinen,
       Monster, Drachen, Schlangen, Krabbeltiere und sonstige Lebensformen Mando
       in diesen zwei Stunden alle erledigt, aber – anders etwa als in der
       psychologisch um Längen versierter angelegten „[1][Andor“-Serie] – kommen
       Schmerz und Trauer hier nicht vor.
       
       Das muss man dem Film nicht unbedingt vorwerfen, es ist auch Teil der
       unausgesprochenen Abmachung zwischen Fans und dieser Saga: So richtig
       wehtun darf die Sache nicht (anders als die „Alien“-Serie etwa). Auch das
       Zusammengeklaute der Szenen ist nicht das Problem. Dass man sich bei der
       Action der Eingangssequenz fragt, ob man das Ganze nicht schon ziemlich
       ähnlich bei James Bond gesehen hat, oder wenn man sich bei den nächtlichen
       Straßenszenen wie in den Kulissen des klassischen „Blade Runner“ fühlt,
       dann gehört das zu den soliden Unterhaltungsangeboten, die der Film bietet.
       
       Und das gilt erst recht für die Anspielungen an die vorangegangenen Filme,
       etwa wenn die monsterhaften Gegner, gegen die Mando zusammen mit Rotta the
       Hutt in einer Arena kämpfen muss, aussehen wie die lebendig gewordenen
       animierten Spielfiguren des Schachspiels zwischen Chewbacca und C-3PO aus
       dem allerersten „Star Wars“-Film („Let the wookie win“).
       
       ## Der emotionale Glutkern
       
       Aber ob eine „Stars Wars“-Episode gut ist, entscheidet sich daran, wie sehr
       es das emotionale Zentrum, um das es gebaut ist, bei allem Geballer und
       aller Materialschlacht dann letztlich doch ernst nimmt. Die klassische
       „Star Wars“-Trilogie verhandelte eben auch ernsthaft den Kampf der
       Multitude gegen das normierende System und auch schon gepanzerte
       Vaterschaft. Die nachfolgenden Episoden umspielten den Untergang der
       Demokratie und den Aufstieg des Autoritarismus. In „Rogue One“ ging es um
       die Frage, was man für die Rebellion zu opfern bereit sein muss (alles,
       klar).
       
       Jetzt in „Mandalorian und Grogu“ weicht Regisseur Jon Favreau dem
       emotionalen Glutkern, der möglich gewesen wäre, aber geradezu aus. Statt
       die Vater-Sohn-Beziehung zu beleuchten – etwa entlang der Frage, wie sich
       [2][Fürsorge und Panzerung] zueinander verhalten –, entwickelt er die
       Geschichte seitwärts. Die wirklich emotionalen Momente bekommt Rotta the
       Hutt, die gewaltige Riesenlarve, die eigentlich gut sein möchte, Sohn von
       dem Erzschurken Jabba the Hutt aus der klassischen Trilogie.
       
       In der schönsten, da nicht ins Gerüst der Charaktere gepressten Szene des
       Films spielen dieser Rotta und Grogu ausgelassen in den auslaufenden Wellen
       am Strand – während der Mandalorian gefangen in seiner Rüstung offenbar
       gerührt zusieht (was man wegen seines Helmes aber eben nicht sehen kann).
       Hier ist auch zu erkennen, wie viel Fortschritte die Tricktechnik
       inzwischen gemacht hat: Wie in einem plötzlichen Aufblitzen erwecken die
       Trickfiguren in dieser kurzen Szene Gefühle zum Leben.
       
       ## Erzählerisches Potenzial
       
       Vor allem kann man hier aber auch sehen, wie viel erzählerisches Potenzial
       Jon Favreau ungenutzt liegen lässt. Nah kommen einen diese Figuren nur in
       der etwa zehnminütigen Episode, in denen Grogu sich dann tatsächlich um
       Mando kümmert, der, da vergiftet, ohnmächtig herumliegt. Ein kleiner Spalt
       in seiner Rüstung ist da offen. Mehr aus den Friktionen zu machen, die sich
       zwischen the hard way und [3][alleinerziehender Vaterschaft] auftun – das
       wäre ein Weg gewesen. Den Weg gibt es, auch wenn Mandalorians das penetrant
       behaupten mögen, ja sowieso nicht.
       
       Weibliche Figuren kommen, von Sigourney Weaver abgesehen, in der ganzen
       Handlung übrigens nur als Staffage vor.
       
       21 May 2026
       
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